Der weibliche Robinson

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Titel: Der weibliche Robinson
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 66
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[66] Der weibliche Robinson. Die kalifornische Zeitung „Placer Times“ erzählt von einer Indianerin, die 18 Jahre lang auf einer Insel allein lebte. Im Jahre 1824 wurden fast alle Einwohner der Insel St. Nicolas, unweit der Insel Santa Barbara im stillen Meere, von russischen Matrosen ermordet. Nach etwa 10 Jahren wurden die wenigen Ueberlebenden auf ihren Wunsch von einem Schiffe auf eine andere Insel gebracht. Als sie alle an Bord waren, vermißte eine Indianerin ihr Kind und lief zurück, während das Schiff, von einem Sturmwindstoße gepackt, in’s Meer getrieben ward. Nach drei Monaten suchte dasselbe Schiff vergebens nach der Zurückgebliebenen und sie ward und blieb vergessen, bis ein amerikanisches Schiff auf der Otterjagd zufällig diese Insel berührte, menschliche Fußstapfen und endlich die Indianerin entdeckte. Sie nähte gerade Häute von Vögeln zu Kleidern zusammen mit Nadeln von Fischknochen und Zwirn von Wallfischflechsen. Ihr Kind hatte sie schon im ersten Jahre durch den Tod verloren und von da an 18 Jahre lang allein auf der Insel zugebracht. Genial waren ihre Angelhaken aus alten Nägeln gemacht, die sie in einem Brette gefunden hatte. Sie willigte gern ein, wieder unter Menschen zu kommen. Sie hatte während der ganzen 18 Jahre nicht nur keine menschliche Seele, sondern auch kein Feuer, dieses Sinnbild der Civilisation, gesehen.