Der Markgraf und die Mönche

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der Markgraf und die Mönche
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 363–366
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[363]
Der Markgraf und die Mönche.

Der Markgraf hieß Rudolfus,[1]
War zugenannt der Wecker,
Der hielt gern gute Tafel,
Er selbst war etwas lecker.

5
Einst saß der Herr zu Durlach

Im alten Rittersaale,
Mit vielen edeln Gästen,
Bei einem großen Mahle.

Sie aßen guten Braten

10
Und tranken guten Wein,

Und waren guter Dinge
Und schenkten fleißig ein.

Sie leerten große Humpen,
Wie’s teutschen Männern ziemt,

[364]
15
Und haben ihrer Minnen

Und Fehden sich gerühmt.

Da trat herein ein Pfäfflein,
Das sah gar traurig aus,
War abgezehrt und mager

20
Wie eine Kirchenmaus.


Trat hin zu Markgraf Rudolf
Und faßte seinen Arm:
„Mein Fürst ich bin von Gottsau,
Ach, daß sich Gott erbarm’!

25
Wir sind im größten Elend:

Leer ist mein armer Magen,
Wir haben nichts zu beißen
Und haben nichts zu nagen.

Wir haben keinen Schinken

30
Und keinen Wein im Keller,

Wir haben viele Schulden
Und keinen rothen Heller.

Wir blöcken wie die Schafe
Nach etwas grünem Futter,

35
Wir haben keinen Käse mehr

Und haben keine Butter.

Du sitzest da und freust dich
Des allerbesten Schmauses,
Gedenk’ auch deiner Mönche

40
Und ihres Gotteshauses!


Bist du nicht reich? Dir zollen
Die Schiffe auf dem Rhein,
Und an des Stromes Ufern
Wächst dir der beste Wein.

45
Doch wir sind arm und haben

Nicht Einen guten Bissen,

[365]

Ist’s recht, daß Gottes Diener
Aus Mangel fasten müssen?

Wie lange hab’ ich keinen

50
Rehbraten mehr gerochen!

Der Pater Küchenmeister
Hat ganz verlernt das Kochen.

Ach, gnäd’ger Herr! erbarmt Euch
Der Hungrigen und Matten!

55
Wir gleichen nicht mehr Menschen,

Wir gleichen nur noch Schatten!“ –

Und lachend sprach der Markgraf:
„Hast sehr gut lamentirt!
Habt ihr, wie’s Fasten schmecket,

60
Nun auch einmal gespürt?


Euch war’s zu wohl, ihr waret
Zu feist und kugelrund,
Den ganzen lieben langen Tag
Stund euch nicht still der Mund.

65
Doch Spaß bei Seite, Brüderlein,

Ich will für euch doch sorgen;
Geh, sag’ den lieben Mönchen mein,
Ich käme selber morgen.“ –

Und Morgens kann der gnädge Herr

70
Mit Wildpret und mit Schinken,

Und nahm aus seinem Kellerschatz
Vom Besten mit zum Trinken.

Wie jauchzten da die Pfäffelein,
Wie ausgelaßne Ritter!

75
Wie sangen sie und sprangen sie

Und hüpften wie die Widder!

Wie schmausten sie und tranken sie,
Aller Kummer war nun fern;

[366]

Sie waren bis in die späte Nacht

80
Gar fröhlich vor dem Herrn.
(Mitgetheilt im Mannheimer Stadt- und Landboten. 1834. Nr. 10.)

  1. Regierte von 1349–1361. Liegt begraben zu Lichtenthal vor dem Altar der heil. Katharina.