Der sterbende Geizhals

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Textdaten
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Autor: Rudolf Friedrich Heinrich Magenau
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Titel: Der sterbende Geizhals
Untertitel:
aus: Taschenbuch von der Donau. Auf das Jahr 1824, S. 253–255
Herausgeber: Ludwig Neuffer
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1823
Verlag: Stettinische Buchhandlung
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Erscheinungsort: Ulm
Übersetzer:
Originaltitel:
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Quelle: Exemplar der HAAB Weimar auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[253]

Der sterbende Geizhals.

Du liebes, rundes, glänzendes Metall!
Du Zauberborn der Wollust und der Freude!
Du Morgenstern im großen Weltenall!
Du höchster Trost bey dieses Lebens Leide!

5
Ach, ohne dich zu wandern aus der Welt, –

Noch einmal, daß mein Aug’ an dir sich waide,
Eh’ mir, – es mahnt, – der Vorhang niederfällt,
Ergötze mich, daß ich mit Wollust scheide!

Ha! welch ein Schmerz, daß man sich durch kein Gold,

10
– Ein kalter Schau’r durchzittert mir die Seele, –

Vom bittern Tod, dem alten Sündensold,
Loskaufen kann, und von der dunkeln Höhle;
So manches schöne, schlauerworb’ne Pfand,
So manche köstlich funkelnde Juwele,

15
Auf dich ich lieh, zu seh’n in fremder Hand,

Erstickt mir oft den Odem in der Kehle.

[254]

Und, ach! es schmückt vielleicht mit keinem Stein
Der Erbe mir das Grab, worin ich schlafe,
Fort stürzen sie aus dem erbroch’nen Schrein

20
Die Thälerchen, wie die verscheuchten Schaafe;

Komm, schallt es dann, du liebes Gold heraus,
Aus deiner Haft, du freygeword’ner Sklave!
Und Alt und Jung juchheit beym Leichenschmaus,
Für sie war längst mein armes Daseyn Strafe!

25
Auch schreckte jüngst mich gar ein böser Traum:

Ich stand, ein Pilger, vor des Himmels Pforte,
Arm, elend, nackt, vergleichbar einem Baum,
Der von des Sommers schwülem Hauch verdorrte,
Und über mir in Flammen, ernst und hehr,

30
Las zitternd ich die fürchterlichen Worte:

„Eh drängt sich ein Kameel durchs Nadelöhr,
Als daß ein Reicher geht durch diese Pforte“

Und hinter mir, wie in ein hohles Grab
Hinunter rollen rauher Schollen Klöse,

35
Hört’ ich dich rollen in die Kluft hinab,

Geliebtes Gold! mit gellendem Getöse,
Und viel der Armen, die in meinen Schrein
Ihr Pfand gelegt, das letzte ihrer Blöße,
Lustwandelten zur off’nen Pfort hinein,

40
Ich stand verbannt, in meines Jammers Größe!!!


[255]

Hab’ ich euch wohl so treu und gut gepflegt,
Ihr holden Lämmchen? und in sanftem Bette
Wie Kinder euch auf weißen Flaum gelegt,
Und euch beschützt durch Riegel, Schloß und Kette,

45
Damit, wenn einst des Todes Stund’ erscheint,

Verbannt vom Himmel und der Welt Gespötte,
Ich jenseits, disseits, Falsche! keinen Freund,
Ja an euch selbst der Feinde schlimmsten hätte??

Es war ein Wahn, ein Traum, was ich geseh’n,

50
Was mich erschreckt, Einbildung und Chimäre;

Es kann nicht seyn! Hab’ ich nicht erst so schön
In Gotteshaus bekleidet die Altäre?
Und – eh ich sterbe, will ich Hospital
Und Waisenhaus – zu meines Gottes Ehre –

55
Mir wird so bang! – den Priester!! – Welche Qual!

O das Kameel! – Ach! wenn es Wahrheit wäre!

 Rud. Magenau.