Der wirkliche Leibrock

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Titel: Der wirkliche Leibrock
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aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 154
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[154] Der wirkliche Leibrock, den alle Welt ohne Unterschied des Standes und Geschlechts trägt, nämlich die Haut, ist bekanntlich nicht nur das wichtigste menschliche Kleidungsstück, sondern auch die eigentliche Apotheke gegen die meisten Krankheiten und zwar hauptsächlich solcher, welche Schmerzen verursachen, daß man aus der Haut fahren möchte. Um in kürzester Weise zu einer Würdigung des Perspirationssystems oder der Haut zu kommen, theilen wir des englischen Arztes Erasmus Wilson Haut-Studien in ihren Haupt-Resultaten mit.

Ich zählte die Poren der flachen Hand und fand in dem Raume eines Quadratzolls 3528. Nun ist aber jede dieser Poren gleichsam die Oeffnung einer Wasserleitung von etwa 1/4 Zoll Länge (durch die verschiedenen Hautschichten hindurch). Alle diese Wasserröhren zusammen bilden also schon innerhalb eines Quadratzolls Haut eine Länge von 882 Zoll oder 731/2 Fuß. Wie viel Ableitungskanäle also durch den ganzen Körper? Wie nun, wenn das ganze Wasserleitungssystem verstopft wird? In der Frage liegt die Antwort auf alle Fragen des Waschens und Badens, der Erkältungen, Schnupfen, Gicht- und Zahnschmerzen. – In den Fingerspitzen sind die Poren am dichtesten, an den Hacken am dünnsten (2268 im Quadratzoll mit 47 Fuß Röhre). Um sich ein Gesammtbild von den Schweiß- und Ausdünstungsröhren, den Poren, über den ganzen Körper zu machen, denke ich im Durchschnitt 2800 Poren in jedem Quadratzoll Haut annehmen zu können, die zusammen eine Röhrenlänge von 700 Zoll ausmachen. Nun hat aber ein Mann von mittlerer Stärke und Größe 2500 Quadratzoll Hautoberfläche, also im Ganzen 7 Millionen Poren mit einem Röhrensystem von 4,750,000 Zoll oder 145,833 Fuß oder 48,600 Yards oder beinahe 28 englischen d. h. mehr als fünf deutschen Meilen Länge. Und was muß fortwährend durch dieses Kanalsystem hindurch, wenn wir gesund bleiben wollen? Man sagt: Ausdünstung, Schweiß. Woraus besteht diese Masse? Aus thierischen Stoffen, Gasen, Säuren, Alkalien, Kalkerde (deren Behausung im Körper Gicht ist), Metallen, Salzen, Schwefel u. s. w. Werden diese Gäste nicht gehörig ausgetrieben, so bleiben sie und gehen in’s Blut, aus welchem sie zwar bei guter Gesundheit durch die Lunge, die Leber und Nieren (Harn) größtentheils wieder fortgeschafft werden, aber doch nicht vollständig, so daß endlich aus der guten Gesundheit eine schlechte wird. Es bleibt also für die Erhaltung einer guten Gesundheit nichts übrig, als eine gute Drainirung durch die Hautkanäle durch Waschen, Baden, Bewegung, Wärme (natürliche Wärme – 100 Grad Fahrenheit, die durch Fleischnahrung erhöht und vegetabilische Kost erniedrigt werden kann), Reinlichkeit und Sorge für eine möglichst gleichmäßige Haut – und moralische Temperatur.“ Vielleicht nimmt ein Mann von Fach dieser Blätter das Thema einmal gründlich mit Haut und Haaren auf, denn auch letztere spielen, so klein sie sind, eine große Rolle in der National-Oeconomie der Gesundheit, damit’s den Lesern der Gartenlaube gründlich wohl werde in ihrer Haut und sie Alles, was sie daran behindert, aus der Haut fahren lassen mit oder ohne Gewalt und Extrapost.