Denksprüche. Viertes und fünftes Hundert

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Autor: Johann Karl Wilhelm Geisheim
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Titel: Denksprüche. Viertes und fünftes Hundert
Untertitel:
aus: Gedichte, Zweites Bändchen,
S. 293–317
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1839
Verlag: Josef Max und Komp.
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Erscheinungsort: Breslau
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Originaltitel:
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Quelle: Commons, Google
Kurzbeschreibung:
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[293]
Denksprüche.



Viertes und fünftes Hundert.

[295]

 1.
Harr’ aus im Winter,
Der Frühling kommt dahinter.
 2.
Finstrer nur durch deine Klage
Machest du die finstern Tage.
 3.
Denk, wenn dir warm ist,
An den, der arm ist.
 4.
Vor allem Unglück steht die Krankheit voran,
Da helfe die Liebe, wie sie nur kann.
 5.
Darfst nur der Deinigen Zukunft denken,
Um der Gegenwart gern Hilfe zu schenken.
 6.
Weh, wer zu laufen den Muth verliert,
Und vor Unthätigkeit erfriert.
 7.
Besser still zu Fuße gehn,
Als im Wagen dumm aussehn.

[296]
 8.

Auf seinen Lorber’n ruhen, heißt,
Erstorben sein an Kraft und Geist.
 9.
Es macht der Verstand
Gewandt auch die Hand.
 10.
Sei du gebildet, du bildest dann
Um dich gebildete Menschen heran.
 11.
Du magst es zehnmal offenbaren;
Sie müssen’s Alle selbst erfahren.
 12.
Nur Eigenthum
Ist Ruhm.
 13.
Zu wissen was man will, ist Pflicht;
Die meisten Menschen wissen’s nicht.
 14.
Wenn recht du wüßtest, was du bist,
Du wüßtest, was dein Schicksal ist.
 15.
Einer ist des Andern Geißel,
Doch auch seiner Bildung Meißel.
 16.
Was And’res begehret beständig der Tropf,
Was Neues, und wär’ es ein blutiger Kopf.

[297]
 17.

Das Wort besticht und erzürnt die Welt,
Ein Weiser gern an den Willen sich hält.
 18.
Wie der Schwan, wenn er schwimmt, die Füße versteckt,
So der Arbeit Mühen der Künstler verdeckt.
 19.
Zum guten Werke
Giebt Frohsinn Stärke.
 20.
Fröhlich Gesicht
Sündiget nicht.
 21.
Die Widersacher der Humoristen
Sind Philister und Egoisten.
 22.
Es muß im Blick, soll mir’s behagen,
Was um mich lebt, Behagen tragen.
 23.
Soll man keinen Spaß mehr haben,
Lasse man sich bald begraben.
 24.
Nie lasse dir die Qual gereu’n,
Der’s glücket, Andre zu erfreu’n.
 25.
Freu’ dich, zu machen,
Daß And’re lachen.

[298]
 26.

Wer wollte wohl vom Platze weichen,
So lang’ nicht alle Sterne bleichen.
 27.
Sollst du dich deiner Schwachheit rühmen,
Magst du’s doch gern der Welt verblümen.
 28.
Was hast du davon, von dir zu sagen,
Was die Leute nicht kümmert, wonach sie nicht fragen?
 29.
Sie horchen dich aus,
Und lachen dich aus.
 30.
Sprichst du von dumm,
So sieh dich um.
 31.
Es soll gebildet, gemessen und fein,
Mit Wahl zu sprechen, dein Wahlspruch sein.
 32.
Die Natterzunge von dir übel spricht;
Gut sprechen dann das Thier ja nicht.
 33.
Was du mit Liebe hast gesä’t,
Das trägt dir Frucht, und wenn auch spät.
 34.
Rechne nicht auf Lohn,
Der Rechner hat ihn schon.

[299]
 35.

Weil Liebe Alles will gewähren,
Muß Liebe Vieles gern entbehren.
 36.
Der Geist beständig neu,
Das Herz beständig treu.
 37.
Nüchtern und wach
Bringt Glück unter Dach.
 38.
Wär’st du ohne Kummer,
Lägest du im Schlummer.
 39.
Dein Hang zum Ärgerniß
Ist des Gesundens Hinderniß.
 40.
Die altes Ärgerniß wiederkäu’n,
Können sich nimmer des Guten freu’n.
 41.
Vergiß im Mißgeschick
Nicht das genoßne Glück.
 42.
Wer nicht dem Leben Schmuck durch Träume weiß zu geben,
Der, um nicht arm zu sein, muß lieber gar nicht leben.
 43.
Was selbst du eingebrockt, sollst du beim Essen,
Wenn’s dir nicht schmeckt, doch nie vergessen.

[300]
 44.

Ändre dich
Unveränderlich.
 45.
Sich entschuldigen
Heißt oft, sich huldigen.
 46.
Sich fürder besser befleißen,
Ist besser als Kopfabreißen.
 47.
Müssen ist Krieg,
Wollen ist Sieg.
 48.
Alle befehlen und herrschen gern;
Setz’ über dich selbst dich selbst zum Herrn.
 49.
Jugendkraft
Ist dünkelhaft.
 50.
Nichts ist so gefährlich, als früher Mai,
Als vor der Zeit zwitschernde Liebelei.
 51.
Frühes Juchhe!
Spätes O weh!
 52.
Man hätschelt und stengelt den jungen Baum,
Doch bei dem alten verlohnt sich’s kaum.

[301]
 53.

Ein Alter, der auf die Jugend schmält,
Der hat sein ganzes Leben verfehlt.
 54.
Sie zanken sich und streiten,
Ob sie sollen vorwärts schreiten.
 55.
Gestern verträumt
Heißt morgen versäumt.
 56.
Die Schönheit fordert auf, zu lernen
Sich vom Gemeinen zu entfernen.
 57.
Je höher oben,
Je weniger Toben.
 58.
Willst Kirschen essen mit großen Herrn;
Besser doch schmecken sie davon fern.
 59.
Elender, der die Kirschen schlürft,
Die Kerne nach seinem Nächsten wirft.
 60.
Mein Nächster ist, der im Elend ist;
Hilf ihm, so fremd du ihm immer auch bist.
 61.
Übermuth zu zeigen,
Ist der Gemeinheit eigen.

[302]
 62.

Wer am äußern kleinlichen Rechte klebt,
Der nie nach was Rechtem im Leben strebt.
 63.
Entstelle doch dein Antlitz nicht
Durch dein anmaßendes Gesicht.
 64.
Zorn wird oft zum Sünder,
Langmuth minder.
 65.
Hüte dich doch, schlimme Sachen
Durch Toben drüber noch schlimmer zu machen.
 66.
Hast du Pech an deinen Händen,
Sollst dich Andern abwärts wenden.
 67.
Giftmichel gleicht dem Essig allemal,
Ist er nicht bissig, dann ist er schal.
 68.
Die Striegel machet das Fell zurecht,
Doch bleibt, wer sie brauchet, ein Pferdeknecht.
 69.
Nichts ist an deinen Werken,
Läß’st du drin Bosheit merken.
 70.
Nicht wie’s die Lacher haben wollen,
Nach Recht und Pflicht wir reden sollen.

[303]
 71.

Es glaubt ein Lump sich selbst zu adeln,
Weiß er an Edlen was zu tadeln.
 72.
Viel kann man dem Zorn verzeihn,
Nachtragen aber ist immer gemein.
 73.
Wer dich vor Andern beleidigen kann,
Dem klebt die Schande nur selber an.
 74.
Oft kehrt sich um der streitige Satz,
Stellst du dich an des Verklagten Platz.
 75.
Was gehet denn dein Zwist mich an?
Riech du doch ganz im Stillen dran.
 76.
Ich ehre dein Recht und deine Pflicht,
Doch deines Betragens Willkür nicht.
 77.
Wohl hätt’ ich Waffen gegen dich,
Doch deine Schwäch’ entwaffnet mich.
 78.
Wollt ihr nur Einfluß auf mich üben,
Dann gern entsag’ ich eurem Lieben.
 79.
Heuchelnd führt oft große Milde
Tück’ und Hinterlist im Schilde.

[304]
 80.

Daß du zu thun es die Macht hast,
Befreit dich nicht von der Schuld Frachtlast.
 81.
Wer Augendiener dulden kann,
Der ist wohl selbst kein freier Mann.
 82.
Keine Karesse
Ohn’ Interesse.
 83.
Ein hohes Gesetz ist Schicklichkeit,
Aber ihr gleich steht Ehrlichkeit.
 84.
Du selbst nur kannst den schönen Glauben
An Lieb’ und Menschenwerth dir rauben.
 85.
Überall Mängel!
Sei du ein Engel.
 86.
Brumme, schilt und meistre nicht immer,
Statt besser, machst du es nur schlimmer.
 87.
Besser offne Fehde,
Als üble Nachrede.
 88.
Magst still du unter der Erd’ auch gehn,
Ein Maulwurf wird doch noch scheel drauf sehn.

[305]
 89.

Das Gerede der Leut’ und Geschmeiß der Fliegen,
Wirst, redlichster Mensch, du nimmer besiegen.
 90.
Gewohnheit ist die Herrscherin,
Handle klug in ihrem Sinn.
 91.
Wie der Leumund ist entstanden,
Wird er wieder auch zu Schanden.
 92.
Den Weisen kann der Tadel nicht grämen,
Der Schwächling nur wird ihn übel nehmen.
 93.
Schlagt den, der Wahrheit sprach, ihr todt sogar,
Es bleibt die Wahrheit dennoch wahr.
 94.
Oft hat mir in dem, was der Feind gesagt,
Das Licht zu der bessern Einsicht getagt.
 95.
So lange du noch mit dem Gegner zankst,
Du sicher im Kampf’ mit dir selber schwankst.
 96.
Beßre Sache
Ist die beste Rache.
 97.
Für seine eignen Schwächen
Sucht mancher sich an meinen zu rächen.

[306]
 98.

Daß du mich, Bester, nicht verstanden hast,
Fällt mir vielleicht, doch wohl auch dir zur Last.
 99.
Wer dich nicht will verstehn und fassen,
Den wirst du am besten wohl laufen lassen.
 100.
Nichts leistet ihr unabsichtiglich,
So denkt ihr euch drum gern auch mich.
 101.
Ist meine Gesinnung nicht frei,
Dann bin ich nicht gerne dabei.
 102.
Scherzen darfst du nur, wo man
Geistig dich verstehen kann.
 103.
Halt in Verkehr und Streit dich gern
Von ungebildeten Leuten fern.
 104.
Wenn ihr dem Hunde die Ehr’ erweist,
Was Wunder, daß er zum Dank’ euch beißt.
 105.
Laß dir’s eine Warnung sein:
Laß dich nicht mit Lumpen ein.
 106.
Hüte dich, zu verkehren
Mit Leuten, die viel verzehren.

[307]
 107.

Es zwingen dich Schulden,
Gemeinheit zu dulden.
 108.
Teller und Keller
Drehn das Leben schneller.
 109.
Würde nur das Weinhaus
Dir nicht zum frühen Beinhaus!
 110.
Wenig Wurst,
Wenig Durst.
 111.
Wenn ich Rauch seh fliegen,
Dank’ ich an’s Vergnügen.
 112.
Wo die Katze bellt, der Hund miaut,
Vor solcher Wirthschaft mir graut.
 113.
Achselzucker
Schlechter Zucker.
 114.
Drauf los
Macht groß.
 115.
Wie viel Plunder
Thut Wunder!

[308]
 116.

Schlagt doch nicht aus wie Pferde,
Sondern wie Bäume der Frühlingserde.
 117.
Vor dem, der zuletzt lacht, nimm dich in Acht,
Weil leicht er den Strich durch die Rechnung dir macht.
 118.
Die immer über andre klagen,
Wohl selten ihr Gewissen fragen.
 119.
Über der That Erscheinung
Steht des Thäters Meinung.
 120.
Habt ihr den Scheffel Salz auch gegessen,
Die Gesinnung kann doch Niemand messen.
 121.
Meinetwegen gedenke gar nicht mein,
Bleibt nur, was Gutes ich dachte, dein.
 122.
Wer die Strenge des Urtheils übertreibt,
Für den auf der Welt kein Genuß mehr bleibt.
 123.
Wollt ihr Aufseh’n machen,
Fürchtet, die gern lachen.
 124.
Was du auch machest, machst du’s recht,
Dünkt mir auch, was du bist, nicht schlecht.

[309]
 125.

Gefühl für äuß’re Ehre
Sei guter Sitten Wehre.
 126.
Säh’st du mehr umher,
Säh’st und wärst du mehr.
 127.
Lernt doch erst euch selber rathen,
Als regieren und mustern die Staaten.
 128.
Ihr sollt euch der Musik ergeben,
Um Takt zu lernen für das Leben.
 129.
Das Dümmste bedenk’, was ein Sänger sprach,
Zum Beispiel: Dank’ a Bissel nach!
 130.
Wer recht durchdrungen ist von Sangdrang,
Deß Seele fühlt sich frei von Rangdrang.
 131.
Gar lustig sein kann eine Zankbank,
Doch schlimm ist’s, giebt es um die Bank Zank.
 132.
Sie haben Alle Theil am Zeitstreit,
Doch edle Geister nicht zum Streit Zeit.
 133.
So mancher Junggesell’ in Wahlqual,
Trifft dann zuletzt noch eine Qualwahl.

[310]
 134.

Alles, was recht und schlecht wird gethan,
Geht dich allerdings was an.
 135.
Nur allein der Liebe Reich
Macht die Völker frei und gleich.
 136.
Der Frauen freundliches Gesicht
Macht froh den Mann zu That und Pflicht.
 137.
Schönheit ist nie ohne Kraft,
Schönes nur ist dauerhaft.
 138.
Wenn die Weiber vernünftiger wären,
Würden wir viel Vergnügen entbehren.
 139.
Bedenk’, wie viel du hast gethan
Zu deines Eigendünkels Wahn.
 140.
Ein Verdruß hat Wichtigkeit bekommen,
Erst, weil du wichtig ihn genommen.
 141.
Ständige Strenge
Zügelt die Menge.
 142.
Zufrieden mit mir,
Macht mich zufrieden mit dir.

[311]
 143.

Ach, was es doch für schlechte Menschen giebt!
So mach nur du durch Güte dich beliebt.
 144.
Verbaure nicht in deinem Kreise;
In ihm allein wirst du nicht weise.
 145.
Wir müssen Einer mit dem Andern
Zum Ziel’ der Ahnung wandern.
 146.
Sagt, wo wären wir geblieben,
Hätte Niemand was geschrieben?
 147.
Nicht Allen, die Wie’s geht, dich fragen,
Darfst du, wie dir es gehet, sagen.
 148.
Angebot’ne Dienste machen
Kecker meist habsücht’ge Rachen.
 149.
Läß’st du einen Zopf dir drehn,
Wird es öfter bald geschehn.
 150.
Sei mancher Freund dir auch zur Hand,
Dein bester Freund ist der Verstand.
 151.
Undank und Lügen
Auf einem Acker pflügen.

[312]
 152.

Ein Jeder schiebt die Schuld von sich,
Drum bleibt er unverbesserlich.
 153.
Stets wollen die Leute was Neues hören,
Doch alte Sünden nie lassen stören.
 154.
Andern ihr Elend auszureden,
Machet statt Freundschaft nur Fehden.
 155.
Nicht in eiserner leben wir, nein, in lehmerner Zeit,
In ewiger Tret- und Wandelbarkeit.
 156.
Nicht am Wege stehn!
Seiner Wege gehn!
 157.
Wer lange wählt,
Dem’s endlich fehlt.
 158.
Du war’st so kühn, zu wählen,
Drum magst du dich auch quälen.
 159.
Heil, wer sich zusammenrafft!
Mit der Arbeit wächst die Kraft.
 160.
Besinn’ dich,
Geh in dich.

[313]
 161.

Bau Grund an, eh’ du hoch dich stellst,
Zu spät ist’s, wenn du vom Thurme fällst.
 162.
Besser, nicht so schön zu lesen,
Aber doch gar schön gewesen.
 163.
Manch Vöglein einst hat ein Körnlein verstreut,
Das Segen bringet dem Lande heut.
 164.
Schlechter Frucht Haus
Ist das Zuchthaus.
 165.
Gäb’s keine Spitzbuben,
Gäb’s keine Kerkerstuben.
 166.
Schmeckostert dich die Zeit,
Denk’ an die Ewigkeit.
 167.
Wird Noth erst da sein,
Wird Hilf’ auch nah sein.
 168.
Kommt die Fluth,
Kommt auch der Muth.
 169.
Was heute sie nicht zu achten wissen,
Das werden sie einst gar sehr vermissen.

[314]
 170.

Lern’ vorerst viel unterlassen,
Als mit Vielem dich befassen.
 171.
Frage nicht viel,
Such’ selbst dein Ziel.
 172.
Für unvorhergeseh’ne Zeiten
Sollst du dich in der Zeit bereiten.
 173.
Ich habe die guten nicht wahrgenommen,
Drum muß ich an schlechtere Tage kommen.
 174.
Bist du aus der Noth gekommen,
Laß sie dir zur Vorsicht frommen.
 175.
Schaffe doch keinen Hund sich an,
Wer nicht aus dem Ofen ihn locken kann.
 176.
Vorgegeßnes Brot
Ist sich erneuernde Noth.
 177.
Klage nicht lang’ ob des Schadens im Haus,
Beßre doch lieber schnell ihn aus.
 178.
Werde, wozu du tauglich bist,
Aber nicht, weil’s bequem dir ist.

[315]
 179.

Verzage nicht, kommt Reue dir an;
Mach’s besser, und mach’ dich ohn’ Säumen daran.
 180.
Es kann dich in Gefahren
Nur Besonnenheit bewahren.
 181.
Durch Buße wird ein dummer Streich,
Den du gemacht, dir segensreich.
 182.
Wer nie Etwas bereuet hat,
Der nie auch wohl was Gutes that.
 183.
Mit einer Buß’ ist nichts gethan,
Fängt nicht ein neues Leben an.
 184.
Das Himmelreich noch nicht gewann,
Wer mit dem Frommsein prunken kann.
 185.
Nach der Mode laß den Rock dir machen,
Doch nicht modisch sei in Glaubenssachen.
 186.
Schwatzt mir doch nicht von Weisheit vor,
Der Weiseste ist der kleinste Thor.
 187.
Rückwärts kann Erinn’rung leben,
Doch die That muß vorwärts streben.

[316]
 188.

Schlimm ist’s, allein sich durch’s Leben zu plagen,
Zwei können es schon leichter tragen.
 189.
Läßt sich der Zwietracht Wahn nicht durch die Liebe rühren,
Muß man die Thörichten zu ihren Gräbern führen.
 190.
Ach, sich vergessen wähnen,
Das ist ein Quell der Thränen.
 191.
Wenn sie dich begraben,
Was wirst du dann für Jenseits haben?
 192.
Mit dem Tod’ ist nicht zu spaßen,
Er kommt pfeilschnell über die Maßen.
 193.
Die Papiermühl’ ist wie Saturnus, der fraß,
Was er geboren, ohn’ Unterlaß.
 194.
Tod, laß deine Sense ruhn,
Tod, ich habe noch zu thun.
 195.
Schau oft dem Tod’ in’s Angesicht,
Dann stärkt er dich und schreckt dich nicht.
 196.
Es ist ein jeder Tag dir ein Geschenk,
An dem des Todes du bist eingedenk.

[317]
 197.

Furcht vor Qual
Ist siebenmal Qual.
 198.
Thu’ dir nur nicht selbst so leid,
Jedweden ja ereilt die Zeit.
 199.
Der Tod, nur ernst, nicht fürchterlich,
Treibt zu des Lebens Nutzung dich.
 200.
’s Kommt Jeder dran,
Und weiß nicht wann.