Aus San Francisco

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Textdaten
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Autor: Theodor Kirchhoff
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Titel: Aus San Francisco
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 37, S. 611
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[611] Aus San Francisco empfangen wir mit Bezug auf den Artikel „Der fünfundsechszig Millionen Dollarschatz“ in Nr. 24 folgende ergänzende Zuschrift:

„Ich habe Ihnen, lieber Herr Keil, die Mittheilung zu machen, daß die Brigg ‚Laura‘ am 29. Juli von der Cocosinsel zurückgekommen ist, aber leider ohne die fünfundsechszig Millionen mitzubringen. Das Schiff legte die Reise von hier nach der Insel schnell zurück, Wind und Wetter waren der Fahrt günstig und in einunddreißig Tagen befand man sich zur Stelle. Der berühmte Capitain Welsh zeigte nach einigem Hin- undherspüren den Schatzsuchern die Höhle, worin die Millionen verborgen liegen sollten, und da der Eingang verschüttet war, so machten sich diese mit lobenswerthem Eifer an die Arbeit, die Höhle auszugraben. Nach achttägiger, unter Furcht und Hoffen verbrachter anstrengender Arbeit hatte man einen achtzig Fuß langen Tunnel in den Berg gebohrt, ohne bis jetzt die Spur von einem Schatze entdeckt zu haben. Die getäuschten Schatzgräber proponirten nun, den alten Welsh nebst seiner holden Eliza, welche sie so zum Besten gehabt, an einer Cocospalme aufzuhängen, aber diese bestanden darauf, daß der Schatz im Berge stecke; man solle nur munter weiter graben, man werde ihn schon finden etc.! – Auf diese Versicherung hin gruben die Schatzgräber während der nächsten zwölf Tage noch zweihundert Fuß weiter in den Berg hinein, bis die Höhle ganz ein Ende hatte. Jeder von der Gesellschaft überzeugte sich davon, daß die fünfundsechzig Millionen Dollars – Gold, Silber und Juwelen – nicht in dieser Höhle steckten und auch nie darin gewesen sein konnten. Jetzt sollte Lynchrecht gehalten und Welsh und Eliza dennoch summarisch aufgeknüpft werden. Hierzu kam es jedoch nicht, weil Mehrere noch an das Vorhandensein des Piratenschatzes glaubten, und auch auf der unbewohnten Insel wurde das Ehepaar, wie einige Schatzsucher beabsichtigten, nicht zurückgelassen, da es zu gewagt schien, sie mit den unermeßlichen Reichthümern, die möglicherweise doch noch auf der Cocosinsel stecken konnten, allein zu lassen. Die Actionäre des Piratenschatzes ließen sich zuletzt durch die jammervollen Bitten von Welsh und Eliza erweichen, dieselben nach Punta Arenas mitzunehmen, wo man sie an’s Land setzte und laufen ließ. Die Brigg ‚Laura‘ kehrte dann ohne das Abenteurerpaar nach San Francisco zurück.

Hier wurden die Schatzsucher durch die freudige Botschaft überrascht, daß man während ihrer Argonautenfahrt eine alte dem früheren Seeräubercapitain gehörende Karte von der Cocosinsel gefunden habe, auf welcher der Ort, an dem der Schatz vergraben liege, genau verzeichnet stände. Es hat sich in San Francisco bereits eine neue Compagnie von Schatzsuchern gebildet, die baldigst nach der Cocosinsel fahren und diesmal die Millionen sicher heben wird. Mehrere von der letzten Gesellschaft sind wieder dabei; aber Welsh und Eliza wird man nicht mitnehmen und dieselben sollen, weil sie den falschen Platz angaben, auch nichts von den Millionen abhaben. Daß der Piratenschatz auf der Cocosinsel wirklich existirt, gilt den Actionären der neuen Compagnie als eine ausgemachte Thatsache. Die in San Francisco während der letzten Tage von hiesigen magnetischen Mediums citirten und zu Rathe gezogenen Geister der Piraten haben Alle erklärt, daß die Karte ‚all right‘ sei; es wäre lächerlich, unter so bewandten Umständen an der Echtheit derselben zu zweifeln! – Ich hoffe, es hat seine Richtigkeit damit, und ich werde noch Gelegenheit finden, die ungeheuren Schätze auf der Cocosinsel nach ihrer glücklichen Ankunft in San Francisco den Lesern der Gartenlaube genau zu beschreiben, – was zu besonderem Vergnügen gereichen würde Ihrem

San Francisco, 1. August 1872.

Theodor Kirchhoff.“