Irreguläres türkisches Militär

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Irreguläres türkisches Militär
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 142–143
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Irreguläres türkisches Militär.

Der Existenzkampf, zu welchem der Islam aus tiefer Erschlaffung durch Rußland aufgerüttelt worden ist, führt uns in vollem Umfange die zum Theil phantastischen Elemente vor, welche der Orient in sich birgt, um in verzweifeltem Kampfe sich seiner Dränger zu erwehren. Diese Elemente sind noch die gleichen, vor denen Europa einst zitterte, die es jetzt aber nicht mehr zu fürchten hat, und deren militärischer Werth selbst von der Pforte nicht über die Maßen angeschlagen wird, wie dies schon daraus erhellt, daß die von den Sultanen gemachten Versuche, ihr Reich zu regeneriren, in der Hauptsache auf eine Reform der Armee nach europäischem Muster mit europäischer Taktik hinausliefen.

Die bisherige Haltung der türkischen Armee in dem mit Rußland ausgebrochenen Kriege beweist, daß die Leiter des türkischen Staates hierin nicht fehlgegriffen haben, gleichwohl muß man aber das mit unter die Fahnen gerufene irreguläre türkische Militär nicht allzu gering anschlagen. Schon seiner Anzahl nach bildet es eine imposante Macht, liefert außerdem einen sehr schätzenswerthen Zuwachs an Reiterei und ist von maßloser Kampflust beseelt, die jede Gelegenheit zur Befriedigung ergreift.

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Das Hauptcontingent der irregulären Truppen haben die verschiedenen Völkerschaften gestellt, welche Kleinasien und die übrigen Theile der asiatischen Türkei bewohnen. Diesen an 24,000 [143] Quadratmeilen große Terrain, das vom schwarzen und mittelländischen Meere bis hinab zum persischen Meerbusen reicht, diente mehreren der berühmtesten altgeschichtlichen Völkern wie Meder, Perser, Griechen, Parther, Araber u. s. w. zu Wohnsitzen. Die Städte Troja, Tyrus, Palmyra, Niniveh, Babylon, zu ihrer Zeit Mittelpunkte der höchsten Cultur und Civilisation, standen auf diesem Boden.

Die größeren Städte abgerechnet, hat in jenen Strecken seitdem wieder ein Urzustand Platz gegriffen, der die geregelte Ausübung der Herrschergewalt der türkischen Sultane sehr beschränkt. Neben den Osmanen wohnen Lasen, Turkomanen, Kurden, Drusen, Yeziden, Nosairen und andere Volksstämme in den Ebenen und Gebirgen des Innern, die wenig mehr als die Oberhoheit des Sultans anerkennen. Das ganze mittlere Kleinasien befindet sich in den Händen der Thalfürsten, eine Art mittelalterlicher Feudaldynasten, die in ihren Gebieten erbliche Verwalter und Kriegsanführer sind; ihrer früher noch weit unabhängigeren Stellung wurde erst durch den letztverstorbenen Sultan Mahmud ein Ende gemacht.

Diese Völkerschaften, die Kerntruppen der Irregulären, zeichnen sich durch eine Fülle körperlicher Vorzüge aus, die sie zu wahren Idealen männlicher Schönheit macht. Ihre äußerst kleidsame Tracht erhöht noch diese Vorzüge, deren sie sich übrigens so sehr bewußt sind, daß sie nur allzu leicht sich vom Ungestüm fortreißen lassen und eben Alles durch persönliche Tapferkeit entscheiden zu können glauben. Unsere beiden Bilder führen dem Leser diese malerische Soldateska im vollen Glanz ihrer Trachten und Waffen vor; neben dem stahlbepanzerten Tscherkessen wiegt sich der Kurde in seinem leichten brillanten Kostüm stolz auf seinem Streitroß; die flüchtigen Lanzenschwinger (die Kosaken der Türkei) fehlen nicht und auch dem weißen Burnus des Beduinen um die bräunlichen halbnackten Gestalten begegnen wir hier. Ein unter wildem Allah-Geschrei ausgeführter Massenangriff dieser Söhne der orientalischen Wildniß gehört zu den reizendsten Schauspielen, die man sich denken kann.

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