Der getreue Eckart (Goethe)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Johann Wolfgang von Goethe
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der getreue Eckart
Untertitel:
aus: Goethes Werke - Balladen (Band 3 von 20)
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum: 1813
Erscheinungsdatum: 1815
Verlag: J. G. Cotta
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Stuttgart und Tübingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Goethe’s Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Erster Band. Stuttgart und Tübingen: Cotta. 1827. Scans auf Commons
S. 208–209
Kurzbeschreibung:
auch in: Karl Eibl, Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 2. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 134-136 freiburger-anthologie
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[208]
Der getreue Eckart.


O wären wir weiter, o wär’ ich zu Haus!
Sie kommen. Da kommt schon der nächtliche Graus;
Sie sind’s die unholdigen Schwestern.
Sie streifen heran und sie finden uns hier,

5
Sie trinken das mühsam gehohlte das Bier,

Und lassen nur leer uns die Krüge.
 
So sprechen die Kinder und drücken sich schnell;
Da zeigt sich vor ihnen ein alter Gesell:
Nur stille, Kind! Kinderlein, stille!

10
Die Hulden sie kommen von durstiger Jagd

Und laßt ihr sie trinken wie’s jeder behagt,
Dann sind sie euch hold die Unholden.
 
Gesagt so geschehn! und da naht sich der Graus
Und siehet so grau und so schattenhaft aus,

15
Doch schlürft es und schlampft es auf’s beste.

Das Bier ist verschwunden, die Krüge sind leer;
Nun saus’t es und braus’t es, das wüthige Heer,
In’s weite Gethal und Gebirge.
 
Die Kinderlein ängstlich gen Hause so schnell,

20
Gesellt sich zu ihnen der fromme Gesell:

Ihr Püppchen, nur seyd mir nicht traurig. –
Wir kriegen nun Schelten und Streich’ bis auf’s Blut.
Nein keineswegs, alles geht herrlich und gut,
Nur schweiget und horchet wie Mäuslein.
 

25
[209]
Und der es euch anräth und der es befiehlt,

Er ist es, der gern mit den Kindelein spielt,
Der alte Getreue, der Eckart.
Vom Wundermann hat man euch immer erzählt,
Nur hat die Bestätigung jedem gefehlt,

30
Die habt ihr nun köstlich in Händen.

 
Sie kommen nach Hause, sie setzen den Krug
Ein jedes den Aeltern bescheiden genug
Und harren der Schläg’ und der Schelten.
Doch siehe man kostet: ein herrliches Bier!

35
Man trinkt in die Runde schon dreymal und vier

Und noch nimmt der Krug nicht ein Ende.
 
Das Wunder es dauert zum morgenden Tag.
Doch fraget wer immer zu fragen vermag:
Wie ist’s mit den Krügen ergangen?

40
Die Mäuslein sie lächeln, im Stillen ergetzt;

Sie stammeln und stottern und schwatzen zuletzt
Und gleich sind vertrocknet die Krüge.
 
Und wenn euch, ihr Kinder, mit treuem Gesicht
Ein Vater, ein Lehrer, ein Alderman spricht,

45
So horchet und folget ihm pünctlich!

Und liegt auch das Zünglein in peinlicher Hut,
Verplaudern ist schädlich, verschweigen ist gut;
Dann füllt sich das Bier in den Krügen.