Der fünfundsechszig Millionen Dollar-Schatz auf der Cocosinsel

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Autor: Theodor Kirchhoff
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Titel: Der fünfundsechszig Millionen Dollar-Schatz auf der Cocosinsel
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aus: Die Gartenlaube, Heft 24, S. 388–389
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Ergänzung hierzu: Aus San Francisco in Heft 37
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Der fünfundsechszig Millionen Dollar-Schatz auf der Cocosinsel.


Von Theodor Kirchhoff in San Francisco.


Am letzten Tage des Februarmonds 1872 verließ die Brigg „Laura“, unter dem Befehl von Capitain Thomas Welsh und Gemahlin Eliza Welsh, den Hafen von San Francisco und steuerte durch’s „goldene Thor“ hinaus in das große Stille Weltmeer, um den sich auf die Kleinigkeit von sage fünfundsechszig Millionen Dollars (Gold, Silber und Juwelen) belaufenden Piratenschatz von der Cocosinsel zu holen. Seit den letzten siebenzehn Jahren sind eine erkleckliche Anzahl von Expeditionen, die meisten derselben von San Francisco, einige von Centralamerika, nach der Cocosinsel gegangen, um besagten Schatz zu finden; aber alle sind unverrichteter Sache zurückgekehrt, wovon verschiedene Gründe angegeben werden. Die Ungläubigeren in San Francisco nennen den Cocosinselschatz einen riesigen Humbug, der gar nicht existire, – ergo auch nie gefunden werden könne; die Theilnehmer an den Expeditionen dagegen schwören Stein und Bein auf die fünfundsechszig Millionen, die irgendwo auf der Cocosinsel vergraben lägen, und geben als Grund ihres Nichtfindens meistens Neid und Eifersucht unter den Schatzsuchern an, die sich den ungeheuren Reichthum gegenseitig nicht gönnen.

Der erstaunte Leser wird gewiß begierig sein, zu erfahren, was es für eine Bewandtniß mit dem Piratenschatze habe und wo in aller Welt die Cocosinsel liegt, von der er in den Geographiestunden auf einer deutschen Schulbank schwerlich je etwas gehört hat. Die Lage der Cocosinsel (Cocos Island) ist in fünf Grad dreiunddreißig Minuten nördlicher Breite, ungefähr dreihundert Seemeilen westlich von Panama im Stillen Meere. Die mit tropischer Vegetation bedeckte bergige Insel, welche unbewohnt ist, hat eine Länge von etwa zwei deutschen Meilen und eine Breite von einer Meile. Sie liegt ganz einsam und von allen Verkehrswegen der Handelsschiffe auf dem Ocean entfernt, und schwerlich könnte ein passenderer Platz als dieser, um Schätze zu vergraben, auf unserem Planeten gefunden werden. Wie es geschah, daß die fünfundsechszig Millionen Dollars (Gold, Silber und Juwelen) auf der Cocosinsel eingescharrt wurden, wird aus der Lebensbeschreibung des Capitain Welsh klar werden, die ich hier in Kurzem so wiedergeben will, wie sie der berühmte Schatzsucher in San Francisco erzählt hat.

Capitain Thomas Welsh und seine Gattin sind – so wird von ihnen behauptet – die einzigen Ueberlebenden von der Bemannung eines Seeräuberschiffes, dessen blutige Carriere im Anfange des gegenwärtigen Jahrhunderts gespielt hat. Welsh macht Anspruch darauf, der Sohn eines engländischen Edelmannes aus der Grafschaft Kent zu sein. Seine Mutter ward, ehe sie heirathete, von einem stolzen und schönen, aber leider sehr armen Engländer sterblich geliebt, mußte jedoch auf den Befehl ihres Vormunds – sie war eine Waise – gegen ihren Willen besagtem Edelmann an den Altar folgen. Aus Verzweiflung darüber, die Geliebte seines Herzens nicht heimführen zu können, ward der stolze und schöne, aber arme Engländer ein Pirat und machte es zugleich zu seiner Lebensaufgabe, an dem Zerstörer seines häusliche Glückes schreckliche Rache zu nehmen. Im Jahre 1813 ward Thomas Welsh geboren. Seine Jugendgespielin war Eliza, die Tochter des ehemaligen Vormunds seiner Mutter, und seine jetzige Gemahlin, die acht Jahre älter als er ist. Als die beiden Kinder (Welsh war dazumal vier, Eliza zwölf Jahre alt) einstens am Meeresstrande Muscheln suchten, überraschte sie ein großer und wild aussehender Mann, der frühere Geliebte seiner Frau Mutter und jetzt Seeräubercapitain, und schleppte sie auf ein Schiff, das in der Nähe der englischen Küste ankerte, – und bald darauf segelte die Piratenbrigg nach Westindien. Die Rache des Seeräubercapitains war freilich nicht ganz gelungen, da er beabsichtigt hatte, Vater, Mutter, Vormund und Kinder alle zusammen gefangen fortzuführen; aber er ließ es mit den Kindern bewenden und kehrte nie wieder nach England zurück. Der kleine Welsh wurde jetzt zum Seeräuber förmlich erzogen und Eliza wohnte in der Kajüte des Capitains.

Die Piratenbrigg war während des nächsten Jahres der Schrecken aller Kauffahrer in den westindischen Gewässern. Aber der unternehmende Capitain suchte einen größeren Wirkungskreis und hatte ein Auge auf das ehemalige Reich der Incas geworfen. Als im Jahre 1818 die spanischen Colonieen in Südamerika gegen das Mutterland revoltirten, segelte der Pirat um das Cap Horn nach der Südsee, wo sich ihm eine herrliche Gelegenheit darbot, die unbeschützten Kauffahrteischiffe und die mit dem Golde Peru’s beladenen spanischen Gallionen zu plündern, Die hundertsechszig Mann starke Besatzung des Seeräuberschiffes, welche aus Engländern, Schotten und Irländern bestand, war unter der Führung ihres heroischen Capitains unbesiegbar. Die schnellsegelnde Brigg war mit acht Geschützen bewaffnet, und die schweren Vollkugeln von der auf dem hohen Quarterdecke postirten Drehbasse, „Long Tom“ genannt, fehlten nie ihr Ziel. Zuerst wurden die reichen Kauffahrteischiffe zusammengeschossen und dann geentert; die auf ihnen gefundenen Schätze – Piaster, Dublonen, Gold- und Silberbarren, Juwelen, Silberzeug etc. – wurde an Bord der Brigg geschafft, einzelne verwegene Matrosen von den genommenen Schiffen als Seeräuberrekruten angeworben und dann das eroberte Fahrzeug mit Todten und Lebendigen versenkt. Nur einmal war das Piratenschiff nahe daran, genommen zu werden. Eine mit fünfhundert Seesoldaten bemannte französische Fregatte holte die Brigg ein und enterte dieselbe. Die Franzosen wären auch sicher Sieger geblieben, hätte der Piratencapitain nicht durch fast übermenschliche Tapferkeit seine Mannschaft zu Heldenthaten angefeuert, und er selbst, durch die dichtesten Haufen der Feinde dringend, diese dermaßen zusammengehauen, bis sie entsetzt die Flucht ergriffen. Bei dieser Gelegenheit erhielt der junge Welsh einen Säbelhieb über das Gesicht, wovon heute noch die Narbe zu sehen ist. Die Mannschaft des Seeräubers zählte nach diesem blutigen Siege nur noch sechszig Köpfe,

Um seine zusammengeschmolzene Mannschaft wieder vollzählig zu machen, landete der Capitain jetzt öfters an der chilenischen und peruanischen Küste, wo er zugleich mit den Einwohnern ein Freundschaftsbündniß anknüpfte, damit er das Absegeln der mit Gold und Silber befrachteten spanischen Gallionen rechtzeitig erführe, die er dann nachher plünderte. Nach und nach vermehrten sich die Schätze an Bord der Piratenbrigg auf eine so kolossale Weise, daß der Capitain sich nach einem Orte umsah, wo er die ungezählten Millionen sicher aufbewahren könnte. Er entdeckte die unbewohnte Cocosinsel und machte dieselbe sofort zu seinem Rendezvousorte und Schatzdepot. In einem etwa dreihundert Fuß hohen Berge fand man eine Höhle, die als Hauptquartier eingerichtet ward und wo in einem verborgenen Gewölbe die Beute untergebracht wurde. Wochenlang pflegten die Piraten hier wüste Trinkgelage zu halten und ihre Schätze zu zählen, ehe das Schiff zu neuen Raubzügen wieder in See ging. Bei ihrer Abreise wurde die Höhle jedesmal so wieder zugedeckt, daß es einem mit ihrer Lage nicht Bekannten unmöglich wäre, dieselbe aufzufinden.

Der kleine Welsh ward bald der Liebling der Seeräuber und der Capitain behandelte Eliza auf das Sanftmüthigste. Die Rache, welche er den beiden Kindern geschworen hatte, schien von ihn ganz und gar vergessen zu sein, und Welsh erinnert sich, daß er ihn oft seinen Sohn nannte. Er suchte einen Stolz darin, ihm zu einem tüchtigen Piraten auszubilden. Aber Welsh und Eliza, die zu einer schönen Jungfrau heranblühte, trauten nicht den Absichten des Capitains und hatten schon lange darnach gestrebt von dem Schiffe zu entfliehen, wozu dieser, der wohl so etwas argwöhnen mochte, ihnen jedoch keine Gelegenheit bot. Endlich, nachdem sie sieben Jahre lang unter den Piraten gelebt hatten, schlug ihnen die Stunde der Erlösung.

Die Seeräuber hatten bereits eine solche Unmasse Beute auf der Cocosinsel zusammengeschleppt, daß sie allen Ernstes davon sprachen, die Reichthümer – dieselben wurden auf mindestens dreizehn Millionen Pfund Sterling geschätzt – zu theilen und sich friedlich in’s Privatleben zurückzuziehen Der Capitain war damit einverstanden; nur noch einen guten Fang wollte er machen, und dann sollte das wilde und gefahrvolle Piratenleben aufhören. Er kannte eine reiche Stadt an der südamerikanischen Küste, die [389] er nach dem Beispiel der alten Buccanier plündern wollte. Ungezählte Millionen lagen dort in den Gewölben der Kaufleute, silberne Apostel standen in den Kirchen und schwere goldene Weihgefäße auf den Altären; die spanischen Dons hatten den Ertrag der nahen ergiebigen Silberbergwerke schon seit Jahren des Krieges halber nicht nach Hause schaffen können – genug, es waren in der friedlichen Stadt unermeßliche Reichthümer mit Leichtigkeit zu erobern. Während vier Tagen und Nächten praßten und schlemmten die Piraten in der Stadt, bis die Einwohner, welche jene gastlich aufgenommen hatten, die wahre Absicht ihrer Besucher merkten. Eliza war allein an Bord der Brigg zurückgeblieben, als einige aus einem benachbarten Hort im Geheimen von der Stadtbehörde zu Hülfe gerufene spanische Militärcompagnien unversehens über die zechenden Piraten herfielen. Während des Blutbades gelang es Welsh, in einem Boote die Brigg zu erreichen, mit Eliza zu flüchten und sich in einem nahen Walde so lange verborgen zu halten, bis der Kampf vorüber war, die Seeräuber wurden bis auf den letzten Mann niedergehauen, ihr Schiff verbrannt. –

Was Welsh während der nächsten dreißig Jahre nach dem so dramatisch von ihm beschriebenen Untergange der Piratenbande getrieben hat, möchte schwer festzustellen sein. Wie er behauptet, heirathete er seine theure Eliza in New-York, machte viele Seefahrten und war lange Zeit auf Neu-Seeland. In den fünfziger Jahren tauchte das Abenteurerpaar in San Francisco auf, wohin das californische Goldfieber sie gelockt hatte, und hier erfuhr die Welt zuerst von dem riesigen Schatze auf Cocos-Island. Welsh sprach von weiter nichts als von den fünfundsechszig Millionen, die er gern holen wollte. Aber ohne Hülfe war er nicht im Stande dies zu thun. Er allein von allen Menschen in der Welt wußte genau, wo der Schatz lag, hatte ihn mit eigenen Augen gesehen und konnte so zu sagen die Hand darauf legen. Wem jedoch sollte er trauen, außer seiner Eliza? und sie beide allein konnten den Schatz nicht heben. In San Francisco fanden seine kolossalen Räubergeschichten bei Vielen ein gläubiges Ohr. Bereits im Jahre 1855 segelte eine Expedition nach der Cocosinsel, um die Millionen zu holen, kehrte aber leider ohne dieselben zurück; und mehreren anderen ihr folgenden erging es nicht besser. Im Jahre 1867 wurde in San Francisco die „Actiengesellschaft von dem verborgenen Schatze in der Südsee“ gebildet, und Welsh übernahm das Commando des von der Gesellschaft ausgerüsteten Schooners „Petrel“ nach der Cocosinsel, auf welcher abenteuerlichen Fahrt ihn Eliza begleitete. Welsh behauptete damals, unterwegs eine Verschwörung, ihn und Eliza vergiften zu wollen, entdeckt zu haben, und daß er deshalb das Schiff nach Panama gesteuert hätte, wo er dasselbe verließ. Mir liegt eine Anzahl von aus Panama datirten Briefen vor, welche von einem gebildeten Deutschen, der sich in San Francisco auf dem Schooner „Petrel“ als Matrose hatte anwerben lassen, an hiesige Freunde geschrieben wurden, und worin die Cocos-Island-Geschichte als der größte Schwindel, der je dagewesen sei, gebrandmarkt wird.

Diese Reise des Schooners „Petrel“ von San Francisco nach Panama war eine ganz schreckliche. Es würde hier zu weit führen, diese Seefahrt, welche volle fünf Monate währte, ausführlich zu beschreiben; bald ward das Schiff von wüthenden Regenstürmen umhergeschleudert, bald kam es in Windstillen wochenlang kaum von der Stelle; die gänzliche Unfähigkeit des Capitains machte die Fahrt zu einer wahren Jammerreise. Zuletzt waren die Segel alle in Fetzen und kein Segeltuch da, um neue zu machen, als glücklicher Weise ein Vereinigten-Staaten-Kanonenboot in Sicht kam und den Schooner nach Panama schleppte. „Der verrückte Capitain“ – so schreibt unser Landsmann – „hatte sich um achthundert Meilen im Cours verrechnet und versteht besser eine Schneidernadel zu führen, als ein Schiff zu commandiren. Statt direct nach Cocos-Island zu fahren, kroch er förmlich an der Küste herum. Er ist der ungeschliffenste Mensch, den ich je sah. Daß er früher ein Seecapitain war, ist eine kolossale Lüge“ etc.

Ein anderer im April 1868 aus Panama datirter Brief enthält noch Folgendes:

„Die Herren Repräsentanten von der ‚South-Pacific-Prospecting-Company‘ sind noch immer hier und wissen nicht, was sie anfangen sollen. Der alte Capitain mit seinem Weibe (der holden Eliza!) geht von einem Kosthause in’s andere und bettelt sich durch. Sollte es in San Francisco noch Narren geben, welche Cocos-Island-Stock (Actien) laufen wollen, so weisen Sie dieselben an mich. Ich verkaufe meine buntbedruckten zwanzig Actienscheine zum Kostenpreise – für hundert Dollars.“

Das Ende vom Liede war, daß der Schooner „Petrel“ in Panama öffentlich versteigert wurde, damit die Matrosen, welche seit acht Monaten keinen Cent Geld erhalten hatten, ihre rückständige Löhnung ausgezahlt bekommen konnten. Trotz dieses glänzenden Fiascos der Fahrt des „Petrel“ und anderer Expeditionen zur Hebung des Schatzes fehlte es sowohl in San Francisco als in Centralamerika nicht an Leuten, welche an das Vorhandensein der fünfundsechszig Millionen auf der Cocosinsel glaubten. Im Jahre 1870 ging Welsh als Passagier mit einer unter den Auspicien der Regierung von Costa Rica ausgerüsteten Expedition von Punta Arenas nach Cocos Island. Diesmal gelangte er wirklich dorthin, er sah den Berg wieder, in dem die fünfundsechszig Millionen schlummerten. „Einmal“ – so erzählt er – „standen mehrere Schatzsucher dicht vor dem verdeckten Eingange der Höhle; aber sie entdeckten dieselbe nicht und noch weniger den in ihr verborgenen Schatz.“ Man beschwor Welsh auf den Knieen, die Höhle zu zeigen, wo der Schatz verborgen liege, man bat und drohte, man versprach ihm die Hälfte davon – Alles umsonst! Er weigerte sich standhaft, den Ort anzugeben, denn er wußte, daß die Abenteurer ihn hinterdrein doch todtgeschlagen hätten, damit er nichts bekäme – und so hatte auch diese Expedition keinen Erfolg.

Währen der letzten Jahre lebten Welsh und Eliza, Letztere als Wahrsagerin, in San Francisco. Vielen Hunderten hat diese hier als magnetisches Medium von den Schätzen auf der Cocosinsel erzählt: daß die Juwelen (meistens Rubinen und Diamanten) dort noch immer haufenweise in den eisernen Truhen glitzern, daß die Dublonen und Piaster in Säcken und Fässern an der einen Wand der Höhle stehen, die Gold- und Silberbarren daselbst zu Bergen aufgestapelt liegen und die massiven silbernen und goldenen Gefäße, Candelaber etc. gar nicht zu zählen seien.

In San Francisco, wo es mehr professionelle Wahrsagerinnen als vielleicht in irgend einer Stadt der Welt giebt, die hier ein gewinnreiches Geschäft treiben, in allen Zeitungen ihre Kunst anzeigen und als „Clairvoyants“ mit goldenen Lettern an den Hausfronten in den Hauptstraßen der Stadt die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden erregen, hat Eliza viele Gläubige gefunden, und namentlich unter den Negern schwören Hunderte auf den Fünfundsechszig-Millionen-Dollars-Schatz auf der Cocosinsel. Auch von anderen „Mediums“ wurde das Vorhandensein des unermeßlichen Schatzes bestätigt, und die in San Francisco oft citirten Geister der ehemaligen Piraten lieben es, davon zu reden. Es war daher Welsh ein Leichtes, hier eine neue Gesellschaft zu bilden, welche unter seiner Leitung diesmal die Millionen sicher holen will. Die Gesellschaft hat sich unter dem volltönenden Namen „South Pacific Hidden Treasure Prospecting Company“ (die Gesellschaft zum Auffinden des verborgenen Schatzes im südlichen stillen Ocean) nach den Gesetzen des Staates Californien geschäftsmäßig incorporirt und die Brigg Laura auf Actien angekauft. Welsh und Eliza haben sich freiwillig erboten, das Commando der Expedition zu übernehmen und sind als Befehlshaber des Schiffes installirt worden, welches, wie schon bemerkt wurde, am 29. Februar dieses Jahres direct von hier nach der Cocosinsel abgesegelt ist. Beide zusammen verlangen für ihre Mühe nur so viel von dem kostbaren Schatze, als man mehr als dreißig Millionen Dollars antrifft; sollte derselbe gegen Erwarten weniger als dreißig Millionen Dollars betragen, so bekommen sie nach den Statuten der Gesellschaft keinen Cent. Acht Mitglieder der Gesellschaft sind mitgefahren, und die Brigg Laura zählt außer den Actionären noch sechs Matrosen. Das Schiff ist mit allem Nothwendigen auf’s Beste ausgerüstet und mit Lebensmitteln auf acht Monate versehen; aber Welsh und Eliza glauben in weniger als vier Monaten nach der Abreise, also im Monat Juni, von der Cocosinsel zurückzukommen, d. h. wenn das Anbordnehmen der fünfundsechszig Millionen nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen sollte. Aber im August dieses Jahres wird der Piratenschatz sicher in den Gewölben der „Bank of California“ in San Francisco niedergelegt sein.