Der Führer der zweiten Armee

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Titel: Der Führer der zweiten Armee
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aus: Die Gartenlaube, Heft 37, S. 608
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Gartenlaube (1870) b 600.jpg

Recognoscierung des Prinzen Friedrich Karl bei Rohrbach.
Originalzeichnung von C. Rechlin.

[601]
Die Gartenlaube (1870) b 601.jpg

Prinz Friedrich Karl, Commandeur der zweiten Armee,
mit dem Chef seines Generalstabes, General Stiehle.
Originalzeichnung von Professor W. Camphausen in Düsseldorf.

[608] Der Führer der zweiten Armee. Während die beiden Kronprinzen von Preußen und Sachsen sammt dem General Steinmetz mit dem sich beständig „nach rückwärts concentrirenden“ Theilen der französischen Armee so verhängnißvolle Fühlung hielten, daß es ihnen gelang, schon in diesen Tagen den letzten vernichtenden Schlag auf das Haupt des unglückseligen Mac Mahon zu führen, um sich nun wohl im Siegeszuge gegen Frankreichs Hauptstadt, gegen Paris, zu wenden, liegt die zweite Armee des deutschen Heeres unter dem Oberbefehl des Prinzen Friedrich Karl heute, da wir diese Zeilen schreiben, noch um die Mauern der Festung Metz, wie ein eherner Ring, festgeschlossen und zur erdrückenden Umarmung Bazaine’s bereit. Aber nicht wie einen Belagerer, der durch Geduld überwindet, sondern wie einen tüchtigen heißspornigen Reitergeneral hat Meister Camphausen in Düsseldorf den Sieger von Mars la Tour für unsere heutige Nummer dargestellt, und als solcher lebt Prinz Friedrich Karl auch zunächst in der Vorstellung Aller, die seine Erfolge im letzten schleswig-holstein’schen Feldzuge vor Augen haben. Als solcher ist er auch der Liebling der Soldaten, welche von jeher ihre Bewunderung vor Allem dem persönlichen Muthe schenkten und welche noch immer die persönliche Hingebung des Feldherrn an Alles, was soldatisch heißt, mit Liebe und Begeisterung erwidert haben. Einem solchen Manne gehört unter allen Umständen das Vertrauen der Armee und er vermag sie unwiderstehlich zum Siege mit fortzureißen, wie das Blücher, Ziethen, Schill u. A. gethan. Aus diesem Grunde ist es auch begreiflich, daß man gerade den Prinzen Friedrich Karl, der bei Königsgrätz zehn Stunden lang so gewaltig mit der österreichischen Armee gerungen, berufen glaubte, mit seinem tapfern Heere die ersten Lorbeeren um die siegreichen deutschen Fahnen zu winden. Aber die Verhältnisse ergaben es anders, und erst, nachdem die Schlachten bei Weißenburg, Wörth und Forbach geschlagen waren, gönnte das Geschick auch dem Führer der zweiten Armee einzugreifen und sein Feldherrntalent an den blutigen Tagen von Mars la Tour, Gravelotte und Noizeville zu beweisen.

Neben dem wohlgetroffenen Portraitbild des Prinzen, einer wahrhaft künstlerischen Leistung Camphausen’s, wird auch die weitere Illustration aus der geschickten Hand Rechlin’s den Beifall unserer Leser haben. Sie stellt den Prinzen und sein Gefolge auf einer Recognoscirung bei Rohrbach vor, einem Dorfe wenige Stunden von der Festung Bitsch.