Meine Spinne

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Textdaten
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Autor: Johann Christoph Friedrich Haug
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Titel: Meine Spinne
Untertitel:
aus: Taschenbuch von der Donau. Auf das Jahr 1824, S. 251–252
Herausgeber: Ludwig Neuffer
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1823
Verlag: Stettinische Buchhandlung
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Erscheinungsort: Ulm
Übersetzer:
Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Exemplar der HAAB Weimar auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[251]

Meine Spinne.

Immer grollt der Spinnen Brut! –
Einer bin ich dennoch gut
Die im Winkel nistet –
Nicht, weil sie zu schlauem Fang

5
Und der Fliegen Untergang

Zarte Netze rüstet.

Nein! – Warum gefällt sie mir?
Wenn ich öfter am Klavier
Einsam phantasire,

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Kreucht sie vom Versteck heraus,

Als ob dieser Ohrenschmaus
Sie besonders rühre.

Fahr’ ich fort, durch lautes Spiel
Sie bey solchem Zartgefühl

15
Gleichsam einzuladen,

Wiegt sie in den Lüften sich
Mählig näher gegen mich:
Denn sie hält ihr Faden.

[252]

Endlich läßt sie mit Vertrau’n

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Sich auf Notenbüchern schau’n,

Lauscht den süßen Tönen,
Füßelt wohl den Tact dazu,
Und scheint zu dem Rendez-vous
Bald sich zu gewöhnen.

25
Lustig sing’ ich zum Klavier;

(Denn ein Orpheus bin ich ihr:
Täglich werd’ ich’s inne.)
Nimmer widerst du dem Blick
Seit der Liebe zur Musik,

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Meine holde Spinne!


Darum hab’ aus Dankbarkeit
Ich dieß Liedchen dir geweiht,
Und die Magd gebeten,
Meine stille Hörerinn,

35
Freundinn und Verehrerinn

Ja nicht mir zu tödten.

 Haug.