Der glückliche Dichter

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Autor: Christian Fürchtegott Gellert
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Titel: Der glückliche Dichter
Untertitel:
aus: Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen, Zweytes Buch. S. 151–152
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1769
Verlag: M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck 1746/48
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[151]
Der glückliche Dichter.


Ein Dichter, der bey Hofe war;
Bey Hofe? Was? bey Hofe gar?
Wie kam er denn zu dieser Ehre?
Ich wüßte nicht, was ein Poet,

5
Ein Mensch, der nichts vom Recht und Staat versteht,

Was der bey Hofe nöthig wäre?
Was ein Poet bey Hofe nöthig ist?
Ja, Freund, du hast wohl Recht zu fragen.
Mich ärgerts, daß August zween Dichter gern vertragen,

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Die man doch itzt kaum in den Schulen liest.

Was ists denn nun mit zehn Racinen
Und Molieren? Nichts! Gar nichts, der eine macht,
Daß man bey Hofe weint, der andre, daß man lacht.
Das heißt dem Staate trefflich dienen,

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Dadurch wird ja kein Groschen eingebracht.


     Doch auf die Sache selbst zu kommen.
Ein Dichter, den der Hof in seine Gunst genommen,
Schlief einst bei Tag im Louvre ein. – – –
Wie so? War er berauscht? Das kann wohl möglich seyn:

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Man hat in Frankreich guten Wein,

Und Dichter sollen insgemein
Von Wahrheit, Liebe, Witz und Wein
Sehr gute Freund und Kenner seyn.
Ich mag die Welt nicht Lügen strafen,

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Drum sag ich weder Ja, noch Nein.


[152]
     Gnug der Poet war eingeschlafen,

Und war nicht schön, das man wohl merken muß;
Doch gab die Königin, den Schlaf ihm zu versüssen,
Ihm im Vorbeygehn einen Kuß.

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Was, rief ein Prinz, den blassen Mund zu küssen?

Blaß, sprach die Königinn, blaß ist er, das ist wahr;
Doch sagt der Mann mit seinem blassen Munde
Mehr schönes oft in einer Stunde,
Als Sie, mein Prinz, durchs ganze Jahr.