Der Fischer an der Wiese

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Autor: Reinhard Reitzel
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Titel: Der Fischer an der Wiese
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 188–192
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[188]
Der Fischer an der Wiese.

Kein Sternlein glänzt, schwarz ist die Nacht,
Es rauschen dumpf die Wellen,
Und einsam hält der Fischer Wacht
Bei munteren Forellen.

[189]
5
Rings Alles still; kein Laut, kein Wort

Dringt zu des Fischers Ohren,
Er sitzt an seinem feuchten Ort
In Schlummer halb verloren.

Bald regt er sich und reibt die Hand

10
Und streckt die kalten Glieder;

Das Feuer glimmend auf dem Sand
Belebt er emsig wieder.

Erschrocken richtet er sich auf,
Er höret nahe Schritte,

15
Zwei Männer nehmen ihren Lauf

Zu seiner kleinen Hütte.

Die Fremden treten bald herbei,
Zwei mächtige Gestalten,
Die Mäntel lassen keinen frei

20
Mit ihren weiten Falten.


Der Fischer ruft die Männer an:
„Was habt ihr hier verloren?
Ihr seht, ich bin kein tauber Mann,
Laßt mich nur ungeschoren.“

25
„Dein Feuer führte uns zu dir,“

Sprach einer von den Beiden,
„Wir möchten kurz verweilen hier,
Wenn du es gern magst leiden.“

„Ihr seid verirrt, wie ich wohl denk’,

30
Seid nicht auf rechtem Wege …

Bei Nacht da sieht man nicht die Ränk’
Der Pfade und der Stege.“

„So ist’s, und wenn es dir beliebt,
So reich’ uns deine Hände,

35
Du bist der Pfade wohl geübt,

Und leit uns an das Ende.

Thust du es, wird dich nimmermehr
Die rasche That gereuen,

[190]

Kennst du nach Basel sichre Fähr’?

40
Der Lohn wird dich erfreuen!“


„Nach Basel? nun ich frage nicht,
Woher ihr seid gekommen.
Ich thue schweigend meine Pflicht,
Mög’s euch, ihr Herrn, nur frommen.

45
Doch ruht erst eure Glieder aus,

Laßt mich ein Mahl bestellen.
Kommt hier in dieses kleine Haus;
Belieben euch Forellen?“

Bald stand ein köstlich Fischgericht

50
Auf einem Tisch von Weiden.

Es säumten sich die Fremden nicht,
Es schmeckt gar wohl den Beiden.

Der Fischer sah beim Feuerschein
Den Männern in die Augen:

55
– Das müssen hohe Herren seyn,

Die nicht zu Fischern taugen!

Allein er hat ein treu Gemüth,
Er fragt nicht nach dem Stande,
Er hilft, wo er Gefahren sieht,

60
Frägt nicht: aus welchem Lande?


Die Fremden hatten sich erquickt,
Sie standen auf vom Tische,
Die Hand des Fischers ward gedrückt,
Gedankt ihm für die Fische.

65
„Nun Alter, leit’ uns sichern Weg,

Geh’s auch durch Sumpf und Pfühle,
Wir folgen über Pfad und Steg;
Wann sind wir denn am Ziele?“

„Wir gehn den nächsten Weg dahin,

70
Erreichen’s in zwei Stunden.

So wahr ich Christ und ehrlich bin,
Wird sicher es gefunden.“

[191]

Der Fischer tritt nun rasch voran,
Es folgen ihm die Beiden.

75
Nächst an der Wiese zog die Bahn,

Bedeckt von hohen Weiden.

Durch Sümpfe geht’s und über Stein,
Gleichviel, es geht doch weiter.
Und endlich hält der Fischer ein,

80
Es halten die Begleiter.


„Gelöst, ihr Herrn, ist nun mein Wort!
Ich that nach euerm Willen,
Mög’ nun das reiche Basel dort
Euch andre Wünsch’ erfüllen.“

85
„Wohlan, du bist ein Ehrenmann!

Du sollst nun auch erfahren,
Wem treue Dienste du gethan –
Sieh mich, den Mann von Jahren!

Ich bin Karl Wilhelm, dein Markgraf –

90
Mich freut’s, daß noch vorhanden

So biedre Männer treu und brav
In meinen obern Landen.

So Männer, die den Fremdling gern
Mit Wort und That berathen,

95
In deren Brust die Falschheit fern:

Sind Zierden in den Staaten.

Trägst du auch noch so rauh Gewand,
Ich weiß was drunter wohnet.
Nimm, Wackrer, deines Fürsten Hand,

100
Und sag’, was dich belohnet.“


Der Fischer wirft sich auf ein Knie,
Er küßt des Fürsten Hände:
„Belohnung, Herr? So sei sie die,
Daß ich mich Euch verpfände.“

105
„Gut, komm nach Basel in mein Haus

Nach deinem Wohlgefallen;

[193]

Du gehest ein und gehest aus
Gleich meinen Räthen allen.“

Und in des Fischers Augen treu

110
Erglänzen Freudenzähren.

„Herr Markgraf, diese Ehre sey
Mir mehr als alle Ehren!“

Wohl alle Wochen einmal trug
Nach Basel er Forellen,

115
Dem Herrn Markgrafen nach Befug

Dieselben zu bestellen.

Der kräftigste, der schönste Fisch,
Den nur die Wiese nährte,
Der mußte auf des Herren Tisch,

120
Den hoch der Fischer ehrte.


Und es verstrich geraume Zeit –
Der Fischer an der Wiese
Verlebte in Zufriedenheit
Die Tage still und süße.

125
Da kam einmal ein schöner Brief

Von Fürstenhand geschrieben.
„In meiner Seele bist Du tief
Mit Deiner Treu’ geblieben.

Ich will Dir keinen großen Lohn

130
Für Deine Treue schenken,

Nimm nur, Du wackrer Landessohn!
Von mir ein Angedenken.

Für Dich und für Dein ganz Geschlecht,
Das lange sich nicht schließe,

135
Empfange Du das Fischerrecht

Dort in der muntern Wiese.“

Zu Maulburg in der Kirche steht
Ein Grabstein für den Braven;
Bis einst des Richters Ruf ergeht,

140
Wird er getrost dort schlafen.
Steinen bei Lörrach. Reinhard Reitzel.