Insel Mainau

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Textdaten
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Autor: Alois Wilhelm Schreiber
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Titel: Insel Mainau
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 45–47
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf commons und Google
Kurzbeschreibung:
Siehe auch Joseph von Lassberg an Johann Caspar Zellweger
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[45]
Insel Mainau.

Auf dem lieblichen Eiland Mainau im Bodensee stand die schöne züchtige Jungfrau von Bodmann am Ufer, ihres Geliebten, des wackern Junkers von Langenstein harrend, der sie hier jeden Abend zu besuchen pflegte. Das Fräulein hatte die mit allen Reizen der Natur geschmückte Insel zum Erbtheil erhalten und träumte sich dieselbe zum Voraus als den Sitz stiller häuslicher Freuden. Diesmal kam der junge Ritter später als gewöhnlich, auch strahlte sein Antlitz nicht freundlich, wie sonst, sondern war umschattet von düsteren Gedanken. Besorgt forschte das liebende Mädchen nach der Ursache und erfuhr, der alte Herr von Langenstein sey plötzlich von der Gicht heimgesucht worden und daher unvermögend, den Zug nach dem gelobten Lande mit zu machen, weßhalb nun er als guter Sohn verpflichtet sey, das Gelübde des Vaters zu lösen.

Die Jungfrau war Anfangs tief niedergeschlagen, faßte sich aber bald und sagte: „Der Himmel hat uns eine Prüfung zugedacht und wir dürfen uns ihr nicht entziehen. Lieb und Vertrauen sey unser Wahlspruch!“ – Der junge Ritter wußte sich nicht so leicht zu fassen als seine Verlobte, nur mit schwerem Herzen riß er sich von ihr los und trat seinen Zug an. Glücklich gelangte der Heereshaufe, zu dem er gehörte, nach Palästina. Hier that er Wunder von Tapferkeit, ward aber in einem Scharmützel von den Türken gefangen und in einen finstern Kerker geworfen, wo er viele Monde lang, fast ohne Hoffnung, auf andere Weise als durch den Tod erlöst zu werden, schmachten mußte. Wie oft flogen seine Gedanken auf den Flügeln der Sehnsucht aus dem Dunkel seines Verließes nach der blühenden Mainau hin! Dann füllten heiße Thränen sein Auge [46] und er that mancherlei Gelübde, falls er glücklich heimkehren sollte, doch schien der Himmel taub gegen all seinen Jammer.

In einer stürmischen Nacht träumt, es ihm einstmals, ein lichter Engel schwebe zu seinem Lager nieder und rede mit freundlichem Lächeln: „Gelobe, dich dem Dienste der Kirche zu weihen und du sollst bald deine Heimath wiedersehen.“ – Er gelobte dies mit feierlichen Schwüren, erwachte darüber und sah mit Staunen die Pforten seines Kerker vor ihm offen stehn. Nichts hinderte seine rasche Flucht, unangefochten erreichte er die Küste, wo eben ein venezianisches Kauffahrteischiff die Segel zur Rückkehr spannte und ihn aufnahm. Je näher ihm der Heimath Berge winkten, desto härteren Kampf bestund er in seinem Innern. Er gedachte der sehnsüchtig harrenden Geliebten, der endlich gewährten Wonne des Wiedersehens – aber eine dumpfe Stimme rief ihn plötzlich aus seinen Träumen wach: „Gedenke deines Gelübdes, der Kirche dich zu weihen!“

Noch vor dem Ende der Reise hatte der Himmel über das Irdische in seiner Brust gesiegt. Sein Vorsatz ward unerschütterlich.

Jetzt taucht das liebliche Eiland vor seinen Blicken empor; schon sieht er von fern am Gestade eine weibliche Gestalt wandeln – wer könnt’ es anders seyn, als seine treue Verlobte? Kalte Schauer durchrieseln seine Glieder, doch ermannt er sich und befiehlt dem Schiffer, den Nachen einer andern Uferstelle zuzulenken. Kaum gelandet, eilt er zu dem Landcomthur des deutschen Ordens, der in der Nähe seinen Sitz hatte und bittet um Aufnahme, die auch unverzüglich ihm gewährt wird. Dann sendet[WS 1] er einen Boten nach der Mainau mit einem Briefe, worin er Alles erzählt was ihn zu diesem Schritte bewegt und von der Verlobten Abschied nimmt für diese Welt.

Stumm in das Geschick sich ergebend, nahm die Jungfrau diese Botschaft auf. Ihr Entschluß war bald gefaßt. Sie trug ihre für sie nun verödete Mainau dem deutschen Orden als Geschenk an, und zwar unter der Bedingung, daß Herr von Langenstein der Nachfolger des greisen Comthurs in seiner Würde seyn sollte. Der Großmeister willigte dankbar ein und nun entließ die junge Freyin all’ ihre Dienerschaft, nachdem sie unter dieselbe vertheilt hatte, was sie nur an Gold und [47] Kleinodien besaß. In die Einsamkeit eines Klosters sich bergend, vertauschte sie bald alle Gedanken an das Ufer ihrer Liebesträume mit der Wiege der Hoffnung, bald in der ewigen Heimath zu landen.[1]

A. Sch.

  1. Siehe die folgende poetische Fassung dieser Sage von Gust. Schwab.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: endet