Deutsche Bilder/Nr. 3. Otto von Wittelsbach und die päpstlichen Legaten zu Besançon

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Autor: Max Ring
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Titel: Deutsche Bilder/Nr. 3. Otto von Wittelsbach und die päpstlichen Legaten zu Besançon
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aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 420-423
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Deutsche Bilder.
Nr. 3.
Otto von Wittelsbach und die päpstlichen Legaten zu Besançon.

Als Karl der Große, vom Papste gegen die Longobarden zu Hülfe gerufen, zuerst das römische Patriciat, dann die abendländische Kaiserwürde annahm, welche der griechische Hof nicht länger zu behaupten vermochte, gab Papst Leo III. seine Zustimmung und setzte ihm „aus göttlichem Rechte“ die Krone auf. Aber schon unter Karls Nachfolgern führten die römischen Päpste eine höhere Sprache, und Karl’s Sohn, Kaiser Ludwig der Fromme, war der Erste, den die gallischen Bischöfe zur Kirchenbuße verurtheilten. – In dem hochfliegenden Geiste des gewaltthätigen Hildebrand (als Papst Gregor VII.) reifte der Gedanke, die Kirche oder vielmehr

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Die Gartenlaube (1860) b 421.jpg

Päpstliche Abgeordnete. Kanzler Rainald. Otto von Wittelsbach und die päpstlichen Legaten. Otto von Wittelsbach. Heinrich der Löwe. Herzog Welf von Braunschweig.
 Cardinal Roland.   Originalzeichnung von H. Plüddemann.  
Friedrich der Erste.

[422] das Papstthum von der Abhängigkeit der Kaiser frei zu machen und zur ersten Macht der Erde zu erheben, zur bedeutungsvollen That; Kaiser Heinrich IV. mußte barfuß, im wollenen Bußgewand, drei Tage bei strenger Januarkälte (1077) nüchtern vom Morgen bis Abend innerhalb der zweiten Ringmauer der Burg Canossa stehen, bis sich der Papst bequemte, den Bann zu lösen, den er über ihn ausgesprochen; und der Papst erreichte sein Ziel; er stand jetzt neben dem Kaiser; fortan galt es, die letzte Stufe zu ersteigen und sich kühn und herrschend über ihn zu stellen.

Inmitten des Kampfes jener zwei die Welt bewegenden Mächte, des Kaiserthums und des Papstthums, treffen wir jedoch von Zeit zu Zeit auf Männer, die sich mit kühnem Muthe dem päpstlichen Herrschergelüst entgegenwerfen und für die Oberhoheit und Herrlichkeit des deutschen Reichs mit kräftigem Wort, mit tapferer That zu wirken suchen. Es sei uns vergönnt, aus dem unerquicklichen Jammer der deutschen Gegenwart, wo nur die Feder der Diplomaten leichte und ruhmlose Siege erkämpft, den Lesern der Gartenlaube ein solches Bild deutschen Männermuthes vor Augen zu führen, das durch den Pinsel eines geistvollen Künstlers (Herrn Plüddemann in Dresden, dessen großes Oelbild auf den deutschen Ausstellungen verdientes Aufsehen erregte) vielleicht Manchem, wenn auch nur im Allgemeinen, bekannt sein dürfte.

Friedrich I., der Hohenstaufe, war nach König Conrad’s Tode von den zu Frankfurt versammelten deutschen Fürsten am 4. März 1152 einstimmig auf den deutschen Königsthron berufen worden. Seine Thaten sind bekannt. Seine äußere Erscheinung erinnert an die alten Deutschen, welche vor zwölfhuudert Jahren die Verwunderung und den Schrecken der Römer erregt hatten. Er war nicht eben von hohem, aber von schlankem Wuchse; die Brust hoch gewölbt, der Bau des ganzen Körpers straff und stark, so daß er so leicht als kräftig einherschritt und die größten Anstrengungen leicht zu ertragen vermochte; das Gesicht fein und frisch, die Augen blau, das Haar an Haupt und Kinn roth und kraus: deswegen hat man ihn den Rothbart beigenannt. In diesem Körper aber wohnte ein gewaltiger Geist. Was die Natur für einen Menschen zu thun vermag, das hatte sie für ihn gethan. Er hatte die Fähigkeit, Alles zu erreichen, was menschlichen Kräften zugänglich ist: einen tüchtigen Verstand, ein rasches Urtheil, einen scharfen Blick und ein so ausgezeichnetes Gedächtniß, daß er einen Jeden, der ihm einmal bekannt geworden war, nach sehr langer Abwesenheit sogleich wieder bei seinem Namen zu begrüßen vermochte. Und wenn er diese geistigen Kräfte allzumal am meisten auch nur in kriegerischen Dingen und für kriegerische Dinge ausgebildet hatte, und wenn er sich auch in anderen wissenschaftlichen Kenntnissen versäumt haben mochte, so wußte er doch Mancherlei und suchte selbst als Kaiser so weit als möglich gut zu machen, was gut zu machen war. Vor Allem liebte er, in diesem Stücke Karl dem Großen gleich, die Geschichten früherer Tage zu lesen oder sich lesen zu lassen, wohlerkennend, daß ein Mensch, er mag ein Fürst sein oder ein Gemeiner, welchem die Vergangenheit verschlossen ist, nothwendig ein Fremdling in der Gegenwart bleibt. Auch verstand er mit vieler Anmuth in der vaterländischen Sprache zu reden, und durch diese Anmuth im Besondern gelang es ihm leicht, die Herzen zu gewinnen, an deren Gewinnung ihm gelegen war.

Hatte dieser tüchtige, ausgezeichnete Mann auch seine Schattenseiten, war er nicht immer Herr seiner Leidenschaften, und bewies er in der Befolgung derselben eine Beharrlichkeit, eine Stärke des Willens, die Schauder und Angst erregt, war er namentlich furchtbar in seinem Hasse, der keine Verzeihung, keine Milde kannte: so war er doch bei alledem ein guter Deutscher, dem die Macht und das Ansehen seines Vaterlandes sehr warm am Herzen lag.

Ein Mann mit solchen Gesinnungen und Gefühlen konnte natürlich die Uebergriffe des Papstthums, sobald sie seine Herrscherrechte berührten, nicht ungestraft geschehen lassen. Zunächst galt es jedoch, sich die Gunst des Papstes zu erhalten, denn Friedrich’s Hauptstreben ging dahin, aus des Papstes Hand die Kaiserkrone, das Zeichen der höchsten Würde dieser Welt, zu empfangen. Aber erst im Juni 1155 konnte er vor Rom erscheinen, woselbst jetzt Hadrian IV., ein Mann, der in vielen Stücken das Andenken an Gregor VII. aufruft, den päpstlichen Stuhl bestiegen hatte.

Wir übergehen es, die vielfach erzählte Steigbügelscene im Lager von Sutri nochmals vorzuführen. Zu stolz, das Geschäft des Reitknechts zu besorgen, versäumte der Kaiser beim Erscheinen des Papstes, die Bügel demüthig zu halten, und erklärte, als ihm vom heiligen Vater der Friedenkuß verweigert und er auf die von allen seinen Vorgängern den Aposteln Petrus und Paulus bewiesene Ehrfurcht aufmerksam gemacht wurde, mit stolzen Worten, ein König der Deutschen sei zu solchen Dingen nicht verpflichtet. Schon wollten Papst und König in voller Aufregung das Lager wieder verlassen, als es den Bemühungen der deutschen und italienischen Fürsten noch gelang, den König zu bewegen, der Form nach den Ansprüchen des stolzen Hirten von Rom zu genügen, worauf die Versöhnung stattfand und Friedrich in Rom zum Kaiser gekrönt ward.

Der alte Groll aber blieb im Herzen des Kaisers sitzen, und weniger nachgiebig, als bei dieser Gelegenheit, zeigte er sich zwei Jahre später gegen die Abgeordneten, die Papst Hadrian zu ihm nach Besançon gesandt, wo er eben die Huldigung der burgundischen Großen empfing.

Der Erzbischof Eskyl oder Eskild von Lund war auf der Rückreise von Rom nach Schweden in Burgund von einigen Edeln überfallen, ausgeplündert und in irgend einer Burg gefangen gehalten, damit er seine Freiheit durch ein großes Lösegeld erkaufe. Ueber diesen Frevel war, wie von Andern, so von dem Papste selbst, bei dem Kaiser Beschwerde geführt worden. Friedrich aber hatte nichts gethan, um dem Priester die Freiheit wieder zu verschaffen, und noch weniger, um die Verbrecher zu bestrafen; vielmehr hatte er sich um die Sache gar nicht bekümmert und sich mit der Versicherung begnügt, daß er nichts von derselben wisse. Ob diese Versicherung des Kaisers in der Wahrheit begründet gewesen, ob er Bedenken getragen habe, gegen Vasallen in den neuerworbenen Ländern aufzutreten wegen Vorgängen, an welche sie gewöhnt sein mochten, oder ob er aus Verdrießlichkeit und um die Geistlichen zu kränken, auf diese Weise gehandelt habe, muß unausgemacht bleiben. Der heilige Vater hielt aber jedenfalls sein Wort für heuchlerisch und glaubte wohl mit desto größerer Zuversicht, bei dieser Gelegenheit gegen den Kaiser auftreten zu dürfen, je fester er voraussetzte, daß er alle Geistliche, und gewiß auch viele weltliche Herren, auf seiner Seite haben mußte. Also ordnete er die beiden ersten Männer der römischen Kirche als Gesandte an den Kaiser ab, den Cardinal Roland, Kanzler der römischen Kirche, Cardinal Bernard, der sich nicht weniger als jener durch seinen Reichthum auszeichnete, durch seine Jahre und seine Gelehrsamkeit; und diesen Gesandten übergab er ein Schreiben an den Kaiser, das sie demselben darbringen und dessen Inhalt sie durch ihre Beredsamkeit und durch ihr persönliches Ansehen unterstützen sollten.

Umgeben von getreuen Fürsten des Reichs und den burgundischen Großen, empfing der Kaiser die päpstlichen Gesandten vor dem versammelten Reichstage in der Hauptkirche zu Besançon. „Euch grüßen,“ so nahm der Cardinal Roland das Wort, „unser heiliger Vater und die Gesammtheit der Cardinäle der römischen Kirche; jener wie ein Vater, diese wie Brüder.“ Wohl erregte diese auffallende Anrede den Unwillen des Kaisers, doch kämpfte er denselben nieder und nahm das päpstliche Schreiben aus der Hand der Cardinäle, das, nachdem es lateinisch vorgelesen worden, auf des Kaisers Aufforderung sofort durch seinen Kanzler Rainald (nachmaligen Erzbischof von Cöln) also verdeutscht wurde: „Schon einmal schrieb ich Deiner kaiserlichen Majestät über jene schreckliche, verruchte, in Deutschland bisher unerhörte Frevelthat gegen den Erzbischof von Lund, und ich muß sie Dir nochmals in’s Gedächtniß zurückrufen, weil Du das Schwert, welches Dir durch Gottes Gnade zum Schutz der Guten und zur Bestrafung der Bösen anvertraut worden ist, keineswegs gehörig gebraucht, ja den Frevlern nicht einmal Veranlassung gegeben hast, ihre Unthat auch nur im Geringsten zu bereuen. Ganz unbekannt und unbegreiflich ist mir der Grund dieses Verzuges, dieser Nachlässigkeit; denn mein Gewissen zeihet mich keines Fehls, womit ich Deiner Ehre zu nahe getreten wäre, vielmehr liebte ich Dich stets als meinen theuersten Sohn und als den christlichsten, zum Schutze des apostolischen Stuhles berufenen Fürsten. Du solltest Dich erinnern, ruhmwürdiger Sohn, wie gnädig und freudig Deine Mutter, die hochheilige römische Kirche, Dich aufgenommen, mit welcher Herzlichkeit sie Dich behandelt, welche Fülle von Würde und Ehre sie Dir ertheilet, und wie gern sie, die kaiserliche Krone Dir übertragend, den Gipfel Deiner Erhabenheit in ihrem segensreichen Schooße zu verherrlichen sich bemüht hat, ja wie sehr wir uns freuen würden, wenn Deine Vortrefflichkeit noch größere Beneficia aus unserer Hand empfangen könnte.“

[423] Bei diesen frechen Worten brauste ein Sturm des Unwillens durch die weiten Hallen der Kirche; mit Zornesblicken faßte manche Faust nach dem Griff des Schwertes, und nur der gebietende Blick des Kaisers vermochte die tobenden Gemüther zu besänftigen. Rainald las zu Ende:

„Jetzt aber, da Du jene Unthat, die zur Schmach der Kirche und des ganzen Reichs begangen ist, vernachlässigst und verdeckst, so ahne und besorge ich, daß Dein Gemüth durch Einflüsterung verwerflicher Menschen (die nur üblen Samen säen) hierzu verführt und gegen Deine gütige Mutter, die heilige römische Kirche, und gegen mich selbst mit Argwohn und Zorn erfüllt sei. Um dieser und anderer Gründe willen habe ich zwei der besten und liebsten meiner Brüder, welche durch Religion, Klugheit und Ehrbarkeit gleich ausgezeichnet sind, an Dich abgesandt und bitte Dich dringend, daß Du sie milde und ehrenvoll empfangest und Alles, was sie Dir zu Ehren Gottes und der Kirche, sowie zur Erhöhung des Reiches in meinem Namen vortragen, ohne Bedenken anhören und berücksichtigen mögest.“

Kaum hatte Rainald seine Verdeutschung beendigt, als der verhaltene Grimm mit aller Macht hervorbrach. Die Kaiserkrone war von dem Papst ein Beneficium genannt worden. Und dieses Wort schien in seiner allgemeinen Bedeutung: Wohlthat, Vergünstigung, sehr anstößig, weil die Anhänger der deutschen Könige die Krönung derselben zu römischen Kaisern gern zu einer Pflicht des Papstes gemacht hätten, obgleich dieselbe häufig genug bald versagt, bald verzögert worden war. Aber das Wort war auch seit der Entstehung des Lehnswesens im Besondern von jedem Lehen gebraucht worden und im Gebrauch geblieben bis diesen Tag. Wenn daher der Papst die Kaiserkrone ein Lehen nannte, welches durch seine Hand ertheilt werde, und wenn die Könige das Kaiserthum erst durch die Ertheilung der Kaiserkrone empfingen, so war auch unleugbar nach der Behauptung des Papstes das Kaiserthum selbst ein Lehen des apostolischen Stuhles, und der Kaiser war ein Vasall des römischen Papstes.

„Wohl erinnern wir deutschen Fürsten uns,“ donnerte Heinrich der Löwe in dem wilden Tumult, „daß man in Rom die verwegene Behauptung gewagt, die deutschen Könige hätten das römische Kaiserthum und das italische Reich als eine Schenkung der römischen Bischöfe besessen. Deutsches Eisen und deutsches Blut hat euer Reich erobert. Unser Kaiser ist der rechtmäßige Besitzer von Rom. Wer dem Hercules die Keule zu entwinden vermag, der thue es.“

„Nur Zwietracht und Streit ist uns von Rom gekommen,“ zürnte Herzog Welf von Braunschweig. „Hat nicht schon bei des Kaisers Anwesenheit in Italien Papst Hadrian jenes Gemälde vertilgen lassen wollen, worauf König Lothar den Papst Innocenz II. um die Krone bittet und dessen Umschrift lantet:

Der König harrte vor dem Thor,
Bis er das Recht der Stadt beschwor;
Des Papstes Lehnsmann ward er drauf,
Der setzt dafür die Kron’ ihm auf.

Es existirt jetzt noch. Wehe dem, durch welchen Aergerniß kommt! Wer das kaiserliche Ansehen beeinträchtigt, bricht auch den Frieden der Kirche, weil diese vor Allem durch die von Gott gegründete Macht des Kaisers beschützt wird.“

Dann erhob sich Rainald, der deutsche Kanzler: „Wer da behauptet,“ rief er, „der Kaiser habe die Krone vom Papst als ein Lehen empfangen, widerspricht den göttlichen Vorschriften wie denen des heiligen Petrus und ist der Lüge schuldig. Rom, bestimmt, der Sitz der Tugend und Frömmigkeit zu sein, hat sich, wie so viele Bischöfe selbst bezeugen, in eine Räuberhöhle verwandelt und ist der Sitz der Gottlosigkeit und Habsucht geworden. Anstatt demüthig Christi Kreuz zu tragen, will der Papst Kronen vertheilen und den Kaiser spielen. Aber vor der Macht dessen, den in Italien, ja in Rom Jeder verlacht, wird sich am wenigsten ein deutscher Kaiser fürchten, und wenn der Papst von den dummen, zum Gehorsam bestimmten Deutschen redet, so wird es ihm das herrliche, unwiderstehliche Volk beweisen, daß es nicht zum Gehorsam, sondern zum Befehlen geboren ist.“

Von allen Seiten angegriffen, ließ sich jetzt der Cardinal Roland zu solcher Heftigkeit fortreißen, daß er die Frage herausstieß: „Von wem hat denn der König das Reich (imperium, abermals ein zweideutiges Wort, das ebenso das Reich wie das Kaiserthum bedeutet), wenn nicht vom Papste?“

Wie ein Blitz schlug diese Frage in die Versammlung ein. Kaum war das Wort den Lippen des Cardinals entfallen, als der Zorn der deutschen Fürsten von Neuem losbrach. Von ihren Sesseln aufspringend, schlugen sie empört an ihre Waffen und Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, sich durch die übrigen Fürsten vordrängend, zog das Schwert. Mit den Worten: „Unverschämter Pfaffe,“ zischte das Schwert durch die Luft, um dem Cardinal den Kopf zu spalten. Es entstand eine furchtbare Verwirrung, die Legaten wichen erschrocken hinter die umgeworfenen Sessel zurück und suchten Schutz hinter dem Kaiser. Zwar hielt der Kaiser den erhobenen Arm des Wittelsbachers zurück und besänftigte durch sein Ansehen den wachsenden Sturm, aber auch ihn ergriff der Unmuth über die römische Anmaßung, sodaß er dem Cardinal Roland die Worte zuschleuderte: „Wären wir nicht in der Kirche, ihr solltet erfahren, wie scharf die deutschen Schwerter schneiden.“

Er besänftigte hierauf die zornglühenden Fürsten und ließ die Legaten des Papstes unter sicherer Bedeckung in ihre Wohnung bringen. Hier wurden ihre Sachen untersucht, und man fand unter denselben nicht nur viele Abschriften von dem Briefe des Papstes, welchen sie dem Kaiser übergeben hatten, sondern auch unbeschriebene, mit dem päpstlichen Siegel versehene Blätter, auf welche sie folglich schreiben sollten und durften, was sie in Deutschland schnell zu verbreiten für gut fanden. Unter diesen Umständen glaubte Kaiser Friedrich diesen gefährlichen Männern kein längeres Verweilen in den Ländern des Reichs verstatten zu dürfen. Er gab ihnen am andern Morgen den bestimmten Befehl, alsobald abzureisen und auf dem geradesten Wege, weder zur Linken abweichend, noch zur Rechten, nach Rom zurückzukehren, woher sie gekommen waren.

Ein so kräftiges Auftreten schüchterte den heiligen Vater ein; er bedurfte der Freundschaft und Unterstützung des Kaisers, und so beeilte er sich, ein „mit Ruhe und Ergebung abgefaßtes“ Schreiben an den Kaiser zu senden, worin sich die hochmüthige Sprache rasch in eine demüthige umwandelte und die dem Kaiser unangenehmen Ausdrücke des ersten Briefes entschuldigt und in der mildesten Weise ausgelegt wurden. Die Kirche war darnach wieder die „bescheidene Magd des Reiches“. –

Siebenhundert Jahre sind inzwischen vorübergerauscht; die Herrlichkeit des heiligen römischen Reiches deutscher Nation ist verschwunden, aber das Sehnen nach Einheit und alter Macht und kräftigstem Handeln zurückgeblieben im Herzen des deutschen Volkes! Möchte doch, wenn die vielleicht nicht ferne Stunde schlägt, wo es einzutreten gilt für des Vaterlands Ehre und Recht, für Deutschlands Ansehen und Freiheit, derselbe Geist der Kraft und des Muthes, welcher den Ahnherrn trieb, auch die Nachkommen jenes Otto von Wittelsbach und die übrigen deutschen Fürsten beseelen; am Volke wird’s wahrlich nicht fehlen!