Der Aufruhr der wendischen Bauern im Jahre 1516

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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Der Aufruhr der wendischen Bauern im Jahre 1516
Untertitel:
aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 410–411
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Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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177. Der Aufruhr der wendischen Bauern im Jahre 1516.

Nicht immer war der Bauer der freie und unabhängige Mann wie jetzt. Einst war er der Knecht des Edelmannes und hatte die Härte des „gnädigen Herren“ oft zu fühlen. Wiederholt versuchten es die Bauern, das Joch abzuschütteln. Das geschah besonders im 16. Jahrhundert. Auch in der Wendei rührte sich der Geist der Freiheit. Im Jahre 1516 erhoben sich die wendischen Bauern einmütig. Bald loderte die Flamme des Aufruhrs allerorten. Gegen 9000 Mann nahmen an dem Aufstande teil. Die Schlösser der Edelleute wurden erstürmt, eine Anzahl Edelleute vertrieb man, andere wieder wurden gefangengenommen und enthauptet. Die Köpfe der Erschlagenen steckten die aufrührerischen Bauern auf Spieße und führten diese als Siegeszeichen mit sich. – Manches Schloß ging in Flammen auf. Die Bauern trieben allerlei Mutwillen, plünderten die Klöster, mordeten Unschuldige. Ihr Wüten und Toben kannte keine Grenzen. Die Adeligen waren ihres Lebens nicht mehr sicher. Da wandten sich diese an den damaligen Kaiser Maximilian I. und erhoben Klage gegen die Aufrührer. Aber auch die Bauern wußten den Weg zum Kaiser zu finden und [411] erhoben Gegenklage. Sie schilderten dem Kaiser die große Tyrannei, welche die Edelleute ausübten, berichteten ihm von der „unsäglichen, großen Gewalt“ der adligen Herren im Lande und schoben die Schuld des Aufruhrs, des „Tumultes und Aufstandes“, den Edelleuten einzig und allein zu. Das gewalttätige Regiment der Adeligen habe die Bauern veranlaßt, zur Selbsthilfe zu greifen. Der menschenfreundliche, leutselige Kaiser versprach Abhilfe. Er machte einige Zeit den stillen Beobachter. Dabei lernte er kennen, daß die adligen Herren nicht ohne Schuld waren. Deshalb ließ er, wie der Chronist berichtet, „derer von Adel Stoltz, Uebermut und Trotz strafen.“ – Nun hätten die wendischen Bauern sich beruhigen können, aber die Aufrührer fügten sich nicht. Sie legten die Waffen nicht nieder. Die aufständischen Bauern trieben es nach der beim Kaiser eingereichten Gegenklage auch weiter arg und verübten Frevel und Tyrannei wie zuvor. Deshalb sah sich der Kaiser genötigt, auch gegen die wendischen Bauern vorzugehen. Er schickte „800 Soldaten mit einem kleinen reissigen Zeuge ins Land.“ Doch des Kaisers Truppen wurden von den aufrührerischen Bauern in einem Städtchen eingeschlossen und belagert. Die Aufständischen drohten, die Stadt nun an allen Ecken und Enden in Brand zu stecken. Die Soldaten, um ihr Leben besorgt, machten in ihrer Verzweiflung einen Ausfall auf Leben und Tod. Das hatten die wendischen Bauern nicht erwartet. Sie waren deshalb auf diesen Angriff nicht recht vorbereitet und ergriffen die Flucht. Des Kaisers Truppen eilten ihnen nach und hieben und stachen nieder, wen sie erreichten. Es entstand ein schreckliches Würgen. Tausende der Aufrührer fanden ihren Tod. Gar schlimm erging es den Gefangenen. „Diese wurden als tyrannische Aufrührer gestrafft, gespiest, verbrannt, gevierteilet, gehenkt und andern zum Abscheu erschrecklich hingerichtet.“ –

Die aufständischen Bauern der Wendei hatten durch den Aufruhr nichts erreicht. Sie blieben von den Edelleuten nach wie vor abhängig und hatten sich dem Willen derselben zu fügen.

[Christian Heckel: Historische Beschreibung der Stadt Bischoffswerda, 1713. S. 191.]