Der Lübecker erster Seesieg

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Textdaten
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Autor: Ernst Deecke
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Titel: Der Lübecker erster Seesieg
Untertitel:
aus: Lübische Geschichten und Sagen, S. 48–50
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: Carl Boldemann
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Erscheinungsort: Lübeck
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26. Der Lübecker erster Seesieg.

Im Jahre 1233 ist der junge Graf Adolf IV. zu Holstein ins Regiment gekommen, und hat alsbald die große Wohlthat vergessen, welche die Stadt Lübeck seinem Vater gethan, nämlich daß sie ihm zu Land und Leuten verholfen. Dagegen wollte er, wie jungen Herren das Blut heiß und der Muth groß ist, der Stadt von ihrer Freiheit helfen. Aber es sollte davon nichts werden. In der Hast verband er sich mit dem König von Dänemark, der sehr froh war, sich auch an Lübeck rächen zu können: da wurden wohl Pilatus und Herodes gute Freunde.

Nun kam im Sommer 1234 der König mit einem großen Heer zu Wasser und zu Lande und legte sich bei Swartau; da baute er eine feste Burg, die man noch die dän'sche Burg heißt. Man sagt, er sei schon bei der Fähre zum Einsiedel gewesen, aber da hätten ihm die tapfern Leute den Paß abgeschnitten; davon noch, wie Mancher weiß, der Einsiedel die Scheerenburg genannt wird. Graf Adolf baute dem König gegenüber auch eine feste Burg; zwischen beiden wurden dicke Pfähle in den Fluß gerammt und starke Ketten vorgezogen. Da kamen aber die Schiffe von Melbingen (Elbing) aus Preußen und segelten mit vollem Winde alles ganz entzwei; wiewohl Andere sagen, es sei die livländische Flotte gewesen.

[49] Wie nun die grimmigen Feinde sahen, daß ihre Arbeit und Unkosten vergebens waren, ließen sie ihr größtes Schiff mit Steinen gefüllt quer vor die Mündung der Trave senken, und bauten zwei feste Thürme dazu. Aber die Lübecker ließen durch viele Teichgräber die schmale Enge des Priwals durchstechen und kamen so mit ihren Schiffen glücklich davon. Bald danach segelten auch die großen Revalschen Kogghen die Sperrung bei Travemünde durch, und erlangten dafür Freiheit von Zoll- und Hafengeld für ewige Zeiten.

Der König aber ließ im Zorn acht große Kriegsschiffe ausrüsten und segelte damit nach Warnemünde, um den Lübschen aufzulauern. Da bedachten diese, daß es viel erträglicher sei, in der See mit den Dänen zu schlagen, als vor ihrer Stadt Mauern, und fuhren an das Rostocker Tief. Hier hatten die Wenden von der Landseite her schon angegriffen, so daß die Dänen zwischen zwei Feuer kamen. Dennoch dauerte die Schlacht vom Morgen bis an den Abend; da hatten die Lübschen fünf feindliche Schiffe in Brand gesetzt. Das Admiralschiff aber, das mit 400 wohlgerüsteten Männern besetzt war, nahmen sie mit erbärmlichem Blutvergießen und brachten es auf die Trave. Der König kam mit äußerster Noth und höchster Gefahr seines Lebens in einem kleinen Rennschifflein davon.

So hat die Stadt durch Gottes Hülfe ihre Freiheit [50] behalten. Der König aber ist bald nachher in großem Herzeleid vergangen, und der Graf ins Kloster getreten, und hat aus großer Demuth sein Brot vor den Thüren gebettelt. Danach ist er sanft und selig gestorben.

Bemerkungen

[389] Gr. Adolf IV. trat seine Regierung wahrscheinlich schon 1225 an. Beim Einsiedel, oder wie das Volk sagt: Einsegel, sollen die Schiffer vordem alle Segel bis auf das Klüversegel eingezogen haben. Vgl. auch S. 237.– S. 49 Kogghen – große Schiffe in Art unserer Kuffen.