Der Hansen Krieg und Frieden mit England

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Textdaten
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Autor: Otto Beneke
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Titel: Der Hansen Krieg und Frieden mit England
Untertitel:
aus: Hamburgische Geschichten und Sagen, S. 144–146
Herausgeber:
Auflage: 2. unveränderte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Perthes-Besser & Mauke
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Erscheinungsort: Hamburg
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Quelle: Google, Commons
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[144]
59. Der Hansen Krieg und Frieden mit England.
(1468–1474.)

Es war der König von England (also erzählen die alten Geschichtschreiber) mit den Hansen in seinem Reiche sehr übel umgesprungen, hatte deren einige aus ihrem Stahlhofe zu London greifen und erwürgen lassen, andere ins Gefängniß geworfen, alle Hansischen Privilegien vernichtet und den Stahlhof weggenommen.

Darauf rüsteten unter den Hansen zuerst die Bremer und Hamburger und fuhren mit einer starken Flotte nach England, woselbst sie 49 Meilen lang alles Land eroberten und darin mit Sengen, Brennen und Todtschlagen wie grimmige Feinde verfuhren. Die Kriegsgefangenen brachten sie auf ihre Schiffe und hingen sie sonder Gnade an den Masten auf, Angesichts ihrer Landsleute an der Küste; oder sie banden sie an die Takel, so daß sie durch die niedergelassenen Anker jämmerlich erwürgt wurden; oder sie warfen sie kurzweg über Bord, daß sie elend versoffen, – was Alles die Engländer mit großem Herzeleid ansehen mußten. – Darnach im 1472sten Jahre führten die Hamburger einen Hauptschlag glücklich aus, eroberten und nahmen nach Kriegsrecht sechs große Englische [145] Schiffe mit reichen Gütern beladen. Und vom Hansatage wurde aller Handel mit den Engländern gänzlich verboten, weshalb sie immer kleinmüthiger wurden. Im folgenden Jahre (1473) liefen auch Schiffe der Hansastadt Danzig wider die Engländer aus, und ihr muthiger Hauptmann, Paul Beneke, erbeutete sogleich ein viel größeres feindliches Schiff. Darauf nahmen zwar viele Engländer die Burgundische Flagge an und glaubten sich dadurch sicherer. Aber der Hauptmann war ebenso klug als tapfer, der ließ sich nicht einschüchtern, weder durch die fremde Flagge, noch durch die Uebermacht des Feindes, und besiegte ihn vollständig in einem der rühmlichsten Seetreffen, das jemals vorgefallen ist; weshalb auch Paul Beneke’s, des „eddeln Düdschen Helden“ Name bei allen Hansen und Deutschen mit Preis und Ehre genannt wurde.

Wegen aller dieser Niederlagen baten nun die Engländer ihren König gar inständig, daß er Frieden machen möchte mit den Hansen; und da auch der König den großen Ernst der Städte sah und ihre Macht spürte, so gab er nach und ließ vermelden, daß er zum Frieden geneigt sei.

Und noch in demselben Jahre 1473 wurden zu Utrecht die Tractaten durch gegenseitige Abgesandte begonnen, die acht Monate lang tagten (weil gar zu viele Händel zu schlichten waren), und erst im Jahre 1474 fertig wurden. Und unter den Hansischen Gesandten war auch unser Bürgermeister, Herr Dr. Hinrich Murmester; der hat durch geschickte und kluge Rede und Schrift den Deutschen Kaufleuten wie der Stadt Hamburg gar große Dienste geleistet und den Frieden zu Stande zu bringen geholfen; und hat auch vor dem Könige in England so klüglich das Wort geführt, daß der Frieden zum Ruhm und Gewinn der Hansen wirklich ausgeführt worden ist. Denn sie erhielten ihre wichtigen Privilegien und den Stahlhof in [146] London zurück, und als Ersetzung ihres erlittenen Schadens eine große Summe Geldes, nämlich 10,000 £ Sterling.

Anmerkungen

[380] Geschichtlich. Zimmermann, Chronik 336. – Handschrftl. Beckdorp’sche Chronik. – Lappenberg, Geschichte des Stahlhofes in London S. 52. 53. – Paul Beneke’s Geschichte, ausführlicher erzählt von Reimer Kock bei Grautoff, histor. Schriften II. 701–8. Darnach auch bei Deecke, Lübeckische Geschichten und Sagen.