Der Meister der Panoramen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der Meister der Panoramen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 40, S. 668
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[668] Der Meister der Panoramen. Am fünften August drückte zu Frankfurt am Main der Tod ein Paar Augen zu, die im Leben redlich ihre Schuldigkeit gethan hatten. Friedrich Wilhelm Delkeskamp, der erste und größte deutsche Panoramenzeichner, starb in seinem achtundsiebzigsten Jahre. Bekanntlich giebt es zweierlei Panoramen: solche, welche von einem festen, und solche, welche von einem beweglichen Standpunkt aus aufgenommen sind, so daß sie sich dem Betrachter entweder als ein Rund- oder als ein Längenbild darstellen. Zu ersterem soll natürlich, wie schier allemal, ein Deutscher, der Danziger Professor Breisig, die erste Idee gehabt und im Kleinen ausgeführt, ein Engländer, oder vielmehr ein Schotte, Robert Barker, dagegen die erste große Ausführung vollbracht und damit die Erfinderehre an sich genommen haben. Solche Panoramen, namentlich von großen Städten, sieht man in besonders dazu construirten Holzbauten häufig auf Messen und Jahrmärkten.

Die Längenpanoramen sind zwar nicht die erste Idee Delkeskamp’s gewesen, denn von einem Fräulein von Adlerflycht sah er die erste Skizze eines Rheinpanoramas von Bingen bis Koblenz, aber in der Durchführung derselben und namentlich in der Ausführung bis auf’s Größte, auf die panoramische Darstellung eines ganzen Gebirgslandes, wie die Schweiz, leistete er das Bedeutendste auf diesem, insofern auch von ihm selbst geschaffenen Felde.

Wie fast unzählich vielen Reisenden haben seine Werke schon das Leben im Naturgenuß erleichtert und versüßt! Ob von Speier nach Mainz oder von Mainz nach Köln oder gleich von Basel bis an’s Meer die Sehnsucht des Wandernden reicht, immer ist Delkeskamp da und führt ihn ruhig und sicher. Auch auf kleineren Strecken läßt er ihn nicht im Stich, wie von Koblenz nach Wasserbillig oberhalb Trier im Moselpanorama, oder im Ahrthal von Sinzig bis Altenahr, oder im Weltbadeorte Baden-Baden, – und gar in der Schweiz! Ihrer Verherrlichung in Panoramenbildern hat er den besten Theil seines Lebens geopfert; fünfzehn Sommer Bergklettern mit unsäglichen Mühen und Gefahren gehörten dazu, um unsern Meister die mehr als achthundert Standpunkte gewinnen zu lassen, welche zur Darstellung eines solchen Riesenpanoramas nöthig waren. Leider ward ihm bei diesem den Kräften und Mitteln eines Einzelnen zu viel zumuthenden Unternehmen nicht die Unterstützung zu Theil, welche sein „malerischer Plan von Frankfurt am Main und seiner nächsten Umgebung“ von Seiten der dortigen städtischen Behörden fand. Was dieses sein letztes Werk ihm so lieb machte, ließ sein „Malerisches Relief der Schweizer und angrenzenden Alpen“ stets sein Schmerzenskind bleiben. Das Ganze sollte fünfundzwanzig Blätter umfassen; nur zehn ganze und drei halbe Blätter sind erschienen; das außerordentlich werthvolle Material zu dem Uebrigen liegt noch in des Meisters nachgelassenen Mappen.

Mit Delkeskamp ist eine echte deutsche Künstlernatur von uns geschieden; für sein Andenken hat er selbst am besten gesorgt.