Der Dom zu Köln und die Kaiserglocke

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Textdaten
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Autor: Nicolaus Hocker
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Titel: Der Dom zu Köln und die Kaiserglocke
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 34, S. 562
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[562] Der Dom zu Köln und die Kaiserglocke. Es giebt eine Nemesis in der Weltgeschichte und eine mächtige Hand, welche die Geschicke der Nationen ihren Zielen entgegen lenkt. Als Friedrich Wilhelm der Vierte den Dom zu Köln für das Symbol der deutschen Einheit erklärte, fragten die Patrioten jener Tage, wann diese Zeit anbrechen werde. So ersehnten auch nach den Befreiungskriegen Männer wie Max v. Schenkendorf, E. M. Arndt, Follen u. A. das deutsche Kaiserthum, das nicht kommen wollte. Die Geschicke Deutschlands waren 1849 ebenso wenig vollendet, wie sie es 1842 und 1813–1815 waren. Soll die Blüthe sich entfalten, muß sich zuerst die Knospe bilden, aus der sie hervorbrechen kann. Alles, was die deutschen Patrioten seit 1806 geredet und gewirkt, Alles, was die deutschen Dichter gesungen und erstrebt haben, waren Bausteine zum großen Werke der deutschen Einheit, jenen Domgroschen gleich, die aus allen Theilen Deutschlands nach Köln strömten, damit das Symbol unserer Einheit vollendet werde. Heute ist dieser Tag nicht allzufern. Schon wachsen die beiden Thürme mächtig empor. Im nächsten Jahre soll das Octogon auf jedem ausgeführt werden, dem dann die Spitzen der auf fünfhundert Fuß Höhe berechneten Thürme aufgesetzt werden sollen. Aller Voraussicht gemäß, wird der Wunderbau im Jahre 1876 vollendet sein. Dann dürfte sich auch das ganze Vaterland an dieser Feier betheiligen, und unterm Klange der Glocken und dem Donner der Geschütze der Welt verkündet werden, daß die deutsche Nation abermals durch gemeinsames Wirken ein großes, ein herrliches Werk vollendet hat.

In hohem Grade bedeutsam ist, daß Kaiser Wilhelm von den in Frankreich eroberten Geschützen dem Kölner Dome eine Anzahl geschenkt hat, aus denen eine „Kaiserglocke“ gegossen werden soll. Seltsame Fügung jener Hand, welche die Geschicke der Völker wie der Einzelwesen lenkt! In der Sehnsucht der Franzosen nach dem Rheine spielte die reiche Stadt Köln mit ihrem Prachtdome eine Hauptrolle. Kaiser Napoleon und sein verblendetes Heer mochten sich schon im Geiste den Moment vorgestellt haben, in dem sie als Sieger in diese Kathedrale einziehen würden. Statt dessen zog er als Besiegter, als Gefangener über den Rhein, angesichts des Domes, der für ihn gewiß wie ein riesiger Mahner erschienen ist, seinem Glücke nicht mehr zu viel zu vertrauen und nicht titanenhaft nach dem Höchsten zu greifen. Die deutsche Einheit, die er verhindern wollte, ist in Frankreich begründet worden, und aus französischen Geschützen gießen wir uns die „Kaiserglocke“ für den Dom, damit sie kommenden Geschlechtern mit ehernem Munde die Größe unserer Tage, die Macht, Kraft und Herrlichkeit der deutschen Nation verkünde, die nicht untergehen wird, so lange sie sich selbst treu bleibt und ihre Art, ihr Wesen, ihr physisches und geistiges Sein nicht gleich den Galliern verzettelt und verlottert.

Die zweiundzwanzig Stück Bronzegeschütze, die der Kaiser dem Dome geschenkt hat, werden eine Glocke im Gewicht von 500[WS 1] Centnern liefern. Diese soll am untern Rande einen Durchmesser von sieben Metern bei fünf und einem Drittel Meter Höhe haben und nächst der berühmten Glocke in Moskau die größte in Europa werden. Der Vorstand des Dombauvereins hat einen Concurs für die Glockengießer ausgeschrieben, und soll sich bereits eine große Anzahl gemeldet haben. Man glaubt, daß der Guß in Köln erfolgen werde. Ueber die auf der Glocke anzubringenden Verzierungen und Inschriften wird das Domcapitel das Nähere bestimmen. Wir sind überzeugt, daß die Franzosen nach Vollendung der „Kaiserglocke“ mehr als je das Verlangen nach Gewinnung des linken Rheinufers empfinden werden. Im Falle eines neuen Krieges möge sie dann die deutsche Nation zum Kampfe – und wohl dem letzten – aufrufen.

Nicolaus Hocker.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: fünfzig. Die Angabe wird in Heft 37 berichtigt.