Denksprüche. Drittes Hundert

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Textdaten
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Autor: Johann Karl Wilhelm Geisheim
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Titel: Denksprüche. Drittes Hundert
Untertitel:
aus: Gedichte, Zweites Bändchen.
S. 109–122
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1839
Verlag: Josef Max & Komp.
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Erscheinungsort: Breslau
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Quelle: Commons, Google
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[109]
Denksprüche. Drittes Hundert.
[111]

 1.
Wen zeigt dies Bild? – Soll’s Adam sein?
Niemand erkennt ihn so allein.
 2.
Beelzebub, zwar grimm und graus,
Sieht aber wie ein Mensch doch aus.
 3.
Gar Mancher liest den Cicero,
Und drischt doch ewig leeres Stroh.
 4.
Wen man zum Dalailama erkor,
Der setzet, was er will, euch vor.
 5.
Manche Eva, schlimm genannt,
Ward nur nicht nach Verdienst erkannt.
 6.
Junger, lerne vom alten Fritz;
Preußen verdankt ihm seinen Witz.
 7.
Auch Goliath biß in das Gras.
Du großer Lümmel, merk’ dir das!

[112]
 8.

Hans möcht’ auch ein Husar gern sein,
Und hauet in die Klösel ein.
 9.
Hätt’ Jeder, der Johannes heißt,
Doch des Johannes Friedensgeist.
 10.
Mit seinen kleinen Augen, guck!
Sieht doch wo’s Most giebt, der Kalmuck.
 11.
Lookoon gab guten Rath,
Die Schlang’ ihn drum erbissen hat.
 12.
Der Mammon ist dein liebster Schatz,
Hat aber nicht im Herzen Platz.
 13.
Ihr richtet gern Napoleon;
Er steht schon vor des Richters Thron.
 14.
Es hatt’ es doch Freund Oberon
Noch leichter als Napoleon.
 15.
Wenn Eurer mancher Papst nur wär’,
Er wär’ wohl schlimmer noch als der.
 16.
Nicht Jeder ist ein Ehrenmann,
Der wie ein Quäker quäkern kann.

[113]
 17.

Rom zwar erbaute Romulus,
Doch wahrlich nicht auf einen Schuß.
 18.
Von Socrates spricht mancher Mann,
Der doch nicht ruhig sterben kann.
 19.
Tatüffe gab’s vor Molier’,
Auch wimmeln sie noch hinterher.
 20.
Ein Uhu schleichet durch die Welt,
Die Mißvergnügten gern gesellt.
 21.
Der Vampyr, ist der Eigennutz,
Der allem Schönen bietet Trutz.
 22.
Amerika hätt’ gute Betten,
Wenn sie noch Washingtone hätten.
 23.
Wie mahlt man denn wohl die Xantippe? –
Mit einer abgedroschnen Lippe.
 24.
Wir reimen auf das graecum Y
Bei Manchen I ad graecum II.
 25.
Wohl sitzt die Zeit im Käfig, doch
Der Zimmermann ließ noch ein Loch.

[114]
 26.

Die Auster schmeckt dem Schmecker gut;
Dem Kind’ die Amme bene thut.
 27.
Bock und Barbier sind gleicher Art;
Denn beide putzen ja den Bart.
 28.
So wie der Caffee wird gebrannt,
War Constantinopel oft in Brand.
 29.
Zum Dudelsack muß Wind man haben;
Die Dame fordert gleiche Gaben.
 30.
Das Eichenblatt hängt man dem Helden an,
Des Esels Namen dem Dummerjan.
 31.
Dem Farbekasten entquillt dein Bild;
Doch Wangen auch färbt, was der Flasch’ entquillt.
 32.
Einem versäuerten Apfel gleicht
Eine Geige, die ein Schüler streicht.
 33.
Vor den Hennen machet Honneurs der Hahn;
Vor den Damen ziehn Herr’n Handschuh an.
 34.
Wie der Igel, wenn man ihn fangen will,
Liegt Ingrimm nur in der Klemme still.

[115]
 35.

Es bückt sich, wer die Kugel erblickt;
Vor’m Klingelbeutel der Arme nickt.
 36.
Der Liebhaber, wie die Laterne,
Wandelt im Finstern gerne.
 37.
Wie Mäuschen sich in der Falle fangen,
Ist’s im Mondschein manchem Mädchen ergangen.
 38.
So wie der Niesewurz dich führt zu Verstand,
So führet in den Stock Nachtwächters Hand.
 39.
Nicht fort bien brüllt der Ochse, jedoch bien fort,
So soll auch die Oper stets fallen ins Ohr.
 40.
Philister und Pferd verleugnen sich nicht;
Denn beide sind stetsch, auf die Kripp’ erpicht.
 41.
Quacksalber besalben des Menschen Gebein;
So salben die Quäker die Seelen ein.
 42.
Die Rose sticht, der Rettig beißt,
Wie’s von der Lieb’ und Ehe heißt.
 43.
Inwendig in der Schachtel und in Spanien ist’s nicht hell,
In beiden doch verborgen lustreicher Schätze Quell.

[116]
 44.

’S giebt Teufelstanz, Tanzteufel auch nicht minder;
Und, wie der Teufel, lockt der Tanz die schönen Kinder.
 45.
Der Uhu krächzt Unglücklichen:
„Die Uhr schlägt keinem Glücklichen.“
 46.
Der Vetter ist dem Veilchen gleich;
Die Mühmchen finden ihn am Teich.
 47.
Die Wachtel pfeift, wenn Regen droht;
Ein Wechsel macht oft thränenroth.
 48.
Sieht nicht der Knix
Fast aus wie ein X?
 49.
Yorik in seinen empfindsamen Reisen
Traf die Franzosen; doch York empindlich mit Eisen.
 50.
Der edle Zobel ist nicht leicht zu fangen.
Wem ist’s nicht so auch mit der Zeit ergangen?
 51.
Schuster, bleib’ bei deinem Leisten;
Unbestand verdarb die Meisten.
 52.
Schlosser, bleib’ bei deiner Feile;
Nimmer ein Luftschiffer queile.

[117]
 53.

Schneider, bleib’ bei deiner Schere,
Wenn sie oft auch mühsam wäre.
 54.
Bleibe, Schmied, bei deinem Hammer,
Will er straucheln, faß ihn strammer.
 55.
Tischler, bleib’ bei deinem Hobel;
Fleiß und Arbeit macht dich nobel.
 56.
Zimmermann, das Winkelmaß
Ziemt dir besser, als das Glas.
 57.
Maurer, bleib’ bei deiner Kelle,
Sie vertritt des Zepters Stelle.
 58.
Gerber, bleib’ beim Schabebaume;
Goldne Bäume sind im Traume.
 59.
Weber, laß dein Schifflein schweben;
Still daheim ist schönes Leben.
 60.
Töpfer, bleib’ bei deiner Scheibe,
Daß der Topf nicht leer dir bleibe.
 61.
Böttcher, lieber wandre baß
Um das Faß, als zu dem Faß.

[118]
 62.

Drechsler, dringe lebenslang
Vorwärts an der Drechselbank.
 63.
Das Geschick in deiner Hand,
Glaser, ist ein Diamant.
 64.
Querl sieht die Welt voll Mißtrau’n an,
Weil er sich selbst nicht trauen kann.
 65.
Er glaubt, daß Alle feindlich sind,
Weil selbst er nichts als Zwietracht spinnt.
 66.
Für Schurken hält er alle Welt,
Weil er nie Treu’ und Glauben hält.
 67.
Die Tugend feindet gern er an,
Weil er sie selbst nicht üben kann.
 68.
Er, selbst mit Gott und Welt entzweit
Als gottlos alle Welt verschreit.
 69.
Er legt dir Trug und Falschheit bei;
Denn er ist nie von Falschheit frei.
 70.
Er glaubt, daß du ein Schmeichler bist,
Weil selber er ein Heuchler ist.

[119]
 71.

Er dichtet gern dir Dummheit an,
Weil er ja selber nicht viel kann.
 72.
Die Sünde drückt ihn zentnerschwer,
Er glaubt, Jedweder sei wie er.
 73.
Er wär’ den Vorwurf gerne los,
Drum stellt er stets den Nächsten bloß.
 74.
Des Schuftes Lust an Schlechtigkeit
Der Welt sein eignes Bild verleiht.
 75.
Weil gern er hinter die Thüren kriecht,
Drum überall Verrath er riecht.
 76.
Die Schwachen freu’n sich Andrer Schwächen,
Laßt lieber von ihrer Stärk’ uns sprechen.
 77.
Ihr haltet euch für tugendbegabt,
Weil ihr ein beschränktes Bewußtsein habt.
 78.
Die Leute können dir viel verzeihn,
Doch strebe nicht, besser als sie zu sein.
 79.
Wenn dich die Leute alle verdrüßen,
Wirst in dir selber du’s suchen müssen.

[120]
 80.

Statt Andrer Kaltsinn anzuklagen,
Frag’ ob du Andern kannst behagen.
 81.
Es kann nicht Jeder, wie du bist, sein,
Drum räume Jedwedem sein Wesen ein.
 82.
Mußt die Menschen nicht zergliedern,
Duldung nur macht sie zu Brüdern.
 83.
Wer dir widerspricht,
Ist dein Feind just nicht.
 84.
Der ist von der Wahrheit fern,
Der sich hält für ihren Stern.
 85.
Mit des innern Werthes Kränzen
Wollt nicht vor den Leuten glänzen.
 86.
Darfst dich nicht in Tugend hüllen,
Thust du’s nur der Ehre willen.
 87.
Rühmst du dich der guten That,
Dann dein Ruhm ein Ende hat.
 88.
’S ist ein ehrlicher Kerl! – Woher weißt du das? –
Er vesichert’s ja selber ohn’ Unterlaß.

[121]
 89.

Ob deiner Gunst nicht, der Sache willen,
Werd’ immer ich meine Pflicht erfüllen.
 90.
Was Andre beglücket, und was nicht,
Zu thun und zu lassen, ist Liebespflicht.
 91.
Gieb guten Ton an, gern stimm ich ein!
Doch bist du grob, dürft’ ich nicht auch es sein?
 92.
Grüß! Wenn er nicht wieder grüßt,
Höflicher als er du bist.
 93.
Glücklich, wer den Grobian
Kalt ablaufen lassen kann.
 94.
Einem Flegel auszuweichen,
Wird dir nie zum Schimpf gereichen.
 95.
Statt dich mit Grobianen zu messen,
Lerne sie lieber vergessen.
 96.
Dir sei der Vorzug unbenommen,
In Grobheit mir zuvorzukommen.
 97.
Spät erst kommt der Weisheitszahn,
Hör’ drum den[1] Jüngling duldsam an.

[122]
 98.

Ihr habt kaum in die Welt geguckt,
Und schon darin als Richter spukt.
 99.
Im Urtheil freundlich,
Mir selbst nur feindlich.
 100.
Gegen bösen Willen fest,
Mild dem, der sich lehren läßt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: deu