Der Welfenfonds

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Textdaten
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Autor: Rudolf Lavant
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Titel: Der Welfenfonds
Untertitel:
aus: In Reih und Glied
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: J. H. W. Dietz
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons,
S. 95–97
Kurzbeschreibung:
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[95]
Der Welfenfonds.

(1891.)

Weil auf sein Land, das ihm der Krieg genommen,
Rechtlich Verzicht der alte, blinde König
In starrem Welfentrotze nie gethan,
Behielt man sein Privatvermögen inne

5
Und hob es für ihn auf, bis mürb’ geworden

Des alten Herrn und seines Sohnes Sinn.
Da niemals Frieden er mit Preußen schloß
Und selbst mit seiner Welfenlegion
„Soldaten“ spielte, wie er das gewohnt,

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Beschloß man, an den Zinsen ihn zu strafen
[96]
Und sie nicht mehr zum Kapital zu legen,

Vielmehr zur Abwehr seiner bösen Ränke
Und Machenschaften diesen Zinsbetrag
Nach eigner Einsicht bestens zu verwenden.

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Zunächst bestand im Land Hannover selbst

Die löbliche Verwaltungs-Kommission
Und wenn die Kosten der Verwaltung man
Nebst den Beschlagnahms-Kosten voll gedeckt,
So überreichte der Finanzminister

20
Den Rest dem Herrn Ministerpräsidenten,

Der damit schaltete, wie ihm gefiel.
Dafür, daß die Verwendung richtig war
Und der Beschlagnahmsordnung voll entsprach,
Trug die Verantwortung er ganz allein.

25
Alljährlich legte er persönlich Rechnung

Dem König ab, wies die Verwendung nach
Und eine Ordre aus dem Kabinet
Hieß die Verwendung gut. Die Ordre legte
Man zu den Akten, die Belege aber

30
Verbrannte man und ihre Asche streute

Man in die Lüfte. Nirgends steht geschrieben,
Wo all das schöne Welfengeld geblieben.

     *          *          *
Man kann vermuthen nur; ein mattes Licht
Fällt ab und zu in diese tiefe Nacht.

35
Daß ein Minister für den Schwiegervater,

Mit dem es übel steht, durch Bürgschaftsleistung
Getreulich eintritt, ist ein hübscher Zug;
Daß er, als man den Bürger würgen will,
Nicht zahlen kann, ist hübsch nicht, doch begreiflich,

40
[97]
Denn dreimalhundertfünfzigtausend Mark

Kann man sich am Gehalte nicht ersparen,
Selbst wenn man preußischer Minister ist.
Da treten Freunde ein für den Bedrängten,
Der seine Lage ihnen offenbart;

45
Der Rummel wird bezahlt und eines Tages

Erscheint der Herr Ministerpräsident
Bei dem Minister; mit lakonischem
„Von Majestät!“ reicht dar er ein Packet
Und aus der Hülle des Packets spazieren

50
Die dreimalhundertfünfzigtausend Mark.

Gerührt von solcher königlichen Gnade,
Beugt der Minister ehrfurchtsvoll sein Haupt –
Und auf den ganzen wunderlichen Handel
Kam nie mit einer Silbe man zurück.

55
Erst jetzt geräth die Welt auf die Vermuthung,

Daß unser braver Welfenfonds gewesen
Der königliche Spender; zu beweisen
Wird es kaum sein – ist der Belege Asche
In alle Winde lange doch verweht!


Anmerkungen (Wikisource)

Ebenfalls abgedruckt in:

  • Der Wahre Jacob 1891 Nr.123 (Seite 986)

Zum Welfenfonds siehe Wikipedia