Der alte Kupferbergbau in Lauterberg

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Autor: Heinrich Morich
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Titel: Der alte Kupferbergbau in Lauterberg
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aus: Allgemeiner Harz-Berg-Kalender für das Schaltjahr 1936 S. 4244
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Der alte Kupferbergbau in Lauterberg


[42]      Noch bevor die reichen Silbererzgänge in St. Andreasberg entdeckt waren, bestand in Lauterberg ein Kupferbergwerk, das einst zu den wichtigsten des Harzes, vielleicht von ganz Deutschland gehörte. Der Anfang desselben wird bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurückgeführt, doch fehlen uns darüber sichere Nachrichten. Vermutlich wurde der Bergbau zuerst vom Kloster Walkenried in Angriff genommen, dem das Recht eingeräumt war, in den Harzgegenden Metalle aller Art zu graben. Außer den Kupfererzen Fand man dort stellenweise auch silberhaltige Bleierze, die ebenfalls mit abgebaut wurden.

     Über den Betrieb der ältesten Gruben hat man aktenmäßig nichts erfahren können, aber so viel ist sicher, daß in den folgenden Jahrhunderten neben einer Anzahl von Eisensteinsgruben auch eine ganze Reihe von Kupfer- und Silbergruben bebaut wurden. Schon im 15. Jahrhundert, als das Land an die Herrschaft der Hohnsteiner kam, sollen mindestens 18 Silber- und Kupfergruben in Lauterberg bestanden haben. Im Jahre 1528 erließen die Grafen von Hohnstein für den Lauterberger Bergbau eine Bergordnung, woraus zu schließen ist, daß die Gruben schon damals von Gewerkschaften betrieben wurden, die wieder an ihre Mitgenossen Anteile oder Kuxe ausgaben, deren Zahl 128 nicht übersteigen sollte.

     Wie es beim Bergbau vielfach auf- und niederzugehen pflegt, so traten auch in Lauterberg nach Zeiten des Aufstiegs öfter Zeiten des Niederganges ein. Die Gruben wechselten in ihrem Bestande und wurden zu wiederholten Malen eingestellt und wieder aufgenommen; oft lagen sie unbebaut, weil sich keine Gewerken fanden, namentlich während des 30jährigen Kriegs, der den Lauterberger Bergbau fast zum Erliegen brachte. Daraus erklärt sich auch die Aufschrift [43] auf dem Merian’schen Kupferstich von 1654: „Lutterberg Gewessene Bergstadt“.

     Im Jahre 1663 wurden nur noch 4 Gruben genannt, von denen damals 3 eingestellt wurden. Allerdings kamen immer neue hinzu, doch konnten auch diese sich nicht lange halten. So wurden die beiden Gruben Glück und Heyl, auch St. Andreas, welche der Hauptmann Ziegler neu aufgenommen hatte, sowie die Zeche Hessenthal und Andreasberg gebaut, bald aber wieder liegen gelassen.

     In den Jahren 1671 und 1672 betrieben einige Gewerken die Gruben Scholle und St. Johannes und machten die auf denselben gesammelten Vorräte von Kupfererz auf der Andreasberger Hütte zugute. Als aber das Schmelzen in dem großen Ofen nicht gut gelingen wollte, wurden die Gewerken entmutigt und zogen wieder ab.

     Im folgenden Jahre stellten sich einige Gewerken aus Nordhausen, Wernigerode und Hannover ein und versuchten, auf der hohen Tracht nach Bergwerk einzuschlagen, ließen sich auch deswegen vom Herzog Johann Friedrich einen freien Mutungsbrief auf 2 Jahre aufstellen. Was aber dieselben ausgerichtet und gebaut, ist nicht bekannt geworden, man weiß nur, daß es nach dem Jahre 1678 mit dem Lauterberger Bergwerke ganz und gar wieder aus war und bis 1683 keine Gruben mehr bebaut wurden.

     Einen neuen Aufschwung nahm der Lauterberger Kupferbergbau, als im Jahre 1683 das fürstliche Bergamt in Clausthal die Lagerstätten auf ihre Abbauwürdigkeit untersuchen ließ und die Wiederaufnahme der verfallenen Gruben eifrig förderte. Auf Veranlassung des Landdrosten von Witzendorf zu Osterode wurde durch den Amtmann Ruperti zu Scharzfels die alte Grube „Schöne Marie“ im Schadenbeck wieder in Betrieb gesetzt und eine andere Grube daselbst „Lauterbergs Hoffnung“ genannt, neu aufgenommen.

     Zur Heranziehung von bergbaulichen Gewerken und zur Erleichterung des Betriebes wurde angeordnet, daß die Beamten der Gewerken mit Holz, Wasser und mit Pochwerksanlagen zu Hilfe kommen sollten. Es entstand nun wieder eine ganze Reihe von Gruben, und der Kupferbergbau entwickelte sich in einem solchen Maße, daß man mit frohen Hoffnungen in die Zukunft schauen konnte.

     Die Rechnung von den genannten Gruben führte zuerst der Oberförster Ruperti den Bergbau wieder in Gang gesetzt hatte. Auf seinen Wunsch wurde 1684 zur Rechnung und Lohnung ein besonderer Schichtmeister für die Lauterberger Gruben und Gewerken bestellt, wozu man auf Vorschlag des Landdrosten von Witzendorf den Schreiber des Amtmanns Ruperti und Organisten zu Lauterberg Jakob Heine wählte.

     So entstand wieder eine Grube nach der anderen, in denen die Bewohner Lauterbergs lohnende Beschäftigung fanden. Seine höchste Blüte erreichte der Kupferbergbau-Betrieb im 18. Jahrhundert, wo er eine weite Ausdehnung annahm und wegen seiner reichen produktion eine große Bedeutung erlangte. Die Lauterberger Kupfererz-Lagerstätten gehörten damals nächst dem Kupferschieferflöz von Mansfeld und dem Kieslager des Rammelsberges bei Goslar zu den besten unseres Landes.

     Während bis dahin die Erze auf der Andreasberger Silberhütte verarbeitet werden mußten, wurde 1705 im Luttertale eine eigene Schmelzhütte erbaut, die an der Stelle der jetzigen Oberförsterei stand, und an die noch heute der Name „Kupferhütte“ erinnert. Eine aus jener Zeit stammende Schlackehalde wird von Teilen des Gartens der Oberförsterei überdeckt.

     Von den zahlreichen Gruben, die im 18. Jahrhundert entstanden, war die „Kupferrose“ am Haybeck, unterhalb der Vereinigung der Geraden und Krummen Lutter, bald die Hauptgrube des ganzen Reviers. Von 1721–1725 gab sie vierteljährlich 16 Taler Ausbeute auf den Kux, und Basius schreibt 1789 in seinen „Beobachtungen über die Harzgebirge“ von ihr: „Sie war gewiß die reichste Kupfergrube auf dem ganzen Harze, denn sie gab jeder der 128 Kuxen eine vierteljährliche Ausbeute von 18 Spezies-Thalern. Die ungeheure Größe der Halde zeugt noch vom beträchtlichen Baue, der darauf muß ehemals geführt sein.“

     Im Schadenbeck, am Oberlauf der Krummen Lutter, wetteiferten die reichen Grube „Schöne Marie“ und „Lauterbergs Hoffnung“ mit der Kupferrose und im Tale der Geraden Lutter suchte die Grube „Frische Lutter“ ihnen nachzukommen.

     Ein bedeutender Betrieb bestand ferner im Engentale, einen Nebentälchen des Wiesenbeeks, wo die Gruben „Aufrichtigkeit“ und „Freudenberg“ lange Zeit ertragreich waren. Im Tale hatte man von den Alten 2 Stollen übereinander angesetzt gefunden. Man vermutete, Daß der obere Stollen am weitesten in den Berg getrieben sein würde, und deshalb wurde er wieder belegt.

[44]      Außerdem werden noch besonders genannt die Gruben „Lauterbergs Glück“, „Lutter Segen“ und „Gelber Hirsch.“ Im Jahre 1737 hatte ein Kux der Kupferrose einen Wert von 40 Talern und ein Kux der Gruben Aufrichtigkeit, Freudenberg, Lauterbergs Glück, Lutter Segen und Frische Lutter einen wert von je 20 Talern.

     Während im Jahre 1760 die Gruben Kupferrose, Gelber Hirsch, Frische Lutter und die einige Zeit vor (1749) aufgenommene Grube „Luise Christiane“ im Betrieb standen, beschränkte sich der Abbau der Kupfererze im Jahre 1789 auf die Gruben Neuer Freudenberg, Neuer Lutter Segen und Luise Christiane. Die Frische Lutter wurde nur noch auf Kobalt genutzt, den man früher wenig beachtet hatte, und die Kupferrose und der Gelbe Hirsch waren eingestellt.

     Der Hauptbetrieb war in jener Zeit auf der Grube Luise Christiane im Krummen Luttertale, von der Basius berichtet:

     Die Grube Luise Christiane liegt mit der Grube Luttersegen auf ein und demselben Gange, der bis zu 9 Lachter (18 m) mächtig ist. Der Freudenberger Gang durchschneidet diesen. Die Gangart dieser Gruben ist nie fest, sondern wie Sand, den man mit Hacke und Kratze gewinnen kann. Es kommen hier nur Kupfererze vor, meistens Kupfertkiese, die nieren- und nesterweise in dieser Gangart liegen. Überraschend ist es, wenn man in diesen Gruben fährt und ganz unerwartet die blendendweißen Wände sieht, die durch die hin und wieder vorkommenden Streifen von einer schwarzen eisenhaltigen Kupferguhr noch mehr gehoben werden. Man glaubt auf den ersten Anblick in einen Salzstock versetzt zu sein.

     Die Lockerheit der Gangart verursacht es, daß die Gruben hier sehr wasserreich sind, und die Tagewasser sehr leicht durchsickern können. Die Luise Christiane als Hauptgrube hat jetzt in einer Teufe von etwas 50 Lachter (100 m) schon drei Wasser-Räder nöthig, um die Grube zu Sumpfe zu halten, und dennoch haben diese Gruben schon mehr als einmal ersoffen gelegen.“

     Im Anfange des 19. Jahrhunderts ging der Kupferbergbau in Lauterberg zurück; wegen geringer Ausbeute mußte eine Grube nach der anderen eingestellt werden, und auch der Hauptbetrieb auf der Grube „Luise Christiane“[WS 1] konnte diesem Schicksal nicht entgehen; nachdem sie eine Tiefe von 300 Meter erreicht hatte, wurde sie im Jahre 1833 eingestellt.

     Der Lauterberger Kupferbergbau hörte in der Hauptsache schon früher auf, die Gruben wurden 1824 eingestellt, worauf 1826 auch die Kupferhütte zum Stillstand kam. Im Jahre 1840 wurden aufs neue Kupfererze entdeckt, Befahrungen gehalten und Stollen-Versuche getrieben. Der Bergbau wurde wieder aufgenommen und bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts fortgeführt, bis er 1868 mit Einstellung des letzten Versuchsortes „Neue Grube“ vollständig zum Erliegen gekommen ist.

     Nach einem Beamten-Verzeichnis in der Clausthaler Oberbergamts-Bibliothek waren mit der Betriebsführung bei der Lauterberger Kupferhütte betraut:

  • von 1704–1706 Wagner, Heinrich, Georg, Hüttenschreiber und Schichtmeister;
  • von 1706–1729 Ebert, Christian ging als Hüttenraiter in Unterharzische Dineste;
  • von 1719–1751 Keydel, Johann, Ernst, verstorben.
  • von 1751–1757 Elster, August Wilhelm, Reitender Förster; wurde nach St. Andreasberg versetzt, wo er 1784 starb;
  • von 1757–1762 Walter, Johann, Adolf, Reitender Förster, wurde versetzt;
  • von 1765–1772 Trute, Johann Kaspar, Reitender Förster, wurde versetzt;
  • von 1772–1775 Walter, Georg Friedrich, Reitender Förster, wurde versetzt;
  • von 1775–1781 Hundt, Karl, Albert, Gottlieb, Förster;
  • von 1781–1797 Otto, Johann, Ernst, Friedrich, Förster
  • von 1797–? Quensell, Philipp, Förster

     Außerdem werden bei der Leitung der Kupferhütte noch folgende Hüttenwächter genannt:

  • von ?–1734 Bethe, Hieronymus, wurde pensioniert;
  • von 1735–1759 Röger, Heinrich, wurde pensioniert
  • von 1759–1769 Hoffmann, Johann, August, verstorben;
  • von 1769–1826 Hoffmann, Johann, Christian, Friedrich. Von 1769–1773 interimistisch, von 1823 an unter dem Charakter „Hüttenmeister“, verstorben am 13. Januar 1826.

     Der Hüttenwächter war die erste Stufe zum Hüttenmeister, der etwa die Funktionen eines Hütteninspektors hatte. – Reitende Förster waren unsere heutigen Oberförster. – Der Hüttenraiter war der höchste Beamte über das Hüttenwesen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Original: Luise Christiana