Des Fischers Haus

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Gustav Schwab
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Des Fischers Haus
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 43–45
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[43]
Des Fischers Haus.[1]

Sein buntes Haus hat der Fischer gebaut,
Es steht dicht an den Wellen;
In der blauen Fluth es sich beschaut,
Als spräch es: wer kann mich fällen?

5
Die Mauern, die sind so dicht;

Voll Korn und Wein sind die Räume;
Es zittert das Sonnenlicht
Herunter durch Blüthenbäume.

Und Reben winken herein

10
Von grünen, schirmenden Hügeln,

Die lassen den Nord nicht ein,
Die umhaucht nur der West mit den Flügeln.

Und am Ufer der Fischer steht,
Es spielt sein Netz in den Wellen;

15
Umsonst ihr euch wendet und dreht,

Ihr Karpfen, ihr zarten Forellen!

Sein frevelnder Arm euch zieht
Im engen Garn an’s Gestade;
Kein armes Fischlein entflieht,

20
Das kleinste nicht findet Gnade.


Auch hebet kein Wasserweib,
Euch zu retten, ihr Stillen, ihr Guten,
Aus den Tiefen empor den Leib,
Und lockt ihn hinab in die Fluthen.

25
„Ich bin der Herrscher im See,

Ein König im Reiche der Wogen!“

[44]

So spricht er und schnellt in die Höh’
Den schweren Angel im Bogen.

Und euer Leben ist aus;

30
Der Fischer, mit frohem Behagen,

Er tritt in das stattliche Haus,
An den harten Stein euch zu schlagen.

Er legt sich auf weichen Pfühl,
Von Gold und Beute zu träumen;

35
O Nacht, so sicher und kühl,

Wo Hamen und Angel säumen!

Da regt sich das Leben im Grund,
Da wimmelt’s von Karpf’ und Forelle,
Da nagt’s mit geschäftigem Mund

40
Und schlüpft unter’s Ufer im Quelle.


Und frühe beim Morgenroth
Der Fischer kommt mit den Flechten;
Am Tage drohet der Tod,
Die Rache schafft in den Nächten.

45
Von Jahr zu Jahr sie nicht ruht,

Die Alten zeigen’s den Jungen,
Bis daß die schweigende Fluth
Ist unter das Haus gedrungen;

Bis daß in sinkender Nacht,

50
Wo der Fischer träumt auf dem Pfühle,

Das Haus, das gewaltige, kracht,
Versinkt in der Wogen Gewühle.

Aus gießet sich Korn und Wein,
Es öffnet der See den Rachen;

55
Er schlingt den Mörder hinein,

Er hat nicht Zeit zum Erwachen.

Die Gärten, die Bäume zugleich,
Sie schwinden, sie setzen sich nieder;
Es spielen im freien Reich

60
Die Fische, die fröhlichen, wieder.
Gustav Schwab.

  1. [45] Im Jahr 1692 versank zu Gottlieben bei einem starken Winde und einer Erderschütterung, innerhalb drei Stunden, das Ufer mit vier Häuser in den Untersee. Man glaubte, daß es von Karpfen und Forellen unterfressen worden sey.