Der Kiefernprozessionsspinner

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Autor: Georg Zickerow
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Titel: Der Kiefernprozessionsspinner
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aus: Die Gartenlaube, Heft 24, S. 762–764
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Der Kiefernprozessionsspinner.

Von Dr. G. Zickerow.

Wie den großen Thieren manch wuchtige Waffe zum Schutze gegen ihre Feinde verliehen ist, so führen auch die kleinen, kaum bemerkbaren Geschöpfe Vertheidigungsmittel, deren Wirkungsweise dem Menschen nur zu oft seine Ohnmacht aufs deutlichste vor Augen führt. Wer kennt sie nicht, die zahllosen Quälgeister der Sommerszeit, die Mücken, Schnaken, Bremsen etc., die uns so oft mit ihrem peinigenden Stachel den Genuß des Tages und die Erholung der Nacht verkümmern.

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a. Die Raupe (nat. Größe).

Oder erregt uns nicht z. B. bei dem Genusse frischen Quellwassers die ganze Schar der kleinen und kleinsten Lebewesen in demselben eine geheime Besorgniß? So haben auch schon seit vielen Jahren die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners den Aufenthalt in Deutschlands Wäldern den Besuchern derselben verleidet, und neuerdings ist ein verwandter Plagegeist auch auf den Nadelbäumen wiederholt beobachtet worden. In dem ganzen nordöstlichen Theile des Deutschen Reiches, von der Elbe bis zur Memel, treibt, wenn auch meist vereinzelt und auf kleine Kreise beschränk, der Kiefernprozessionsspinner sein unheimliches Wesen und verjagt nicht nur Menschen, sondern auch Thiere aus dem von ihm besetzten Gebiete, indem alles, was in seine Nähe kommt, von einem peinlichen Jucken der Haut befallen wird. Die Aufmerksamkeit der Forstbeamten wurde bisher von diesem Spinner durch das gleichzeitige , viel zahlreichere Vorkommen " eines den Kiefern- wäldern bedeutend schädlicheren Insekts, tlälnl^ der Nonne, über deren Verheer^l^en .^i,r.^."un^.^^bes weiteren berichtet haben, abgelenkt. Da aber die Nanpen des Kirsern,- prozessionsspinners die zweijährigen Triebe der Kiefern bis aus die Nadelscheiden abfreflen ultd jede andere Nah,- . rung verschmähen, 'so dürfte auch ihr forste sicher Schaden nicht un- bedeutend genannt wer,, dett. Besonders lästig loird das Austretett drrses Inselts . an der .Ostseeküste, welche gerade während der ,Wanderzeit der raupen von vielen erholungsuchenden Badegästen als Reiseziel ausgewählt wird.

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b. Ein Glied der Raupe (3fach vergrößert).

Wie ihre Verwandten in den Eichenwäldertl ziehen die dicht- behaarten Naupen de.. Kirsernprozessionsspinners in langsamem Gänsemarsch, 00 hj.. 100 Stück in einem Faden. selten und dann erst von der Mille der ganzen Prozession an in doppeltett und dreifachen Nethen,. auf dem Erdboden dahin. Dabei strecken sie bald recht.s, bald lin.'^ hiuler dem Vordermann den schwarzen, kurz und wenig behaarlen Kvdf hervor. als wetttt sie ausschalten wollten,

b. ^in tollen de,. (.^sach ve.^.^ent).

ob denn die vordersten noch nicht am Ziele wären. Hebt man behuss näherer Betrachtung eine Raupe mittels emes. Stöckchens vorsichtig aus dem Zuge heraus, so schließt sich derselbe in kürzester Zeit und fetzt seilte Wanderung unbekümmert ntn die Störung sort.

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c. Theil eines Haares (80fach vergrößert).

Die aufgenommene Raupe (u,., hat, bevor sie il^e Vollwüchsig krit erreichte, mehrere Häutungen durchgemacht, aber trotzdem, ab gesehen von der ersten derselben, ihr Kleid sehr wenig .verändert. Früher, als keines, dem Ei eben entschlüpftes Ränpchett von ... mm Länge, trug sie ein hellmaigrünes, mit reget,- mäßigen schwitrzen Flecketr geziertes Kl^^mährend sie sich jetzt in einem schwarzen .Gewande zeigt. das mit mak- moosgrünen Punkten dicht besät ist. Diese lassen für das Hervortreten der Grundfarbe tmr einelt tltittlerelt Längsstreifen auf dem Nucken frei, welcher wieder mit größeren ntld kleineren rothen Warzen in der Weise znttt Theil bedeckt ist, daß roth ntnränderte, schwarze Kreise flecke die Längslinie krttnzeichnen. Diese schwarzen, so . genanntett ,, Spiegelflecke" sind mit unendlich vielen, .äußerst kleinen. Härten satnmetartig bewachsen. Atts den rothen Warzelt entspringen nach .vorn und nach hjntt^ gerichtete rothe Haare; die Seiten des Körpers schützen lange, weiße Haare, welche den Onterdnrchmesser der Naupe tun das Doppelte übertreflen (l.^. Alle diese Haare (^, be- ^^l sitzen zahllose, nach der Spitze gerichtete Widerhäkchell, t.,aare-. welche an Gestalt den .Dahnen .der Rose sehr ähnlich sittd. .-.^l^-^

Gemeinschaftlich. ist ihnen sernereitt feiner, hohler Kanal, der sie von der Spitze bis zur Anhestullgsstelle durch- zieht. Die rothen und die weißen Haare, nicht die Spiegelhaare, stecken, wie Keller gezeigt hat.* in der Haut mittels einer dicken, braunen Hülse, an deren ttttterent Nande sie befestigt sittd. Unter der Oefsnung des Hattres negt eine birttförtnige Drüfe, welche eine stark ätzende Flüssigkeit, Ameisensäure, aussondert, um das hohle Haar damit zu süllell. Die ausgewachsene Raupe, welche 5 ^m lang wird, besitzt mehr als 5000 solcher "Giftdrüsen". Da die feinen Härchen wie gesagt ttach oben gerichtete Häkchen tragen, so werden sie bei jeder Berührung mit anderen Gegenständen sogleich itt die Drüse hineingestoßen und mit Gift ge- füllt. Verliert nun die Raupe eitlzelne Haare - und diese brechen sehr leicht an ihrem Grltnde ab - so bleibt das Gift in denselben, weil es dttrch den Lustdruck am Ausfließen aus deln engen Kanal verhindert wird. Hat später eitt solches Härchen Gelegenheit, mit dem Schweiße eiuer menschlichen oder thierischen Hauspore in Berührung zu kommen, so löst derselbe das an der Oeffltutlg des Härchens in- zwischen eingetrocknete Gift auf, und dieses bewirkt nachströmend die Entzündung"

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d. Cocons mit und ohne Sandkörnchen (nat. Größe)

Daß diese Haare so unendlich zahlreich umherfliegen können, hat mehrfache Gründe" Zunächst beliebt es der Raupe keineswegs wie den meisten andern, ttach vollbrachter Häututtg den abgeworfeneu Balg zu verzehren, sondern alle Raupen eines Zuges lassen ihre abgestreiften Häute, mit wenigen einzelnen Gespinstfäden verbtlnden,

* Kosmos XIII.

[763] in den Astachseln, wo die Häutung gewöhnlich vollzogen wird, hängen und übergeben sie Wind und Wetter als Spiefball. Bis,, weilen versammeln sich auch die Nanpen behufs der Häutung am Stamme der Kiefern, sowohl in Mannshöhe, als auch am Grunde desselben.

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e. Puppe (doppelte Größe).

Sie überspinnen dann ihr Lager mit einem etwa 50 eun im Geviert fassenden, weißen und un- durchsichtigen Schleier, derunGlanz ^ ^i^ keit gutem Seidenpapier gleichkommt" Ist die Hält,- tung beendet, so fressen sich die Nanpen erbsengroße Löcher durch den Schleier und sttchen unter Zu- rücklassung der alten Häute neue Nahrung. Da die Haare wie hervorgehoben leicht abbrechen, gehen sie dem Thiere bei dem Umherkriechen in großer Zahl verloren und ha stell vermöge ihrer Widerhäkchen an jedem Gegeustande fest, auf welchen sie austreten. Endlich werden vor der Verpnppung die Haare theil- weise zur Bildung des äußeren Eoeons ^ benutzt. Da dieser außerdem nur aus lose aneinandergefügten Sandkörnchen besteht, die Puppen aber sehr dicht unter der Erd. vbersläche gelagert sind, so kann es nicht verwundern, daß durch ^ufwühleu des Sandes die Hurchen der Luft ansgesetzt und vott ihr tveitergetragen werden.

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f. Der männliche Schmetterling (nat. Größe).

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g. Der weibliche Schmetterling (nat. Größe).

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h. Der Kopf (3fach vergrößert).

Daß nicht nur Menschen, sondern auch Thiere von dem Gifte dieser Haare entsetzlich zu leiden haben, ist wiederholt festgestellt wor- den. Huude, welche sich im Walde voll innigen Behagens auf dem Nücken herumgewälzt hatten, geriethell fast ill Tollwuth. Wagenpferde, die vor Un- gedttld mit dem Vorderfuße gescharrt halten, wurdeu durch das .'...trennen der angeflogeneu Haare so wild, daß sie dem Durchgehen nahe waren. Es ist edetlso That fache, daß die Nanpen nicht nur das Wild, sondern auch die Singvögel aus dem von ihnen besetzten Walde verjagen. ^ Bisher konuten nur der Kuckuck und ein Laufläfer, der Puppen,- ^ rättber, als siegreiche Gegner unserer Nanpen anerkannt werden.

Ultl sich vor den gefürchteten Naupenhaaren zu schützen, ^ werden in der Angst Vorsichtsmaßregeln ergriffen, die fast lächer- ^ lich erscheinen. Handschtthe, ^Kopftücher, Schleier u. dergf nützen sehr wenig. Durchaus empfehlenswerth dagegen ist das Einreiben der Haut lnit Oel (Mandelöl), bevor man den Wald betritt. Das .Oel hebt die Wirkung des ' ätzeudeu Giftes auf, illdem es ihm den Eintritt in die Poren ^ der Haut verwehrt und so die schlnerzhafle Eutzüudung verhilt- ^ dert. Auch wiederholte Waschull- neu mit ill Alkohol oder Wasser aufgelöster Pottasche oder Be- streichen mit allgefeuchteter Soda mildern das Juckeu der Haut.

Das durchgreifendste Mittel ist natürlich die Vernichtung des Insekts in jeder Gestalt. Aber das ist leichter gesagt als gethan. Das Tobten der Naupenzüge während der Wanderung durch Zer^. treten ist jedenfalls gatlz zweckwidrig und geradezu strafwürdig, da unendlich viele Härchen auf diese Weife dem Staube beigemischt werden" Die Züge müssen vorsichtig zufammengekehrt und iu größeren Kisten mit einschiebbarem Deckel, nicht ill ossenen Körben, gesammelt werden. Ebenso sind die Naupellltester auszunehmen, welche, in Astachseln sitzend, mit der Baumschere abge,- schnitten werden. Das Theeren der Bäume ist uur von Nutzen flir das Einsammeln der Naupeu, da es leichter und gefahrloser ist, die an eitlem unteren Theile des Stammes augesammeltell Naupeu abzulesen, als dieselben nesterweise mit der Schere aus weiter Höhe herabzuholen. Das Zerstampfen der eingesammelten Raupen kanlt, auch wenn das Vergruben der Thierreste noch so bald ersolgt, nicht angerathen werden, weil dadurch die Zahl der ttnlherstiegenden Härchen endlos vermehrt wird. Als einzig richtige Art der Vernichtung empsiehlt sich das Verbrennen, denn dadurch werden nicht nur die Thiere, sondern auch die Haare und das Gift ill ihnen endgültig unschädlich gemacht'.

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i. Vorder und Seitenansicht des Kopffortsatzes (12fach vergrößert).

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k. Der weibliche Fühler (3 bezhw. 100fach vergrößert).

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l. Der männliche Fühler (4 bezhw. 80fach vergrößert.

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m. Die Haftborste (5 bezhw 55fach vergrößert).

Wird mit genügendem Eifer den Raupettzügen nachgestellt, so dürste wohl kaum einer derselben sein ersehntes Ziel, eine der Sonne möglichst ausgesetzte, kühle , falldige Stelle, erreichen. Gelingt es aber einer Naupenfalntlte, einen derartigen Platz aussindig zu machell, fv wühlen alle Mitglieder derselben dicht nebeneinander den Sand aus tnld verkriechen sich . 10 bis 15 ent tief in demselben" Hier bildet jedes für sich einen trockenhäutigen, eiförmigen Eoeon (^, dessen Außenseite, wie schon gesagt, mit Sandkörnchen und einzelnen Haaren bedeckt ist. Diese Eoeons haben eine Länge von 22 bis 20 mm und eine Dicke von 0 bis 10 mm. Sie sittd leicht an den bezeichneten Stellen zu finden, wo sie senkrecht nebeneinander aus^ gestellt sind. Ieder Eoeon enthält außer der Puppe (^ den Nest des letzten Raupenkleides, der mit zahl,- reichen Haaren zu einem dichten Filz zusammengepreßt ist" Das Einsammeln der Puppen ist jedenfalls das gefährlichste Unter- nehmen, welches behufs Vertilgung des Kiefernprozessionspinners ausgeführt werden kann. Durch das Ausscharren der Puppen wird eine unbeschreibliche Anzahl von Gisthaarell aufgewirbelt, welche dem in hockender oder gebückter Stellung

^ Arbeitendelt bald das ganze Gesicht

^ entzünden" Andererseits ist diese Ar^

^ beit wieder sehr gewinnbringend, da

. dort, wo eine Puppe gesunden wor,-

' den ist, sicher deren ....0 bis t00 bei-

, salnmen stecken.

Diejenige Pnppe, welche nicht ^ gestört wird, ruht bis zum nächsten

Sommer. Dann giebt sie einettt

Schmetterlinge das Leben, welcher

dem Eichend und auch dem Pinien-

prozessionsspinner sehr ähnlich sieht" Das Männchen ^l), welches etwas kleiner als das Weibchen ^ ist, hat eine Flügelspannung vou .:,0 mm, letzteres dagegen von 44 tum; der Leid ist 15, bezw. 10 mm lang" Die Vorderstügel des Männchens tragen altf grauem Grunde je zwei Paar nnregel-- mäßige, dunkle.Ouer binden , welche mit gelblichen Nänderu eingefaßt sind. Die

Hinterflügel silld weißlich und haben eiuen gefleckten uud gesranstenNand" Die Unterseite der Flügel ist heller als die Oberseite. Der Kopf (.^ ist. mit Büscheln langer, grauer Haare dicht besetzt. Zwischen den Augelt und oberhalb derselben trägt der Kopf eitletl mit drei dicht aneinander gereihten Vertiefungen versehenen harten Fortsatz ^, dessen glänzende. tiefschwarze Färbung lttll so ntehr auffällt, als uuter eiuem Krauze kurzer Härchen ttach rechts und links je ein Büschel schueeweißer Haare hervortritt. Die Fühler sind doppeltgekätlttnt, aber nach den Geschlechtern sehr ver- schieden an Größe und Behaaruttg" Die Kammzählle beider sind bullen,- förmig, am Nande behaart und an der Spitze mit je zwei kleinen Bor- sten versehen. Der weibliche Füh,- ler ^ hat viel kürzere Zähne ttud feiuere Behaarung als der männliche

Unterhalb der Flügel ist zu

tv. vte .,.^iu,ortl- ^, de.^..^

,f..ch

lhrer Stütze etlte sog. Haftborste (tu) eingefügt, deren Gestalt große Aehnlichkeit mit der Feder eines Vogels hnt. Itu wrsettkichett besteht diese Borste aus eiuem 5 turn langen. schaftartigen Ge.. bilde, von dem nach der eittett ^.eite eine schmale, ttach der andern eine diel breitere Haut ausgeht" Der Saum der lederen trägt alt der unteren Hälfte einen kräftiger gebauten Rand als

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n. Hinterleibsschuppe des Weibchens (35fach vergrößert).

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o. Flügelschuppe (35fach vergrößert).

an der oberen. Die Haut zeigt in großer Zahl punktförmige Vertiefungen, aus deren Grunde sehr feine Härchen entspringen. An der Anheftungsstelle ist diese Stützfeder mit vielen einzelnen Borsten umgeben, welche 2 bis 3 mm lang sind. Der Leib beider Schmetterlinge ist rost- braun. Das Männchen trägt am spitzen Hinterleibsende ein Büschel einfacher Haare. Das Endglied des weiblichen Hinterleibes erscheint breit und kohlschwarz. mit ganz feinen und kurzen Querstrichen durchzogen. Bei näherer Untersuchung findet man, daß dasselbe ans mehreren Tausend dicht anein- ander gepreßter Schuppen (n) besteht, deren allgemeine Gestalt derjenigen, der Flügel- schuppen (o) vollkommen gleicht, diese aber an Größe ganz bedeutend übertrifft. Die einluden Hinterleibsschuppen haben einen tiefschwarzen, schmalen nnd fein gezähnelten Rand, welchem sich ein breiter, ganz weißer Streifen anschließt. Der mittlere Theil der Schuppen ist nahe an diesem Streifen schwarz- braun und wird nach der Mitte hellbraun, nach den Seiten sogar wasserhell. Am hell- braunen Grunde sitzt ein ebenso gefärbter Nagel. Diese Schuppen haben eine höchst eigenthümliche Verwendung. Wenn das Weibchen die Puppe ver- läßt, bringt es schon die reifen Eier mit zur Welt und macht sich, sobald es den Gebrauch der Flügel erlernt hat, an die Er- füllung seiner Lebensaufgabe, an das Eierlegen. Da sein Flug schwerfällig können wir es leicht beobachten, und so bemerken wir, daß es an niedrigen Baumzweigen oder an alleinstehenden sog. „Kusseln“ in Mannshöhe die Eier an ein Nadel- paar eines frischen Triebes ablegt (p).

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p. Eiernester (nat. Größe).

Dabei fängt es an dem unteren Theil der Nadeln an und erklimmt. indem es in dicht gedrängten Windungen dieselben umklettert, allmählich deren Spitze. Die mohn samengroßen, kugelrunden und weißen Eier werden dabei sogleich Verdeckt, und zwar mit einem schup- pigen, hellbronzefarbenen Ueberzuge, der aus jenen oben beschriebenen Hinterleibsfchuppen kunstvoll gebildet wird. Da aus zahlreichen Beobachtungen hervorgeht, das; der Falter am Grunde der Nadeln, oberhalb der häutigen Scheide derselben, mit dem Eierlegen beginnt und oft schon vorher einige Schup- pen ablegt, diese aber am Hinterleibe mit dem Nagel anhaften und mit dem schwarzen Rande nach hinten gerichtet sind, so werden sie in derselben Lage beim Nestbau verwendet, ohne umgedreht zu werden. Nun sind an dem fertigen Nest die braunen Spitzen nach oben gerichtet, während die schwarzen Ränder nach innen liegen und Verdeckt sind. Es werden also die Schuppen dachziegel-: förmig nicht übereinander gelegt, sondern unter- einander geschoben! Oft reicht der Vorrath an Schuppen nicht aus, alle Eier zu bedecken, dann si1id die letzten, nach den Nadelspitzen hin, unbedeckt. Die andern Eier aber überwintern unter ihrer Schutzdecke bis zum nächsten Frühjahr, wo des Lenzes Sonne sie zu neuem Leben erweckt.