Der Mordstein in der Taucherkirche zu Bautzen

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Textdaten
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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Der Mordstein in der Taucherkirche zu Bauten
Untertitel:
aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 396–399
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Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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170. Der Mordstein in der Taucherkirche zu Bautzen.

In der Nähe der neuen Kaserne Bautzens befindet sich der Taucherkirchhof. An der Südseite desselben steht die altehrwürdige Begräbniskapelle, die Taucherkirche, um welche die Sage schwebt. – Unter dem Chor der Taucherkirche sieht man an der Ostecke einen denkwürdigen Stein, der eine Art Säule und Pfeiler bildet. Die alten Leute bezeichnen diese Säule als den Mordstein. Derselbe ist der Teil einer Mordsäule, die ursprünglich auf der Töpfer Gasse in Bautzen stand und daselbst im Jahre 1404 errichtet worden war. – Christian Heckel erzählt hierüber folgendes:

Was die Heimat erzählt (Störzner) 396a.jpg

Alte Marien- und Marthenkirche an der Steinstraße vor dem Abbruch.

Anno 1404 hat sich in Budißin ein erschrecklicher Mord zugetragen: Ein frommer, ehrlicher und verständiger Mann, so Bürgermeister zu Bischoffswerda gewesen, und Martin Bischoffswerder genennet worden, begiebet sich um verhoffentlichen Friedes, Schutzes und Sicherheit willen (weil er bei etlichen von Adel großen Haß vermercket) gen Budißin. Als er nun eines Tages neben 2. seinen Söhnen von dar nach Görlitz reiten wollen, wird er beym Königs-Teiche von seinen Feinden unversehens angerennet, und neben dem einen Sohn alsbald totgeschlagen, der andere sein Sohn aber so verwundet, daß er im Rückreiten nach Budißin auff der Broditzer- oder Töpffer-Gasse vom Pferde auff die Erde fället und auch todt bleibet. –

Weil man nun in der Stadt alsobald nicht berichtet werden können, wie, wo und durch wen solcher Mord geschehen? wird der andere Bruder [399] des anderen Tages im Felde auch todt gefunden. Im gewaltigen Zulauff des Volckes aber wird dabey gesehen, daß ein geringes Wägelein, dafür 2. Oechslein gespannt gewesen, ausser des Weges an einem Uffer umgeworffen ist, und ein altes Faß dabey liegt. Da man nun solches Faß (weil es blutig gewesen) auffgehoben und eröffnet, wird des obgenannten Bürgermeisters Cörper gantz zerstickt und zerhauen darinnen gefunden.

Ob solcher erschrecklichen Mordthat ist männiglicher sehr erschrocken, auch der gemeine Mann also solches zu eifern bewogen worden, daß man grossen Auflauff und Empörung, allerhand Verdachts halber, besorgen müssen.

Man hat die Mörder niemals gründlich erfahren können, doch ist die stärkste Vermuthung auff die von Baudißin, sonst Zschöpken genannt, welche sich damals zu Nieder-Keina (dessen Erbherr anitzo Herr Lic. Caspar Christian Hübbsch, Hochansehnlicher Bürgermeister und Gymnasii-Inspektor in Budißin) auffgehalten, verblieben, weil deren einer etliche Jahr zuvor diesem Bürgermeister den Todt geschworen, mit Bedrohung, denselben in Stücken zu zerhauen, und nachmals denen Bürgern zu Bautzen, so ihn allewege geschützt und beschirmet, zuzuschicken.

Es sind aber solche Reden nicht eher, denn wie ein ganzes Jahr vergangen, und dieser Zschöpken auch todt geschlagen gewesen, geoffenbaret und an Tag kommen. Nach dem Begräbniß der 3. Entleibten ist eine steinerne 8-eckige Säule mit einem Creutze und der Jahreszahl 1404 in der Stadt, eben an dem Orte, da des Bürgermeisters Sohn einer todt vom Pferde gefallen, auff der Töpfer-Gasse zum Gedächtnis aufgerichtet worden.

Als nun die Säule 105. Jahr gestanden, und eine Person zur Staupe gehauen worden, ist das Volk auff der Töpffer-Gasse so ungestümmich zugelauffen, daß davon 2 Pferde mit einem Wagen, darauff viel Volcks gestanden, scheu worden, welche mit der Wagen-Teichsel diese Säule umgeworffen, doch keinen Menschen Schaden gethan.

Da nachmahls sich auch niemand dieser umgefallenen Säulen-Stücken anmassen wollen, und E. Hoch-Edler Rath in Budißin uff dem neuaufgesetzten Taucher-Kirch-Hoffe Anno 1598 ein neues Kirchlein auffbauen ließ, hat der Bauherr itzt ermelderter Säulen Stücke eines an die Ecke desselben Kirchleins gegen Morgen unter dem Chor als eine Säul und Pfeiler dieses Orts, nicht allein zum Nutz, sondern auch zu mehrern Gedächtniß des Bürgermeisters Martin Bischoffswerders, aufrichten und setzen lassen, wie annoch zu sehen ist. –

Kurtz hernach haben die damahls regierenden Herren Bürgermeistern ihre Grab-Stellen dahin erkohren, und neben andern solche mit schönen Gemählden vermehret. Dessen Sohn Hans Bischoffswerder hat Anno 1424 mit in Bautzischen Rathstuhl gesessen.“ –

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Was die Heimat erzählt (Störzner) 397a.jpg

Gesamt-Ansicht von Bautzen, von Norden gesehen.