Der erlöste Schloßspuk

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Anna Bauer
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der erlöste Schloßspuk
Untertitel:
aus: Märchen aus Bayern, S. 13–14
Herausgeber: Karl Spiegel
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: 1900
Erscheinungsdatum: 1914
Verlag: Selbstverlag des Vereins für bayrische Volkskunde und Mundartforschung
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Würzburg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[13]
8. Der erlöste Schloßspuk.
(Oberpfalz: Amberg.)

Einmal kam ein armer Handwerksbursch recht müde spät abends zu einem Wirtshaus und bat um ein Nachtlager. Da aber gerade der König Hochzeit feierte, war schon alles voll und schickte der Wirt den Burschen fort. Der ging dann zum nächsten Wirtshaus; doch auch hier war schon alles besetzt. Da machte der Bursche ein recht betrübtes Gesicht und wollte traurig fortgehen. Das erbarmte den Wirt und er sagte: „Wenn Du Dich nicht fürchtest, könnte ich Dir schon ein Quartier geben. Ich habe draußen vor der Stadt im Walde ein Schloß, aber es getraut sich niemand, daß er dort nächtigt. Getraust du dich, so wirst du dort finden, was du brauchst.“ Der arme Bursche war sehr froh, daß er endlich ruhen konnte. Als er an das Schloß kam, waren alle Türen offen und er fand alles, was er brauchte. Weil er hungrig war, ging er in die Küche; da fand er Eier, Mehl und Schmalz. Er schürte ein Feuer an, setzte den Dreifuß auf und kochte sich einen „Deutschen“ (Schmarren) und sang lustig zu seiner Arbeit. Auf einmal fing es im Schlot zu schreien an: „I fall, i fall (im singenden Ton)!“ Der Handwerksbursche sagte: „Fall’ nur zu, nur nicht in meine Pfanne!“ – Da fiel ein Arm und ein Fuß herab. Er nahm sie und legte sie zur Seite. Er sang und kochte weiter. Da schrie es wieder: „I fall, i fall!“ und es kam wieder ein Arm und ein Fuß. Er legte diese wieder auf die Seite und sang und kochte weiter. Da schrie es zum drittenmal: „I fall, i fall!“ – Nun aber sagte der Handwerksbursche: „Ich bin fertig, ich geh, sonst kommt noch der ganze Kerl und fällt mir in meinen Deutschen.“ Es fing auch schon zu rumpeln an, es tat einen Pumps, der Körper kam auch noch nach und auf einmal stand ein graues Männlein vor dem Handwerksburschen. Er [14] fürchtete sich aber nicht, sondern lud das Männlein freundlich zum Mitessen ein. Als sie fertig waren, sagte das Männlein: „Weil du dich nicht gefürchtet und mich zum Essen eingeladen hast, will ich dich belohnen, denn du hast mich erlöst.“ – Er führte nun den Burschen durch alle Zimmer; eins war schöner als das andere und zuletzt kamen sie in ein Gewölbe, da war es stockfinster. In der Mitte stand eine Truhe, darauf saß ein schwarzer Pudel, der hatte feurige Augen. Das Männlein winkte mit der Hand und der Pudel verschwand unter schrecklichem Gekrach; der Deckel sprang auf und darunter lag lauter Gold und Silber. Der Handwerksbursche durfte sich nehmen, soviel er mochte. Er füllte sein Ränzlein und sein Tüchlein. Dann war das Männlein verschwunden. Da klopfte es außen, und als er aufmachte, stand der Wirt vor ihm; der war sehr erfreut, daß er ihn noch lebendig traf. Er fragte, wie es ihm erging. Der Bursche erzählte alles und zeigte seine Schätze. Der Wirt sagte: „Du bist der erste, der sich nicht fürchtete, der nicht davonlief, und ich gönne dir dein Glück.“ Der Handwerksbursche wanderte in seine Heimat und lebte froh und zufrieden, bis er starb.


Aufgeschrieben durch Frau Anna Bauer, Kassierswitwe in Amberg, 1900. (Urschrift bis auf einige geringfügige Stilisierungen.)