Der Teufelsstein bei Kleinbautzen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Friedrich Bernhard Störzner
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der Teufelsstein bei Kleinbautzen
Untertitel:
aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 400–401
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Digitalisat der SLUB Dresden bei Wikimedia Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[400]
171. Der Teufelsstein bei Kleinbautzen.

In nordöstlicher Richtung von der alten Wendenhauptstadt Budißin liegt das Dorf Kleinbautzen. Zwischen diesem Orte und dem Dörfchen Pließkewitz[WS 1] befindet sich der Teufelsstein, ein eigenartiges Felsgebilde von ungefähr 6 m Länge, 5 m Breite und 3,5 m Höhe. Dasselbe besteht aus drei riesigen Granitblöcken, die in ihrer Anordnung ein unregelmäßiges Viereck bilden. Die südliche Hälfte des Teufelssteines besteht aus einem Felsen, der 4,5 m lang und 2,5 m breit ist. Die nördliche Hälfte wird von zwei großen Granitsteinen gebildet, die übereinanderliegen. Hier bemerkt man auch zwei eingehauene Stufen. In der Mitte der Felsengruppe ist ein von Osten nach Westen gerichteter Gang, ein Spalt von ½ m Breite. In diese Spalte ist von oben ein fast 3 m langer, plattenartiger Stein eingekeilt. Auf den beiden Seitenflächen dieser Steinplatte bemerkt man zwei beckenartige Vertiefungen, die ovalen Schüsseln gleichen. Eine andere Steinplatte liegt am Fuße jener interessanten Felsengruppe. Auch diese Steinplatte zeigt zwei schlüsselartige Vertiefungen, von denen jede 0,85 m lang, 0,40 m breit und 7–9 cm tief ist. Die oberste Platte der Nordseite des Teufelssteines enthält einige rätselhafte Zeichen, in denen man eine Nadel, eine Schere und einen Fingerhut erkennen will. An einem anderen Felsen ist deutlich ein Kreuz eingehauen.

Der Teufelsstein bei Kleinbautzen, von den Wenden der dortigen Gegend als der czerto-kamen (Teufelsstein) bezeichnet, ist von der Sage umsponnen. Sie erzählt uns folgendes: Der Teufelsstein war in alten Zeiten eine heilige Stätte. Hier opferten einst die heidnischen Bewohner dieser Gegend. Die kesselartigen Vertiefungen wurden von Menschenhänden eingegraben und zu Blutschüsseln bestimmt. Auf der obersten Felsenplatte stand ein Götzenbild. Der Spalt diente den Priestern beim Opfern als Durchgang, ebenso auch als Schlupfwinkel. – Als das Christentum in der Bautzener Gegend seinen Einzug gehalten hatte, kamen viele Bewohner aus den umliegenden Dörfern nachts am Teufelsstein noch viele Jahre hindurch heimlich zusammen und opferten und beteten hier am czerto-kamen. Da zogen die christlichen Priester mit ihren Getreuen nach jener heidnischen Opferstätte, zerstörten das Götzenbild und stürzten die eine Felsenplatte herab, die andere in den Spalt. Außerdem brachten sie an einigen Felsen kreuzartige Zeichen an, um dadurch die heidnischen Gottheiten zu bannen.

Ueber die Entstehung jener rätselhaften Zeichen, welche einige Blöcke des Teufelssteines enthalten, berichtet die Volkssage folgendes:

Der Teufel hatte einst mit einem listigen Müller ein Bündnis geschlossen. Von diesem wurde er auf das Mühlrad gelockt und dort festgehalten. Dabei zerrissen aber die Beinkleider des armen Teufels. Daher sah dieser sich genötigt, die arg beschädigten Beinkleider wieder auszubessern. Das besorgte der Teufel auf dem Teufelssteine bei Kleinbautzen und grub dann zur Erinnerung die Zeichen einer Nadel, einer Schere und eines Fingerhutes ein. –

Die Sage erzählt weiter:

Auf dem Teufelssteine bei Kleinbautzen saß einst ein Riese, der war so groß, daß er von da bloß einen Schritt bis Klein-Saubernitz, das 2 Stunden von hier entferntliegt, nötig hatte. Seine Füße reichten gerade bis zu dem großen Teiche, der sich damals in der Nähe dieses Dorfes befand, heute aber besäet ist. Hier wusch der Riese seine Füße. Seine Pfeife, die er im Munde trug, zündete er bei der Windmühle am Dorfe Gleina an. Zum Vergnügen [401] schleuderte der Riese eine Anzahl Steine in die Umgegend. Einer von diesen flog bis Saubernitz. Dort liegt er noch heute. An ihm bemerkt man ganz deutlich die Fußspuren jenes Riesen.

Was die Heimat erzählt (Störzner) 401a.jpg

Klein-Bautzen um 1840.

Wie das Volk sich erzählt, wären unter dem Teufelssteine große Schätze vergraben, in Tongefäßen würden sie aufbewahrt. In Wirklichkeit sind in unmittelbarer Nähe des Teufelssteines auch zahlreiche Scherben, Bruchstücke von tönernen Gefäßen, aufgefunden worden. Sie rühren aber von Urnen her, die einst in der Umgebung des czerto-kamen der Erde übergeben wurden. Es ist darum mit Sicherheit auch anzunehmen, daß der Teufelsstein in den früheren Jahrhunderten den Umwohnern eine Opferstätte war, in deren Nähe man auch die Asche und Gebeine der Verstorbenen der Erde in Urnen übergab. Dafür sprechen auch die einzelnen Sagen, welche das Volk sich heute noch vom Teufelssteine bei Kleinbautzen erzählt.

Anmerkungen (Wikisource)