Der Milch-Baum

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Der Milch-Baum
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 138
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
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[138] Der Milch-Baum. Vom Lande, wo Milch und Honig fließt, hat Jeder in seiner Jugend schon gehört. Das Land ist aber leider bis jetzt noch nicht entdeckt worden. Ein englischer Reisender, Wallace, hat dagegen kürzlich in dem herrlichen Amazonen-Thale in Brasilien, demselben, das Humboldt einst besuchte und so meisterhaft geschildert hat, einen Baum aufgefunden, der so gute Milch giebt, wie die von Thieren gewonnene. Der Baum wird sehr hoch und hat äußerst hartes Holz. Sowie man dasselbe anschneidet, fließt ein Saft heraus, der so dick ist wie Sahne. Diesen läßt man in ein Gefäß laufen und verdünnt ihn mit heißem Wasser. In dieser Form wird er zum Kaffee oder Thee genossen und Wallace fand ihn so gut wie Kuhmilch. Selbst von abgeschnittenen Zweigen, welche schon Wochen lang gelegen hatten, konnte man noch Milch gewinnen. Läßt man den Saft an der Luft trocknen, so wird er zu einer zähen elastischen Substanz, die man als Leim gebrauchen kann und fester kittet als dieser. Der Baum bringt außerdem noch eine eßbare Frucht hervor, welche die Gestalt eines kleinen Apfels und äußerst saftiges Fleisch hat. Das Holz ist so hart, daß es allen Einflüssen des Wetters trotzt und daher ebenfalls zu vielen Zwecken nutzbar ist. – Wenn wir doch den Baum in Europa hätten! Wie vielen Leuten wäre damit geholfen, wenn der Milchmann ihnen den Credit kündigt!