Der alte Derffling

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Theodor Fontane
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der alte Derffling
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 255–256
Herausgeber:
Auflage: 10. Auflage
Entstehungsdatum: 1846
Erscheinungsdatum: 1905
Verlag: J. G. Cotta
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Stuttgart und Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck in: Der Soldatenfreund. Zeitschrift für faßliche Belehrung und Unterhaltung des preußischen Soldaten. 14. Jahrgang, 23.11.1846, Nr. 699. Dann im Morgenblatt für gebildete Stände, Band 28, 22.4.1847, S. 381f. Google
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[255]
Der alte Derffling.


     Es haben alle Stände
So ihren Degenwerth,
Und selbst in Schneiderhände
Kam einst das Heldenschwert;

5
Drum jeder, der da zünftig

Mit Nadel und mit Scheer’,
Der mache jetzt und künftig
Vor Derffling sein Honneur.

     In seinen jungen Tagen

10
War das ein Schneiderblut,

Doch mocht’ ihm nicht behagen
So Zwirn wie Fingerhut,
Und wenn er als Geselle
So saß’ und fädelt’ ein,

15
Schien ihm die Schneiderhölle

Die Hölle selbst zu sein.

     Einst als das Nadelhalten
Ihm schier an’s Leben ging,
Dacht’ er: „das Schädelspalten

20
Ist doch ein ander Ding;“

Fort warf er Maaß und Elle
Voll Kriegslust an die Wand,
Und nahm an Nadels Stelle
Den Säbel in die Hand.

25
     Sonst focht er still und friedlich

Nach Handwerksburschen-Recht,
Jetzt war er unermüdlich
Beim Fechten im Gefecht;

[256]
Es war der flinke Schneider
30
Zum Stechen wohl geschickt,

Oft hat er an die Kleider
Dem Feinde was geflickt.

     Er stieg zu hohen Ehren,
Feldmarschall ward er gar,

35
Es mocht’ ihn wenig kehren,

Daß einst er Schneider war;
Nur fand er einen Spötter,
Verstund er keinen Spaß,
Und brummte: „für Hundsfötter

40
Ist hier mein Ellenmaaß.“


     Krank lag in seinem Schlosse
Der greise Feldmarschall,
Keins seiner Lieblingsrosse
Kam wiehernd aus dem Stall;

45
Er sprach: „als alter Schneider

Weiß ich seit langer Zeit,
Man wechselt seine Kleider, –
Auch hab’ ich des nicht leid.

     „Eh fehlt der alten Hülle

50
In Breite schon und Läng’

Der Geist tritt in die Fülle,
Der Leib wird ihm zu eng;
Gesegnet sei Dein Wille,
Herr Gott, in letzter Noth!“

55
Er sprach’s, und wurde stille, –

Der alte Held war todt.