Der Apfel der Zwietracht (Kämpchen)

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Autor: Heinrich Kämpchen
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Titel: Der Apfel der Zwietracht
Untertitel:
aus: Was die Ruhr mir sang, S. 146–148
Herausgeber:
Auflage: k. A.
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1909
Verlag: Hansmann & Co.
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Erscheinungsort: Bochum
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Quelle: Commons
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[146] Der Apfel der Zwietracht.

Weltanschauung – mit dem Worte
Ist viel Humbug schon getrieben,
Und noch immer, täglich, ständig
Braucht man es zur Irreführung.

5
Ganz besonders sind’s die Knappen,

Die man dadurch trennt und wirret,
In zwei Lager feindlich spaltet
Und dem Gegner überliefert. –

Demagogisch braucht das Wort man

10
Zur fanatischen Verhetzung,

Um die Macht der Bergarbeiter
Lahmzulegen und zu brechen. –

Mag ein jeder doch anschauen
Sich die Welt, wie’s ihm beliebet,

15
Und wer eine Welt des Jenseits

Noch sich bildet – mag er’s tuen. –

Aber eben so in Freiheit
Soll man auch den andern lassen,
Der mit einer Welt des Diesseits

20
Sich bescheiden schon begnüget. –

[147]
Und wenn er dafür verlanget,
Daß der Proletar, der Knappe,
Menschlich leben soll auf Erden,
Ist zuviel es wohl gefordert? –

25
Muß nicht auch sein Mitgeselle

Von der andern Weltanschauung
Essen, trinken hier auf Erden
Und dem Staat die Steuern zahlen? –

Muß er nicht als Leidensbruder

30
Mit ihm scharren in den Klüften?

Mit ihm hungern und verkümmern,
Wenn sie nicht zusammenhalten? –

Ob und wenn auch Antipoden
In der Weltanschauung – beide

35
Sind doch treue Kameraden

In der schauerlichen Tiefe. –

Droben aber, auf der Erde,
Sollen sie sich meucheln, morden,
(Bildlich brauchen wir die Worte)

40
Eben um der Weltanschauung. –


Also fordern es die Macher,
Die doch nichts dagegen haben,
Daß die lieben Werksbesitzer
Ganz die gleiche Sünde üben. –

45
Einig halten da zusammen,

Um den Bergmann auszubeuten,
Christen mit den Juden, Heiden,
Katholik und Protestante. –

Keiner ist, der ihnen predigt:

50
Müßt euch trennen und zerklüften

Auch in Christen und Nichtchristen,
Also will’s die Weltanschauung. –

Keiner – nur dem guten Bergmann
Wird es täglich vorgeorgelt,

55
Ihm allein ist es vonnöten

Sich zu schützen vor der Fährnis. –
[148]
Und die Lehre? – Mag doch jeder
Wie er will die Welt anschauen,
Aber in dem Kampfe, Knappen,

60
Seid ein ungeteiltes Ganze. –


Wie in Nächten, so am Tage,
Sollt ihr treu zusammenhalten,
Ohne Unterschied des Glaubens,
Einig, einig wie die Gegner. –

65
Dann, nur dann, kommt ihr zum Siege,

Aber laßt ihr euch zerspalten
Mit dem Weltanschauungs-Köder,
Bleibt ihr immer die Geleimten. –