Der Teufelsstein bei Kamenz

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Textdaten
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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Der Teufelsstein bei Kamenz
Untertitel:
aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 286–288
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Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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[286]
130. Der Teufelsstein bei Kamenz.

Eine Stunde nördlich von Kamenz liegt in der Nähe der Senftenberger Straße auf den Flurgrenzen der Dörfer Bernbruch, Zschornau und Biehla am Rande eines Gehölzes ein mächtiger Granitblock, im Volksmunde der Teufelsstein genannt. Derselbe hat eine Höhe von 5 m, einen unteren Umfang von 36 m; die Länge des Steines betrug sonst 18 m. Die Entfernung von der genannten Landstraße beträgt ½ km, die nach jedem der drei erwähnten Dörfer 2 km. – Der interessante Felsblock hat die auffallende Gestalt eines sitzenden Frosches. Der obere Teil des Felsens ist von einem früheren Besitzer dieses Grundstückes leider abgesprengt worden. Der Stein hatte einst eine größere Höhe. Das abgesprengte Felsstück hatte oben eine kesselartige Aushöhlung, die von mehreren Löchern umgeben war. – Der eigenartige Teufelsstein fällt nach Süden zu, also in der Richtung nach Kamenz, ab, die höchste Erhebung zeigt nach Biehla. Auf der südlichen Seite befindet sich ein Fußtritt, und auf der östlichen und nördlichen scheint die Natur selbst Stufen gebildet zu haben, obwohl noch nicht genügend, um zu dem oberen Teile zu gelangen. An der östlichen Seite läuft längs des unteren Felsenrandes eine auffallende grabenähnliche Vertiefung hin. –

In der Nähe des Teufelssteines sind in früheren Jahren wiederholt allerhand Altertümer aufgefunden worden. Etwa 500 Schritte nach der Senftenberger Straße zu grub man Urnen aus, ferner bronzene Geräte, darunter zwei Steinäxte, mehrere Ringe, einen römischen Handring, eine Haarnadel mit Knopf und einem Seitenringe, ein selten vorkommendes schaufelartiges „6 Zoll langes Gerät.“ –

Die Beschaffenheit des Teufelssteines und die in seiner Nähe gemachten Funde sprechen dafür, daß dieser Felsen in grauer Vorzeit ein altheidnischer Opferaltar gewesen ist. Auch sein Name deutet darauf hin; denn es wurden nach Einzug des Christentums von den christlichen Priestern alle jene Stätten, da die Heiden ihren Göttern opferten, zu Wohnplätzen des Teufels gemacht, damit die Heiden jene Orte meiden und hassen sollten. Der Teufelsstein scheint aber noch in der christlichen Zeit ein heiliger Ort und sehr beachtet gewesen zu sein. Münzen aus dem früheren Mittelalter, welche man nach Biehla zu aufgefunden hat, ebenso eiserne Sporen und andere Geräte, die bei Bernburg ausgegraben wurden, sprechen dafür.

Daß der Teufelsstein einst ein altheidnischer Opferaltar, eine altheidnische Kultusstätte gewesen sein muß, das beweisen ferner die vielen Sagen, welche an diesen Felsen sich knüpfen. Von ihm wissen die Umwohner so viel zu erzählen.

Auf die an dem östlichen unteren Rande des Steines hinlaufende Vertiefung bezieht sich folgende Sage:

Als das erste Gotteshaus in Kamenz erbaut werden sollte, versuchte es der Teufel, den Baumeister zu verführen und dessen Seele zu erlangen. Er überredete den Baumeister, jenen Granitfelsen, den heutigen Teufelsstein, mit zum Aufbau der Kamenzer Kirche zu benützen. Der Teufel versprach ihm darum auch, wenn er des Baumeisters Seele erhalten könne, den Steinblock bis zur bestimmten Stunde an Ort und Stelle selbst zu schaffen. Der Baumeister war einverstanden. Damit nun der Teufel den gewaltigen Stein anzufassen vermöge, so legte er eine große Kette um den Felsen; doch es hatte der arme Teufel seine Kräfte weit überschätzt. Er hob den Stein zwar in die Höhe, aber er marterte [287] sich vergeblich damit ab. Mit dem „Glockenschlag 12 Uhr der Mitternacht“ war es ihm noch nicht gelungen, den Felsen dahin zu bringen, wohin er sollte. Aus Verdruß und Aerger hierüber ließ er ihn wieder fallen, und der betrogene Teufel fuhr auf und davon. Der Stein schlug tief in die Erde hinein, so daß er noch jetzt ganz tief liegt, nach Kamenz zu, wohin er sollte, geneigt, nach Biehla hin emporstrebend. Die am östlichen unteren Rande des Teufelssteines wahrzunehmende Vertiefung soll von der Kette, welche der Teufel einst um ihn schlang, herrühren.

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Haupt- und Pfarrkirche zu St Marien in Kamenz nebst Diakonatsgebäude und Katechismus- oder Jesuskirche (links).

Ende des 18. Jahrhunderts waren neben dem Teufelssteine noch tiefe Gruben vorhanden, Erdkessel oder Teufelsgruben genannt. In diesen soll der Teufel zuweilen gekocht haben. „Man hat es dann in der Tiefe der Löcher, einem Hirsebrei gleich, plappern hören.“ Gefährlich ist es gewesen Steine da hinab zu werfen. Einige Hirtenknaben aus Biehla, welche das Vieh in der Nähe des Teufelssteines hüteten, wollten [288] einmal den Teufel necken. Sie warfen Steine in seinen Brei. Das hat er aber sehr übelgenommen. Es kamen drei große schwarze Raben auf die Hirtenknaben zugeflogen. Mit den Schnäbeln und Flügeln schlugen diese Raben so auf die Knaben und das Vieh ein, daß die Burschen, welche arg zugerichtet waren, eiligst die Flucht ergriffen und Rettung im Dorfe suchten. Das Vieh gab lange Zeit statt der Milch nur Blut, und die Knaben lagen wochenlang krank darnieder. Darauf wurde es den Hirten verboten, in der Nähe des Teufelssteines wieder das Vieh zu hüten.

Jenem Bauersmann, welcher einst den oberen Teil des Teufelssteines absprengte, ist es nicht gut gegangen. Er hatte seitdem wenig gesunde Stunden mehr auf der Welt. Sein Körper wurde siech und krank. In den verschiedensten Bädern suchte er gesund zu werden, aber alles war und blieb vergeblich. „Eine Warnung für andere, welche solche Opferfelsen ebenfalls zu vernichten gesonnen sind!“ sagt Preusker.

Allgemein ist die Sage verbreitet, daß unter dem Teufelssteine ein großer Schatz vergraben[WS 1] liege. Unter ihm befindet sich eine ganze Braupfanne voll Gold. Diese Braupfanne hat man oft brennen sehen, zuweilen ist am Teufelssteine auch echtes Gold gefunden worden. Es wird dieser kostbare Schatz aber von Geistern bewacht. Das Graben darnach ist darum sehr gefährlich; denn niemand kennt den Zauberspruch, wodurch die den Schatz hütenden Geister zu bannen sind. Oftmals haben Leute es versucht, jenen unermeßlichen Schatz zu heben, aber es ist ihnen dieses noch nicht geglückt, und das Schatzgraben ist ihnen gewöhnlich auch recht schlecht bekommen. Einst versuchten es beherzte Leute aus Bernbruch, Zschornau und Biehla, die Braupfanne voll Gold auszugraben. Es war an einem schönen Vormittage im Frühlinge. Die Sonne lachte freundlich und mild vom wolkenlosen Himmel hernieder. Als die Schatzgräber bei der besten Arbeit waren, umfinsterte sich plötzlich der Himmel, ein rasender Sturm brach los, grelle Blitze zuckten nieder, und furchtbarer Donner machte die Erde beben. Doch die Schatzgräber ließen sich in ihrer Arbeit nicht stören. Da sprang auf einmal „ein Mann von verdächtigem Ansehen“ herbei, der schrie den Schatzgräbern zu: „Seht ihr Verwegenen denn nicht, daß eure Dörfer in Flammen stehen?“ Erschrocken blickten die Schatzgräber auf. Ringsum sahen sie nichts als Rauch und Flammen. Da eilten die Männer von dannen, ein jeder nach seinem Dorfe, in der Meinung, dasselbe stehe in hellen Flammen. Doch, dort angekommen, war nichts von einer Feuersbrunst zu sehen. Der klarste Himmel wölbte sich über die Dörfer, und freundlich lachte die Sonne hernieder. Den Schatzgräbern war nun aber die Lust vergangen, weiter zu graben. Auch andere haben es nicht wieder gewagt, den großen Schatz unter dem Teufelssteine zu heben. Wer den Zauberspruch kennt, kann die mit Gold angefüllte Braupfanne heute noch heben. Er wäre dann der reichste Mann der Welt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: vergrabene