Zum Inhalt springen

Der Geldkeller

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: Heinrich Gottlob Gräve
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der Geldkeller
Untertitel:
aus: Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz, S. 108–109
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1839
Verlag: F. A. Reichel
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Bautzen
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: MDZ München, Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[108]
XL. Der Geldkeller.

Ost-südwärts von der ältesten Lausitzer Stadt Löbau erhebt sich ein hoher, steiler Berg, welcher gegen die Stadt zu eine freie, reizende Aussicht gewährt und voller Steine liegt. Auf seinem einen, mit einem Häuschen verzierten Gipfel öffnet sich am Johannistage Mittags um 12 Uhr ein Höhle, welche sich Nachts um die nämliche Stunde wiederum schließt. Wer nun zur angeführten Zeit in selbige eintritt und derselben labyrinthische Gänge durchwandelt, wird an deren Ende Haufen von Gold- und Silbermünzen finden, von denen er sich nach Belieben, so viel er davon will, einstecken kann.

Am Johannistage 1516 hatte ein Bauer das Glück den Eingang geöffnet zu finden; er ging hinein und erblickte mit offenen, nüchternen Augen den unermeßlichen Schatz. Erstaunt, wie Irus über Krösus Reichthum, war er unschlüssig, was er thun oder lassen sollte, bis er sich endlich entschloß seine Taschen und Mütze zu füllen und belastet mit der köstlichen Beute den Rückweg anzutreten. Allein vorher schon durch das viele Hin- und Hergehen zweifelhaft gemacht und nunmehr ob seines Glücks trunken, verirrte er sich in den Kreuzgängen und die verhängnißvolle Stunde, mit welcher sich der Kreuzgang schloß, ertönte. Von Grabesnacht umdüstert sah sich nun der Arme. [109] Klagen, rufen und weinen half nichts, da ihn Niemand hörte und – endlich versank er in einen tiefen Schlaf, aus welchem er das kommende Jahr erst wieder am Johannistage erwachte, allein Taschen und Mütze leer fand. Durch Erfahrung klug geworden, wollte er die unterirdische Wanderung nicht wieder von Neuem beginnen, sondern verließ die Höhle eben so arm, als er sie vor Jahresfrist betreten hatte.

Auf des Berges anderm, nach Budissin hin gelegenen Gipfel zeigen sich seltsame Spukgestalten und der bekannte Pan Dietrich treibt daselbst sein schlafloses Spiel, von diesem Standpunkte aus in die bernstädter Gegend ziehend. Als er einst diesen seinen Umgang im Spätherbste 1705 trieb und über einen von Bernstadt kommenden Fuhrmann durch die Luft wegrasaunte, stürzte dem armen Metiscus ein Pferd nieder und das andere erlahmte, so daß er den Morgen erwarten mußte, wo ihm erst Hilfe wurde.