Der Blinde und der Lahme

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Textdaten
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Autor: Christian Fürchtegott Gellert
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Titel: Der Blinde und der Lahme
Untertitel:
aus: Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen, Erstes Buch. S. 35–36
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1769
Verlag: M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck 1746/48
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Der Blinde und der Lahme.


Von ungefähr muß einen Blinden
Ein Lahmer auf der Straße finden,
Und jener hofft schon freudenvoll,
Daß ihn der andre leiten soll.

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Dir, spricht der Lahme, beyzustehen?

Ich armer Mann kann selbst nicht gehen;
Doch scheints, daß du zu einer Last
Noch sehr gesunde Schultern hast.

Entschließe dich, mich fortzutragen,

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So will ich dir die Stege sagen:

So wird dein starker Fuß mein Bein,
Mein helles Auge deines seyn.

Der Lahme hängt, mit seinen Krücken,
Sich auf des Blinden breiten Rücken.

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Vereint wirkt also dieses Paar,

Was einzeln keinem möglich war.



Du hast das nicht, was andre haben,
Und andern mangeln deine Gaben;
Aus dieser Unvollkommenheit

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Entspringet die Geselligkeit.


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Wenn jenem nicht die Gabe fehlte,

Die die Natur für mich erwählte:
So würd er nur für sich allein,
Und nicht für mich bekümmert seyn.

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Beschwer die Götter nicht mit Klagen!

Der Vortheil, den sie dir versagen,
Und jenem schenken, wird gemein,
Wir dürfen nur gesellig seyn.