Der Pfalzgraf am Rhein

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Autor: Unbekannt
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Titel: Der Pfalzgraf am Rhein
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 480–481
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[480]
Der Pfalzgraf am Rhein.[1]

Es wohnt ein Pfalzgraf an dem Rhein,
Der ließ verjagen sein Schwesterlein,
Da kam der Küchenjung zu ihm:
„Willkommen, willkommen, Pfalzgraf am Rhein!

[481]
5
Wo ist dein schönes Schwesterlein?“ –

„Mein Schwesterlein, die krigst du nicht,
Sie ist dir viel zu adelich,
Und du gehörst zur Küch’ hinein.“

„Warum sollt ich sie krigen nicht?

10
Sie hat von mir ein Kindelein!“ –

„Hat sie von dir ein Kindelein,
Soll sie nicht mehr mein Schwester seyn!“

Er ließ sie geißeln drei ganze Tag,
Bis man ihr Lung’ un[d] Leber sah:

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„Hör’ auf, hör’ auf, es ist genung,

Es gehört dem König aus Engelland!“

„Gehört es dem König von Engelland,
So kostet’s mich mein ganzes Land,
Mein ganzes Land ist nicht genug,

20
Mein Leben muß auch noch dazu.“


Es stund nicht länger als drei Tag an,
Da kam der König aus Engelland:
„Willkommen, willkommen Pfalzgraf am Rhein,
Wo ist, wo ist dein Schwesterlein?“

25
„Mein Schwesterlein, die ist schon todt,

Sie liegt begraben röslinroth!“
„Liegt sie begraben röslinroth,
So mußt du leiden den bittern Tod!“

Selbst zog er sein schweres goldnes Schwert

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Und stach es dem Pfalzgrafen durch sein Herz;

„Hat sie müßen leiden den bittern Tod,
So mußt du leiden den Schmerz.“

Altes Volkslied.

  1. Diese Ballade, offenbar eine der tragischsten, welche im Munde des Volkes erhalten ist, läßt sich den schönsten altenglischen, schottischen und dänischen Balladen an die Seite stellen. Sie ist weit verbreitet und in mehreren Versionen auf uns gekommen. Die im Wunderhorn, II. Band Seite 272 abgedruckte, ist wohl von Brentano selbst gedichtet. Am neuesten ist offenbar die Bearbeitung desselben Stoffes in Baader’s und L. Moris’ Sagen der bayrischen Pfalz. (Stuttgart bei Göpel. Seite 251.) Ihr gar zu romantisches Gewand verräth ihre Unächtheit.
    (Siehe J. Baader’s „Sagen der Pfalz und des Neckarthals etc.“)