Denkmal für Volkskämpfer

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Denkmal für Volkskämpfer
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 37, S. 609, 612
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[609]
Die Gartenlaube (1872) b 609.jpg

Denkmal für die Volkskämpfer von 1849 auf dem Friedhof zu Kirchheimbolanden.
Nach einem Entwurf von Professor Schieß in Wiesbaden.

[612] Denkmal für Volkskämpfer. Mit Abbildung. S. 609.) Zu Kirchheimbolanden in der Rheinpfalz wurde am 16. Juni d. J. ein Denkmal feierlich eingeweiht, das die Treue der Kampfgenossen und der Dank des heutigen Geschlechts siebenzehn rheinhessischen Männern und Jünglingen, die im pfälzisch-badischen Revolutionskriege hier den Tod im Kampfe gefunden, auf dem dortigen Friedhofe errichtet hat. – Bei der Aufstellung des Sockels des Denkmals, am fünfundzwanzigsten Mai, wurde vor dem Aufsetzen des Capitälchens in eine Vertiefung des letzten Würfels eine auf Pergament geschriebene Urkunde in einem gläsernen Cylinder eingelegt, welche kurz und bündig die Veranlassung dazu mit folgenden Worten darstellt:

„Im Jahre 1848–1849 hat die vom deutschen Volke gewählte deutsche Reichsversammlung in Frankfurt a. M. eine deutsche Reichsverfassung auf gesetzlichem Wege berathen und festgestellt, deren Ein- und Durchführung sich jedoch verschiedene deutsche Fürsten gegen den Wunsch und das Wohl des Volkes widersetzten. Die Bevölkerung der bairischen Pfalz und von Baden trat für ihr gutes Recht ein, ihre dafür streitende Volkswehr aber wurde von der Uebermacht der von den Fürsten gegen sie aufgebotenen Heere besiegt und die Hoffnung auf die Schaffung eines einigen, freien deutschen Reichs in damals unabsehbare Ferne hinausgerückt. An diesem Kampfe für sein gutes Recht wurde das pfälzische Volk von vaterlands- und freiheitsbegeisterten Männern und Jünglingen aus der rheinhessischen Nachbarprovinz unterstützt, welche eine Freischaar bildeten, die am vierzehnten Juni 1849 den ersten Kampf gegen eine in die Pfalz einrückende preußische Heeresabtheilung hier in Kirchheimbolanden zu bestehen hatte, wobei die nachstehend Aufgeführten (folgen die Namen) den Heldentod für Freiheit und Vaterland starben und auf diesem Friedhofe ihre letzte Ruhestätte fanden.“

Das Denkmal mag eine Gesammthöhe von vierzehn bis fünfzehn Fuß haben und stellt eine Germania dar, welche die Linke auf den deutschen Reichsschild stützt, in der Rechten den Kranz des Kämpfers emporhält und auf einem Sockel steht, dessen unterster, auf den Platten der Doppelstufen ruhender Würfel fünfundachtzig Centner wiegt; der zweite wiegt achtundvierzig, der dritte sechszig und das ihn krönende Capitälchen zehn Centner. Entwurf nebst Modell ist von Professor Schieß in Wiesbaden, der Guß von A. Kastner in Berlin, Unterbau nebst Sockel vom Bildhauer Schuler in Kirchheimbolanden; Alle haben sich zur Ehre gearbeitet, denn das Denkmal gehört in der That zu den schönsten in Deutschland.

Stadt und Bürgermeister haben das Würdigste zur Enthüllungsfeier beigetragen. Das „Nordpfälzische Wochenblatt“ in Kirchheimbolanden erzählt: Alle Straßen waren mit dem Grün des Waldes verziert, von den Häusern wehten Fahnen in den Farben, welche der Erhebung vor zwanzig Jahren vorangeleuchtet, dem theuren „Schwarz-Roth-Gold“, den Farben, welche das neugestaltete deutsche Vaterland die seinigen nennt, „Schwarz-Weiß-Roth“, sowie in den Farben unseres engeren Vaterlandes Baiern, „Blau-Weiß“. Und so herzerhebend wie dieser Anblick, war der der Menge des Volkes, das von nah und fern herbeiströmte – vor Allem aber das Denkmal selbst! Wohl den Meister will ich loben! Germania in Trauer mit dem Lorbeerkranze für die Gefallenen! Jedes Glied an ihr ein Meisterwerk; die Falten des Mantels, das göttergleiche Haupt – kurz das ganze Denkmal ist über jedes Lob erhaben und wird mit seinem schönen Hintergrunde eine Zierde unseres Friedhofs bleiben für alle kommenden Zeiten.

Wir aber begrüßen die Enthüllung eines solchen Denkmals als ein Zeugniß für die dermalen im Reiche herrschende Macht, daß sie in den einst von ihr als Rebellen Bekämpften nun ihre Vorkämpfer anerkannt, die dasselbe gewollt haben, was jetzt am hellen Tag und vor aller Welt wie vom gesammten Volke auch von der herrschenden Macht auf den Thronen erstrebt wird: des deutschen Reiches Heil!