Der Schwede zu Wildenstein

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Autor: Maximilian von Ring
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Titel: Der Schwede zu Wildenstein
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 466–467
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons und Google
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Der Schwede zu Wildenstein.

Nicht weit vom Fürstenbergischen Pfarrdorfe Leiberdingen, (Amt Mößkirch) liegt das Schloß Wildenstein auf einem steilen, etwa 80 Fuß hohen Felsenkegel in der Donau; durch eine Zugbrücke ist das sehr feste Gebäude mit dem Ufer verbunden; auch führte vor Zeiten ein bedeckter Gang von der Festung aus in das Thal hinunter. Seit 1642 gehört das Schloß zur Fürstenbergischen Standesherrschaft und hatte im 17. Jahrhunderte öfters eine Besatzung.

[467] Während die Schweden im August 1642 den Hohentwiel besetzt hielten, kam einer der kühnsten ihrer Unterofficiere, der zufällig mit einigen seiner Leute diese Gegend durchstreifte, auf den Gedanken, die Veste Wildenstein zu erobern, denn er hatte vernommen, daß die Fürstenbergischen Beamten, welche damals auf dem Schlosse wohnten, mit den wenigen Soldaten, welche dessen Wache bildeten, nach Mößkirch gegangen waren, um dort die Messe zu hören, und daß nur die Frauen und Kinder sich noch im Schlosse befänden. Da besann sich der vermessene Schwede nicht lange. Auf einer schwachen Leiter stieg er zur Zugbrücke hinüber, kletterte sodann an deren Kettenwerk hinauf und wand dasselbe mit kräftigen Armen aus den festen Angeln, so daß die Brücke fiel, worauf er mit drei seiner Genossen in das Schloß eindrang. Sein furchtbares Aeußere, – die Bewohner der Gegend nannten ihn nur den Schwarzen – hatte die Frauen so sehr in Schrecken versetzt, daß sie nicht einmal das Thor zu schließen gewagt. Den Eroberer verlockte die reiche Beute, die er hier vorfand und, sey es nun, um nicht theilen zu müssen, oder aus Furcht vor der Rückkehr der Feinde, er schloß sich eiligst mit seinen drei Auserwählten in die Veste ein, ohne die Andern zu rufen, welche sich indessen in dem Walde verborgen gehalten. Wirklich kehrten auch die Beamten mit ihren Soldaten bald aus Mößkirch zurück und begannen, da sie das Schloß in fremden Händen fanden, mit Zuziehung benachbarter Garnisonen, den Angriff auf dasselbe; da erbot der eingeschlossene Schwede die Uebergabe unter der Bedingung, daß er und seine Begleiter mit sich fortnehmen dürften, was sie forttragen könnten. Dies ward gestattet und er brachte großen Reichthum mit auf den Hohentwiel, wo er jedoch nur mit Mühe sich einem schweren Strafurtheil entzog.

(Vergl. Max v. Rings: „Malerische Ansichten der Ritterburgen Teutschlands.“ 6. Heft.)