Die „Igelsäule“ bei Trier

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Titel: Die „Igelsäule“ bei Trier
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aus: Die Gartenlaube, Heft 33, S. 542
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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[531] 
Die Gartenlaube (1873) b 531.jpg

Die Igelsäule bei Trier.
Nach der Natur aufgenommen von R. Cronau.

[542] Die „Igelsäule“ bei Trier. (Mit Abbildung, S. 531.) An der alten römischen Landstraße zwischen Trier, Metz und Rheims, zwei Stunden von ersterem Orte entfernt, erhebt sich in feierlich ernstem Ansehen die sogenannte „Igelsäule“, unstreitig das schönste Römerdenkmal diesseits der Alpen. Aus massiven, durch Kupfer verankerten, rothen Sandsteinquadern bestehend, erhebt sich dieses Denkmal bei einer Basisbreite von 16 Fuß bis zu einer Höhe von 71¼ Fuß. In fünf Abtheilungen steigt der Haupttheil in Form eines viereckigen Thurmes bis zu zwei Drittheil der Höhe des Ganzen und läuft dann in eine Pyramide aus, deren Fuß mit 4 Basreliefs in dreieckigem Felde verziert ist, während auf der Spitze, von Karyatiden getragen, eine Weltkugel mit einem emporfliegenden Adler ruht. Letzterer, bei Gelegenheit der Niederlage des französischen Generals Crequi 1675 durch eine Stückkugel kopflos geworden, faßt eine ebenfalls verstümmelte Jünglingsgestalt um die Hüfte. Die vielen, ein Universum bildenden und von geübter Meisterhand gearbeiteten Sculpturen, die sich an allen Seiten befinden, sind besonders bemerkenswerth. Scenen des alltäglichen Lebens, kämpfende Soldaten, Reiter, Aerzte und Lastträger wechseln mit Episoden aus dem Leben des Hercules, des Paris und der Andromache, Sirenen, Delphine und Tritonen mit Matrosen und Schiffsziehern; Darstellungen aus dem Familien- und öffentlichen Leben drängen sich mit religiösen Sinnbildern. Man erkennt den Sonnengott auf seinem Wagen; Handel und Gewerbe sind auf verschiedene Weise sinnlich angedeutet, und Comptoir wie Altar, Speisezimmer wie Küche sind berücksichtigt, kurz, wie Storck sagt, die Leiden und Freuden eines ganzen Menschenlebens, die gemeinen täglichen Beschäftigungen wie das hohe Leben der Phantasie, alles stellt sich in diesen Bildern dar, wie in einem Zauberspiegel. Während einerseits uns diese Darstellungen manchen schätzenswerthen Aufschluß gegeben haben und eine reiche Quelle von Forschungen bieten, haben sie andrerseits dazu gedient, eine heillose Wirrung in Aufstellung von Hypothesen über die Bedeutung des Denkmals zu veranlassen. Während einige Forscher meinen, Caligula sei in Igel geboren, habe eigentlich Cajus Igula geheißen und das Denkmal sei ihm zu Ehren gesetzt, meinen andre, es sei zur Verherrlichung der Eheverbindung zwischen Constantius Chlorus und der Helena errichtet worden. Nach der Behauptung einer dritten Linie von Gelehrten hätte Kaiser Trajan dasselbe an der Stelle errichtet, wo er von Secundus Securus Abschied genommen, nachdem er ihn, mit Aemtern und Würden bekleidet, aus dem Bürgerstande in den Adel erhoben. Wie auch die nachstehende verdeutschte Inschrift kund giebt, bezieht sich das Denkmal auf den Tod des in den Wellen umgekommenen Sohnes eines römischen Kaufherrn aus dem Geschlechte der Secundiner, welche als Agentes in rebus für Fortschaffung und Versorgung der Heere auch auf andern Inschriften vorkommen. Das Denkmal trägt eine lateinische Inschrift, in welcher der Inhalt der ersten Reihe nicht feststellen ist; die folgenden heißen in der Uebersetzung:

„… … und die Publia Pavata, Gattin des Secundinus Aventinus, und den L. Saccius Modestus und den Modestius Macedo seinen Sohn, haben Luc. Secundinus Aventinus und Secundinius Securus ihren verstorbenen Eltern und sich selbst bei Lebzeiten gesetzt.“