Der Nixe Wechselbalg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der Nixe Wechselbalg
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 129–130
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons, Google
Kurzbeschreibung:
Wechselbalg-Sage
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[129]
Der Nixe Wechselbalg.

Im Hutzebacher See wohnte vor Zeiten ein böses Weib, die besonders den Buben gefährlich war; wagte sich einer in die Nähe, so ward er von ihr aufgepackt, zum See getragen und lebendig aufgefressen. Doch sind jetzt die Knaben von der [130] Nixe verschont, weil sich eine Geschichte mit ihr zugetragen hat, seit welcher sie die Kinder in Ruhe läßt.

Eine Köhlersfrau hatte ein kleines Knäblein in der Wiege daheim, und war in den Wald gegangen, um Heidelbeeren für ihren Mann zu sammeln. Als sie wieder nach Hause kam, hörte sie schon von Weitem ihr Kind entsetzlich schreien und fand statt ihres Söhnleins einen greulichen Wechselbalg in der Wiege; der hatte einen Kopf wie ein Sester, Augen wie ein Kalb, war aber sonst am ganzen Leibe mager und fahl, wälzte sich in seinem Kothe und krächzte wie ein Rabe. Die Mutter brach in lautes Jammern aus und bat ihren bald darauf heimkehrenden Mann, den Unhold mit Ruthen zu hauen. Das that er denn auch, während sein Weib vor dem Hause ihr Gebet verrichtete. Da hörte sie auf einmal ihr Söhnlein am See weinen, denn ihre Hütte stand nahe daran; sie sprang hin, fand wirklich ihr rechtes Kind am Ufer liegen und trug es freudenvoll heim. Ihr Mann schleppte darauf den tüchtig durchgepeitschten Wechselbalg an dieselbe Stelle, wo sein Kind am See gelegen hatte. Als die Nixe dies gewahrte, fuhr sie auf den Wechselbalg los, zerriß und fraß ihn, und verschwand. Der See fing aber schrecklich an zu brausen und zu toben und man glaubt, die Nixe habe sich mit diesem Fraße den Magen so sehr überladen, daß er, geborsten, woher es auch komme, daß die Kinder jetzt vor ihr Ruhe haben.

(Aus den in Mone’s „Anzeiger“ (1834) auszugsweise mitgetheilten Sagen des Oberst Medicus.)