Der erste Held der Reklame

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Textdaten
Autor: Walther Kabel
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Titel: Der erste Held der Reklame
Untertitel:
aus: Das Buch für Alle, Illustrierte Familienzeitung, Jahrgang 1914, Heft 28, S. 625
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1914
Verlag: Union Deutsche Verlagsgesellschaft
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Quelle: Commons
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[625] Der erste Held der Reklame war ein gewisser Kiselak, der in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts lebte. Fritz Kiselak, ein geborener Wiener, hatte als einziges Kind seiner Eltern nach deren Tode ein ziemlich beträchtliches Vermögen geerbt. Von Haus aus Kaufmann, gab er diesen Beruf auf und widmete sich ausschließlich seinen literarischen Neigungen. Er hatte jedoch mit den Erzeugnissen seiner Muse wenig Glück. Das meiste schickten ihm die Redaktionen zurück, obwohl er recht bescheidene Honoraransprüche stellte.

Eines Abends wurde er wegen seiner schriftstellerischen Mißerfolge von einem Freunde weidlich geuzt. Da geriet der damals achtundzwanzigjährige Kiselak so in Wut, daß er seinem Bekannten eine Wette anbot, nach deren Bedingungen er sich verpflichtete, innerhalb zehn Jahren seinem Namen zur Berühmtheit zu verhelfen.

Kiselak begann nun zu Fuß als Tourist die Welt zu durchwandern, erst Österreich und Deutschland, dann auch die Schweiz und Tirol. Stets führte er in seinem Rucksack zwei Töpfe, einen voll weißer und einen voll roter Ölfarbe, und einen Pinsel mit sich. Und überall, wo er nur auf einen von Fremden einigermaßen besuchten Aussichtspunkt stieß, malte er recht auffällig irgendwo seinen Namen mit Farbe hin. Im Gebirge ließ er sich sogar auf Strickleitern an senkrechten Wänden herab und verewigte sich in Riesenbuchstaben an dem grauen Fels, so daß allen Passanten diese fragwürdige Verzierung notwendig in die Augen fallen mußte.

So gab es bald in den genannten Ländern kaum eine nennenswerte Aussichtstelle, an der Kiselaks Name nicht geprangt hätte. Sechs Jahre lang trieb er diesen Unfug weiter. Sein Name war auf diese Weise wirklich schon zu einer gewissen Berühmtheit gelangt, und fraglos hätte er, falls er diese Art Reklame für seine Person noch weitere vier Jahre fortgesetzt haben würde, seine Wette gewonnen, wenn er nicht im Sommer 1831 auf einer Gebirgstour in Tirol infolge unzweckmäßiger Diät an der Ruhr gestorben wäre.

W. K.