Die Irrlichter (Badisches Sagen-Buch)

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Siehe auch: Die Irrlichter (Werkausgabe 1834)
Textdaten
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Autor: Johann Peter Hebel
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Titel: Die Irrlichter
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 186–188
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[186]
Die Irrlichter.

Es wandlen in der stille helle Nacht
Wol Engel um, mit Sterneblueme b’chrönt,
Uf grüene Matte, bis der Tag verwacht,
Und do und dört e Betzitglocke tönt.

5
Sie spröche mitenander deis un das,

Sie machen öbbis mitenander us;
’s sin gheimi Sache, niemes rothet, was?
Druf göhn sie wieder furt und richte’s us.

Und stoht ke Stern am Himmel un ke Mon,

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Und wemme nümme sieht, wo d’Nußbäum stöhn,

Mü’en selli Marcher ufem Füür an d’Frohn,
Sie mü’en den Engle zünde, wo sie göhn.

Un jedem hangt e Bederthalben a,
Un wenn’s em öd wird, lengt er ebe dri,

15
Un büßt e Stückli Schwefelschnitten a,

Und trinkt e Schlückli Treberbrentewi.

[187]

Druf puzt er d’Schnören amme Tschäubli ab,
Hui, flakeret’ts in lichte Flammen uf,
Und hui, goht’s wieder d’Matten uf und ab,

20
Mit neue Chräfte, d’Matten ab und uf!


S’isch chummlicher so, wenn eim vorem Fuß
Un vor den Auge d’Togge selber rennt,
Aß wemme sie mit Hände trage muß,
Und öbbe gar no d’Finger dra verbrennt.

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Un schritet spot e Mensch dur d’Nacht derher,

Un sieht vo witem scho die Kerli goh’,
Un betet lisli: „Das walt Gott der Her“ –
„Ach bleib bei uns –“ im Wetter sin sie do.

Worum? Sobald der Engel bete hört,

30
So heimelet’s en a, der möcht derzu.

Der füürig Marcher blieb’ jo lieber dört,
Un wenn er chunnt, so hebt er d’Ohre zu.

Un schreitet öbsch e trnnke Ma dur d’Nacht,
Er fluecht und sapermentet: „Chrüz und Stern!“

35
Und alli Zeichen, aß der Bode chracht,

Sell hörti wol der füürig Marcher gern.

Doch wird’s em nit so gut. Der Engel seit:
„Furt, weidli furt! Do mag i nit dervo!“
Im Wetterleich, sen isch der wüt und breit

40
Kei Marcher me, und au kei Engel do.


Doch goht me still si Gang in Gottis G’leit,
Un denkt: „der chönnet bliben oder cho,
Ne jede weiß si Weg, und ’s Thal isch breit.“
Sell isch’s vernünftigst, und sie lön ein go.

45
Doch wenn der Wunderwitz ein öbbe brennt,

Me lauft im Uhverstand den Engle no,
Sell isch ene wie Gift und Poperment,
Im Augenblick se lön sie alles stoh.

Z’erst sage sie: „Denkwol es isch si Weg,

50
Er goht verbei, mer wenn e wenig z’ruck!“
[188]

So sage sie, un wandle still es Weg;
Und sider nimmt der füürig Ma ne Schluck.

Doch folgt mer witers über Steg un Bort
Wo nummen au der Engel geht und stoht,

55
Se seit er z’letzt: „Was gilt’s, i find’ en Ort,

Du Lappi, wo di Weg nit dure goht?“

Der Marcher muss vora, mit stillem Tritt,
Der Engel hinterher, un lauft me no,
Se sinkt me in e Gülle, ’s fehlt si nit;

60
Jez weisch di B’richt, und jez chasch wieder goh!


Nei, wart e wenig, ’s chunnt e guti Lehr!
Vergiß mer’s nit, schreib’s lieber in e Buch.
Zum Erste sagi: Das walt Gott der Her!
Isch allewil no besser, aß e Fluch.

65
Der Fluch jagt d’Engel mitteln Heil dervo;

Ne christli G’müeth und ’s Bete zieht sie a,
Und wemme meint, me seh ne Marcher cho,
’s isch numme so d’Laterne vorne dra.

Zum Anderen, un wenn en Ehrema

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Ne G’schäft für ihn ellei z’verrichte het,

Se loß en mache, was goht’s di denn a?
Un los nit, wemme mit dem Nachhber redt!

Un goht me der us Weg, se lauf nit no!
Gang diner Wege furt in Gottis G’leit!

75
’s isch Uhverstand, me merkts enanderno,

Und ’s git en Unehr. – Sag, i heig der’s gseit!

J. Peter Hebel.