Der Brunnen mit dem Männlein (Badisches Sagen-Buch)

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Autor: Heinrich Schreiber
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Titel: Der Brunnen mit dem Männlein
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 368–369
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[368]
1.
Der Brunnen mit dem Männlein.

Wie Jedermann weiß und sehen kann, ist es das alte Wahrzeichen von Freiburg:

Ein Münster ohne Dach,
Überall Brunnen und Bach.[1]

Was aber nur ältere Leute wissen, die immer mehr aussterben, ist, daß es mit dem Brunnenmännlein eine eigen Bewandtniß [369] hat. Es könnens Alle finden, die durch die Straßen gehen, Einheimische und Fremde, doch das ist vergeblich; denn am Tage ist das steinerne Männlein ganz unscheinbar und sieht einem andern so gleich, wie ein Ei dem Andern. Aber gehe in der heiligen Nacht, genau um zwölf Uhr hin, sage Niemanden etwas davon und halte den Athem an dich, vergiß aber nicht, einen ordentlichen Krug mitzunehmen; denn dann fließt aus dem Brunnen statt Wasser Wein, und wenn das Jahr gut wird, ein köstlicher Vierunddreißiger, und das Männlein hält eine blühende Traube in der Hand. Gib aber Acht, daß nicht Zwei zusammen kommen, denn sonst streiten sie schon in Gedanken um den Vorzug und in diesem Falle bekommt keiner etwas.


  1. Durch jede Straße und Gasse Freiburgs rauscht ein munteres Bächlein, und der öffentlichen Brunnen gibt es unzählige.