Die Achillesferse

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Autor: Emil Roland
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Titel: Die Achillesferse
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aus: Die Gartenlaube, Heft 26, S. 820, 822–824
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Die Achillesferse.

Skizze von Emil Roland.

Er hatte nun einmal im Lebellstheater seinen Platz im zweiten Range.

Zuweilen sah er mit stiller Sehnsucht denen zu, die sich dank größerer Energie, vielleicht auch dank einer stolzeren Einbildung aus das thenre Ich bei Zeiten besser „ abonnierte, ihren Stnhl aus einen bankbareren Boden gesetzt .chatten. Neid empfand er dabei nicht, seine Gntmüthigkeit schloß das aus, aber ein dnmpses Gefühl, gelllischt aus Hossnung und Wehmnth n nberkam ihll. Seill Dasein war zwar kein nnallgellehmes^ Straßenbettler, vere schnldete Kanslente und hllngernde Küllstler beneideten ihn zu Dntzellden. tllld doch sehlte diesem Leben etwas das Dasein gab ihul mallches Güte, nie das Beste! Es war ebell eille Existenz vom zweitell Range, eilt Schicksal zweiter Güte!

Die Menschen, die ihll kannten, wnßten niemals etwas Böses über ihll zll sagen, lllld da sich nicht einmal eine lnstige Glosse an seinen rothblonden Dnrchschllittskops hängen ließ, so

Kleinigkeit erlebt zu haben, die vom Gewohnlichen abwich. Er war wohlbestallter Bankbeamter, weder hübsch noch häßlich, ohne jeden hervorstechenden Zllg, ohne eine komische Angewohn heit, ein Mensch, den man ost gar nicht gewahrte, wenn man ihn ansah, der aber ^ von der höheren Moral aus betrachtet ^ über vielen glänzenden Existenzen stand. Er war ein stiller Wohl^ thäter der Armell, ein rührender Sohll, der die Schladen seines Vaters in langjähriger Arbeit abbezahlt und es schließlich dank seinem nllermüdlichen Fleiß zu einem leidlichen Wohlstand gebracht hatte.

Gereist war er kanm, gelesen hatte er wellig. Nie auch strich der Znfall oder ein besonderes Erlebniß all die lyrische Saite, die ill jedem Kerzell ansgespannt ist und llnr des Griffes wartet, damit sie tollen kann. Nicht einmal der erblichende Lellz hatte Macht über ihn. Pflicht lllld Arbeit machten ihll blind, aber nicht, weil er blind seill wollte, llnr weil er nicht ahnte, wie scholl das Sehen ist. Da trat eille Wendung eill. Als blane Pap.pkarte fiel sie ihm erwähnten sie seiller kaum. Plötzlich aber kam eine Zeit, ill der ^ in die H^ld^ zufällig ohne das^ er ihre Wichtigkeitahnen konnte^ jeder^von ihm sprach, wo sein Name voll Lippe zu Lippe slog Eill jllllger Architekt schob ihm besagte Karte beim Mittag^

lllld genannt ward im abfälligstell Toll, dell „srenndliche." Mite essen über dell Tisch. „Schmitt,^ sagte er dabei, „ich muß auf

brnder füreinander habell. Er hatte eill großes ttnrecht bee i fünf Wochen llach Berlill. Nehmen Sie mir doch das Dillg da

gangen '^eille Brallt verlassen, eille ehrbare Familie^ bloßgee ab! Es ist wirklich .bildend und ich brauche bar Geld, damit ich

stellt, seillell .eigenen bürgerlichen Rllf erschüttert. Zwei Mollate ^wenigstens ^vierter^ fahren kallll fünfter giebt's ja leider nicht!"

lief er so ,Spießrmthell ill seiner Vaterstadt dallll verließ er ^ Achilles nahm das „Ding^. Es war eine Abonnenlelltskarte

sie nlld siedelte sich anderswo all. ^ für Vorlesnllgell im Stadthaus. „Was soll ich dalnit^ sragte

Es ist nicht leicht, „anderswo" anzu.allgen, wenn mall sich das Dafeill ill der Heimath selbst verschüttet hat nlld eillell blessiertell Rns mitnimmt, der wie ein Theatergeist immer wieder aus. der Versellknllg steigt, meist gerade dallll,. wellll er alll noth^

er. Am liebstell hätte er dem jllllgell Manne, der ihm lllit dem Anstand eines lllstigell Königs gegenübersaß, die Slllllme geschenkt. Er wagte es aber nicht, zog die Börse nlld zahlte dell Betrag in die gesnnde, dankbar sich hinstreckende Hund^ Dann steckte er

wendigsten nllter derselben hätte bleibell müssen. Die Eisenbahlle ^die blalle Karte arglos in seille Brieftasche.^

netze, die Reisewnth, unter deren Zeichen die Kinder nnserer i Von dort alls fiel sie ihm täglich in die ^Hnnd, welln er ^

rnhelosen Zeit stehen, lassell keille .Achillesferse im Verborgenen. peinlich ordentlich, wie ihn die Natnr und seill Berns genlacht ^

So leicht kommt jemand voll 'dort nach da, fragt, was alls dem etwas anschrieb oder dem brannell Schildkrotleder einell Geldschein

Landsmann geworden, zu.kt die Achseln, dentet an, wird bestürmt entnahm. H^b zerstrent las er dallll auch wohl die Daten d^

nlld erzählt ^scheinbar nllgern,in Wahrheit mit ^nst^ Vortragsabende. Zwei davoll warell scholl vorüber, der dritte

So kam auch seill wnnder Pnnkt bald gellllg zll Tage. Die stand llnlnittelbar bevor. Bildnllgsbednrfniß 'stak voll jeher in

Mütter warnten ihre Tochter vor ihm, die Männer hielten lnit deiner Seele, llnr .daß er nicht die Zeit oder bloß eill Kollvere

ihrem Vertranen zllrück^ die ..^me^e^ streifte ihll mit einem . sationslexikoll gehabt hatte, ihm zll genügen. Anch erschien ihm

Blicke des Stannens, weil dieser Don Illall sich .so gllt verstellte, ^ die gedrnckte Karte wie eille Verpflichtllllg ^ knrzllm. als es

weil er scheinbar so schllldlvs einherging und die Belastung an dem betreffenden Tage siebell tthr schlug, saß Achilles Schmitt

seines Gewissens nicht einmal ill dem trenherzigen Blicke seiner wirklich alls Stnht tl^ lllld schallte gespallllt dllrch seille goldelle

blallen Allgell erkennen ließ. ^ Brille allem Kommenden entgegen.

Ob er das alles werkte^ Wer weiß ! ..Still nlld resigniert ^ Dieslllal kam die „Bildung^ voll eillem Reeitator. Er kollllte

gillg er seilles Weges, eiller jener Einsamen, die vielleicht eille eill ganzes Heldengedicht answelldign llnd nachdem er alls eillem

Welt ill sich tragend dellell aber die Welt der anderen gleiche ^Stnhle langsam Platz genommen chatte, so, daß sämmtliche Zne

gültig ist, gleichgültig 'oder beängstigendelllcht gerade eill ttn glücklicher, aber do^h t^ill Glückloser, eill Abonnent .vom zweitell Range, dessen Sch^d allein dariutag, daß er sich eilr einziges Mal zllm' erstell hs^^rkühnell wollen.

ulles Schmitt ^ er war wlrklich allf dell Namell Achilles getallst, die^^se sand sich erst später dazll brachte das Kunst. stück sertig^ei^g Jahre ill der Welt zll seill nlld noch keine

hÖrer die Eleganz seiner übertrieben spitzen Stiefeletten und seiner seegrünen H^ndsch^he bewnnderll kolllltell, begallll er ohne ttln schweise oder Einleitllllgsworte die schonen Verse über zweihundert manschende H^Pier hinzuschmettern

Hinter Achilles ^verfielen zwei Backfische sosort in krampst hafte Lächzu.tände, zwei unartige Mädchell lnit langen Gliedern nlld langen Zöpfen, die das Leben im allgemeinen komisch sanden lllld dell Neeitator insbesondere. Darüber entrüstete sich neben ihln auf dem Stnhl t^ eill ältliches Fränlein, e^ller jener [822] 

weiblichen Vortragsmarder, die es viel zll billig sinden, für eine einzige Mark voll eillelll zugereisten Genie alls der Tagesprosa ill reine Hühen gehobell zll werden. Sie sah in dem Kichern eine Entweihung llnd wandte sich drohend um. ttllwillkürlich rückte Achilles ein wellig llach rechts, lllld zllfältig streiste da sein Bliek dell Seitelldivall, neben dem er saß. ^illllnet ! dachte er, ist so etwas dellll möglich^

Er blickte gerade ill das Gesicht eilles Mädchens hinein, ill eill blondes srommes llllbewegliches Gesicht, das delll vortragen den Stlltzer lllit mannender Allsnlerksamkeit zu.ekehrt war. Schnurgerade saß das Mädchell da, die Hallde ill braunem Leder sittsam alls dem dnnkelblanen Kleide iueillalldergelegte sie rührte lllld regte sich nicht, sie war gallz w^e eill Madonnenbild alls dem Glas^ senster eilles Domes, die Toilette natürlich zeitgemäß. umgestaltet.

In derselben Minllte begann der Reeitator, „lyrifcke ^n werden ^ es warell echte Liebeslieder, tiese Klänge voll Lust nlld Glück. Die Backfische lachten wieder^ sie falldell den Mallll da obell in seiller llnbeweglichen Haltung ^r ^,ll komisch e er aber, Achilles Schmitt, saß wie eill Veränderter da, zwiefach ge^ fallgell voll poefie nlld Liebe. Das giebt immer ein sragliches Genlisch lllld nnsichere Folgell '^ ^ zllweilen eille Heirath, zllweilen eill tlllglück, meistens eille Thorheit.

Als Schmitt llach Haufe kam, dachte er nnanfhärlich all die Nachbarin aus dem rothen Divall. War es denn möglich, daß er, der solide gesetzte Achilles, sich so plätzlich wie ein spazieren gehender Primaner verliebt hatten

Mit Spannung sehnte er dell nächsten Vortragsabend her.. bei. Als dieser endlich kam, gillg Achilles vorher zum Frisellr, balld dallll eillell modernen Klappkragen llm.. zog neue raupen halldschuhe all lllld war zitternd vor Hl^lllll.^ bereits lllit den Erstell im Saale. Voll der Fnrcht gepeinigt, daß sie am Ellde doch nicht wiederkomme, wartete er ängstlich aus seinem Stnhle. Da plätzlich glitt sie all ihm vorbei e ihm war, als streise ihr Blick über ihll hill ““'^ er sah den Sanln ihre^ blanell Kleides, sah, wie sie sich rnhig llnd gemessen niederließ^ .und wagte noch ilnmer nicht allszu.chaueu. Erst ganz spät '^ der Wanderprofessor, der heute über ägyptische Dynastien las, war bereits bei Ranlses dem so und sovieltell angelangt nlld sezierte selbigell sehr hübsch nlld übersichtlich sur das Verständniß der lllitteldentschell Fabrikstadt ^ erst llach langem Kampse wanderte seill Blick zu ihr hill, schüchtere lllld allbetelld. Neill, wie reizend sie war! Ob er wohl den Mnth silldell würde, ihr beim Fortgehen zu solgen, um zu ersahrell, wo sie wohnte, wer sie war^ Er tarierte seinen Besitz all Mnth ^ neill, zu eillem solchen Wagniß reichte er nicht aus.

ttlld doch hatte ihll die blalle Karte glücklich gemacht, seiuem Lebell Illhalt gegebell, seilleu Träumeu Schimmer. Sonst träumte er stets von Kurszetteln , voll dell Gesichtern sremder Bnchhalter '^ “ wenll es schlimm kam, voll Ballkerott und ttlltere schlagung. Jetzt lllgte zu jeder Ecke seilles Traums eille wie aus Glas gemalte Heilige hereill, lind dnnkel kam ihm die Ahnung, daß sein Lebeu doch schäller werden könne, daß er nicht immer illl zweitell Range zu sitzen brancht schließlich tallchte der ver.. messelle Gedanke an eine Horath aus. Sie wird doch nicht ge. rade die Tochter des Oberbürgermeisters seill, hoffte er, vielleicht ist sie verwaist, vielleicht hätte sie doch die Güte, mich zll nehmen^ das nächste ^Nal will ich .jedenfalls etwas kühller seill.

und „das nächste Mae kallll lllit ihm ein Vorlefer aus ungarn,

der sich stolz als „Ritter^ ankündigte, eille düstere Erscheinung, die sich lll^t rollenden Augell nlld ohlle Konzept darall machte, eille übel^

beleumdete Persönlichkeit der Geschichte sittlich reinzuwaschen ....... es

wäre llllr zu wünschen gewesell, slüstertell sich die Backsische zu

daß er dasselbe Geschäft erst körperlich all sich besorgt hätte.

Wieder zürnte der benachbarte weibliche Schollgeist, der ill seiller milden Mellschellsrenlldlichkeit so gern all die Treffliche keit des Earaealla, oder wer llllll gerade das abzuwaschende

Subjekt war, glaubell . wollte. ^ Wieder . .wie ilnmer werten

Schüsergestalten mit^ Beinen die Sänten

schäste des '^aathilltergrlllldes, kindliche Gesichter, aus deneit das srelldige Bewnßtsein strahlte, die ganze Weisheit zum halben preise .'zll bekommen lind noch obendrein gratis iin.sitzendeu Publikum. angebetete ^Schl^u^dch^ltopse^zll . entdecken.

Wie immer starrten Armleuchter nlld Gipsmusen von den Wälldell ^ aber eills war nicht wie sollst^ Eine Fremde s^ß auf dem platze voll Herrll Schmitts Madonna ^ gerade heuten

an dem Abelld, wo er trotz seilles mangelhaften Muthes den erstell kleillell Schritt zu wagen dachte!

Wer war sie.^ Wie kam sie aus ihren platze Sie mnßte ^ doch ill Zusammenhang stehell nlit ihr! Immer wieder sah er sie all. Einmal trasell sich ihre Blicke '^ es war eill strenger, un t angenehmer Gegellblick, den er abbekam.

Der Rittern . ^ daß es keiller „vom goldenen Vließ" war, ^ bezweiselte außer Achilles^ Nachbarill llienland ^ schloß mit eillelll ^ großen Wortschwall glänzend ab. H^tte der römische Kaiser^ alls ^ seinem lällderserllell Grab die nachträgliche Reinwaschung höreu kounen, sie wäre ihm vermutlich sehr gleichgültig gewesen^ trotzdem ^ hatte das Mnlldwerk des Ritters allmählich das geschichtlich vere ^ brieste Scheusal zlllll Ellgel gemacht. Lautes Beisatlklatschell, Ver^ ^ beugungen des „Ritters^ vom Podium, lllld .die Mellge verlief sich.

Draußeu war Willterllacht und Glatteis. Vorsichtig tastellde .gestalten willlmeltell alls dem. Stadthaus lllld vertheilteu sich ill die verschiedellell Richtullgell. Gaslaternell, vereinzelte Sterlle nlld eill zu.eiten hinter Wolkell hervortretender Molld belenchteten das Nachtbild. Wer Bekannte tras, hakte bei ihllell eill und socht den Kamps mit der Glätte gemeinsam. Eillzellle Pilger ^ glitten ängstlich all Wälldell und Laternenpsählell hill.

0! dachte Achilles, das wäre llllll die beste Gelegenheit, ihr ^ dell Arm zu bieten oder wenigstens ihrer Stellvertretern ^dellll, wer weiß.. . . es sichren viele Wege nach Rom! Erstand unter dem Thorgang und spähte llllter alle Kupuzen, bis er die Gesuchte sand, die rathlos auf den spiegelähnlichell Bodell sah. „Mein Frän lein!" log er entschlossen „ich habe denselben Weg wie Sie ' '^'^ „ Woher wissell Sie denll, wo ich wohnen sragte eine scharse Stimme ullter delll Schleier hervor.

Er stammelte verlegen etwas ttllverställdliches lllld begauu ^ dauu schllell nlit eiller Auseillaudersetzung über die erllstell Ge^ sahrell des Glatteises, so daß die ttllbekallllte erschrockell dell an geboteneu Arm ergriss. ttud ie mehr sie einsah, wie glatt es war, desto sester klammerte sie sich all ihren Begleiter.

„Waren Sie schon im letzten Vortrag 1^ sragte er endlich. „Neill, die Karte getwrt lllir gar llichte „Wem denll Seill Herz klopfte hörbar. „ Meiller Nichte

„Ihre Nichte ist boch nicht kranke „Nein. Ill Berlille

Ihu durchzuckte die Vorahnullg küllstiger Seligkeit wellll mall eine Nichte liebt, ist es ilnmer schon eill Glücksfall, die

Taute am Arm zu halten. Dallll empfand er dumpfe Allgse Berlill ist so groß, „hat der Tücken soviel nlld Gesahrell!"

Plötzlich glitt die Tallte ans^ er hielt sie noch rechtzeitig sest. „Wanll kommt Ihre Nichte wieder^" ries er heiser.

„ttebermorgene sie horte kaum alls das Gespräch, sie ällgstigte sich llllr um ihre allgellblicklich sehr nnsichere Existenz. ^

„Ich glaube,^ ries sie plötzlich, „sie stützen sich viel mehr

all mir, als ich mich all Ihnen e Dabei ließ sie seillell Arm sahrell, tappte eillelll Gitterthor elltgegell und wanderte darall hin. ^Er^ solgte ill drei schritt ' Abstand.

Liebenswürdig ist sie nicht, dachte er, aber llatürlich ^ alles

^ kann ja ill einer Fanlilie nicht Ellgel sein allch Familien lnüssell

^ voll ihrell Vorzügen ansrnhen.

Eill paar gescheite Leute hatten sich im nächstell Laden Wolle

^ socken gekanst nlld eiltell ill diesell lllit neuer Sicherheit gleich Schattenbilderu vorüber^ llllll ba für .sie das.^ Stolpern unwahr^ scheilllich war, sahell sie spöttisch alls die anderen millder Klllgell,

zu.al aus das wnnderliche paar, das sich langsam lllld schweigend . all dell Gartellgitterll entlang tastete.

„Grnlldgütigere ries mit eillelll Mal die Tanten „das war

^ der Herr Rechllungsrath! Was wird der denken ^ ich ^llil ^ eillelll .jungen Mallll allein aus der Straße e

Achilles hatte keille Ahnllllg, was ill solchell Fällen Rech. ^ llllllgsrätbe zll dellkell pslegen Er schwieg.

„Das ist zll peilllich!^ sllhr sie sort. .„ Aber Gott sei Danke wir silld gleich am Hans. Herr.^tn wie heißen .Sie denn meinHerr^

^Schmitt

. „So hören Sie, Herr Schmitt! Sie hätten das. nicht thllll s dürfen so ohlle weiteres eille nllbeschützte Dallle zu begleitete

Achilles raffte sich auf.^ „Meill Frällleille sagte er mnthig, ^ „da ich hoffen daß lllls eillst engere Bande verknnpfell, können ^ wir etwaigell Mißdelltllllgell wohl kühn die Spitze bietell . [823] ne tttttt s^ et ss. ^ger.. tttt

^eß“ sttttt, mck att^tt mfer ^ .ng !!iit.t.tt . tw^t.iit üls'l! ttn he^t, ^ erlief sich. ^ tasten en sich in tertte ttttst letttlftckett ein tttttt te ^iltja in.

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„Ettgere Bande?“

„Rnn ja,“ stammelte er verwirrt, „Vattde der Verwandt- schaft. Laffett Sie es mich nur offen gestehen dies Vortrags abottttemettt hat mir das Glück meines Lebens gebracht!“

Hier gerieth er itts Stottern, verhafpelte sich mehrmals in eittem Satze, aus deffett verworrenen Tiefett immer wieder das Wort „fie“ hervorzitterte, das er auf die Richte, die Tattte aber, als groß geschriebett, auf sich bezog, und schlofz endlich mit der Frage, ob er in drei Tagett kommen dürfe.

Inzwischen warett sie am Hans der Tattte angelangt, auf das diensteifrige Klingeln von Achilles erschiett das Mädchett und riß die Hansthür auf. Das Fränlein sah ihn noch immer mit einem fonderbarett Ansdrnck an. „Ia, was fittd Sie detttt eigentlich?“ fragte sie schließlich.

„Bankbeamter Schmitt - Achilles Schmitt -“

„ Achilles? O wie trofatasch!“ bemerkte sie mit bläulicher Freundlichkeit. „Auf Wiedersehen Herr Schmitt!“

Der wohlbeleibte Hausgeist schlug die Thüre zu ' Achilles stand allein auf der glatten Straße.

Das habe ich klug gemacht! sagte er felbftzufrieden. Als.t in drei Tagett - v! Wartttn sie nur „trosattisch“ gefagt hat? Achilles war doch wohl tttehr ein Grieche!

.Uttd mit eittettt Herzen voll Seligkeit und Hoffttung stapfte er

lattgfam und vorsichtig über die nächtliche Straße nach Haufe. -.

Ntttt kamett die drei schöttstett Tage in Achilles Schmitts Lebett - Tage erftett Rattges, erster Güte. Die Menschen, mit dettett er zttfattttnetttraß wnnderten sich über ihn. Was hatte er ttttr? Die blanen Angett strahlten so fonderbar durch die Vrille, und alles an ihm, was bisher indifferent, dttrchschnittsntäßig ge- wefen war, trttg plätzlich den Stempel einer feltfatttett unbeholfenen Seligkeit, bis endlich die Eutscheidungsftuttde kam und feitte Madotttta aus dem Rahmen trat.

Klopfenden Herzens ging er in das Haus. Der dickett Köchin drückte er gleich zum Anfattg ein großes Trinkgeld in die Hnnd. Datttt stand er im Salott, wartend, Bilder anstarrend ohne eine Ahnung davott, was sie vorstellten - und endlich knarrte die Thür und das aus Verlin zurückgekehrte Heiligenbild ftattd vor ihttt. Hier erreichte das kttrze Glück, das. Herrtt Schmitt beschiedett war, feittett Gipfel.

Das Mädchett nickte ihm lächelnd zu, und natürlich ver- schönte dieses Lächeln ihre Züge noch.

„Wie freue ich mich!“ begann sie. „Sie glanbett nicht, wie glücklich ich bin, daß sich alles so gemacht hat! O, wie schön wird nun auch für mich das Lebett sein! Aber fetzen Sie sich doch, Herr Schmitt - bitte, Ihren Httt!“

Uttd sie ttahm ihttt den Httt aus der Hattd, so daß er mit feinett ungeschicktett Armen fast hilflos dastand, bot ihm einen Stuhl an, fetzte sich in die Sofaecke und ftthr fort.

„Berzeihett Sie ttttr, daß ich gleich gekommen bin! Aber die Tattte ist noch bei der Toilette, und fehen Sie - ich wollte Sie doch so gern allein fprechen!“

Er sah sie dankbar an und wollte tttttt auch etwas sagen natürlich ihren Namett -

„Wie heißen Sie ttttr?“ fragte er schüchtertt, „ich meine den Vornamen - alles andere weiß ich bereits aus dem Adreßbuch.“

„Ia so,“ etttgegttete sie, „das müssen. Sie allerdings er- fahren! Getauft bin ich Atavittette, aber so ttettttt mich zum Glück niemand. Atttoittette klittgt so geziert. Sagett Sie nur auch wie die anderen alle . Totti'.“

„ Totti!“ stammelte er und griff nach ihrer Hattd. „Wie bin .ich glücklich!“

„ Wirklich? Wie mich das freut! Aber Sie verdieueu es auch, glücklich zu sein, ttud die Tattte ebenfo -“

„Die Tattte?“ fragte er verwnttdert.

„Nutt natürlich! Sie mttß übrigens gleich kommen, und vorher, Herr Schmitt - vorher möchte ich Sie noch um etwas bitten. legett Sie auch für mich ein gutes Wort ein!“

„Aber gewiß -“ .

„Sie müssen nämlich wiffett, es ist für mich geradezu ein Glücksfall, daß die Tattte sich noch verheirathet! Zu erwarten war es fa nicht mehr. Tattte ist in vielett Dittgett so schwierig, wie soll ich fagett, so streng . o, Sie branchen nicht zu er- schrecken, Herr Schmitt! Sie werden das nicht empstndett - Liebe gleicht fa alles aus! Allein sie hätte mir ohne diese Wendung wohl schtverlich gestattet, zu heirathett, und da ich ebenfalls Pläne

habe“ . ... hier zttpfte sie verlegen an ihrem Taschetttuch - „ja, da ich fogar schou gattz regelrecht verlobt bin -“

Achilles war attfgefprungen. In ihm wurde es mit eittettt Male schreckach klar. „Fräulein Totti!“ stieß er hervor, „wer ist detttt eigentlich Ihr Vrätttigant?“

Auch Totti ftthr in die Höhe. „Aber Herr Schmitt, Sie fittd fa schreckach blaß gewordett! Nicht wahr, das Verlobett greift an? Indefsen bertthigett Sie sich nur, die einleitenden Feierlichkeiten find das Schlimmste - wetttt man erst das Ia- wort hat, so wird es wirklich sehr nett.“

„Dett Namett,“ rief er, „den Ramen Ihres Vräntigams!“ „O - Sie kennen ihn!“ entgegnete sie, erftauut über sein aufgeregtes Venehmen. „Sie habett fa sein Vortragsabonttement übernommett, Platz ll.t^ - Sie wissen doch! Im Stadthatts fahett wir uns - datttt reifte er fort - ach, Sie glanbett nicht, welchen Schrecken ich bekam, als statt feitter datttt plötzlich Sie erschienen! Ich konnte ja nicht ahnen daß derfelbe Platz auch Ihttett und meiner Tante noch Glück bringen follte. Datttt traf ich ihn in Berlitt wieder, zttfällig - in der Pferdebahn - und datttt - nun dattn hat fich's eben gemacht! Richt wahr, Herr Schmitt, wir feiertt Doppelverlobuttg - aber was habett Sie

nur t

ue fehett ja ganz leichenblaß aus!“

Achilles war aaf einett Stuhl gefuukett. „Atttworten Sie doch !“ stehle Totti. „Richt wahr, Sie fetzett es bei der Tante durch, daß wir beide uns auch haben dürfeu?“ Da nahm er ihre Hände in die feinen, Hättde, die ihm trotz ihrer Rähe im Grttttde ebenfo unerreichbar warett als die ge- malten Finger der Glasheiligen im Dome, und sagte vernichtet. „ Alles thu' ich, was Sie wüuschett, Totti!“

Da ging die Tl^üre auf und die Tattte ranschte herein. Sie trug ein altmodisches Ripskleid und eine feltfame Frifur. Selbst Achilles, der kein Modegeck und befonders in diefem Angenblick keiner Kritik fähig war, ahnte dttttkel, daß so etwas unerlaubt sei.

Toni stog ihr um den Hals. „Wir machen Doppelverlobung und morgett steht's unter den Anzeigen!“ Datttt ttmarmte sie Herrn Schmitt und rief felig^. „Onkel Achilles, wie dattke ich Dir!“

Er wnßte nicht, was thtttt. Die Situatiott trieb ihn weiter. Rur eins ftattd klar vor feitter Seele. aufklären kottttte er das Mißverftättdttiß nicht, jetzt nicht. Dazu.reichte sein Mnth nicht aus. So gab er detttt der Tattte die Haud , stammelte Worte von Ergebung, Achtung, Dankbarkeit. Sie hörte ihn gnädig an. Auf ihrem Gesicht stand geschrieben, was sie dachte. „Wie wird ntein Kränzchen sich wttttdern!“

Zuletzt erschiett noch Leonhardt , der junge Architekt, mit einem großen, kleidfamett Schlapphut und einer genialett Kravatten- schleife von überzengendstem Vlatt. Itt der Erinnerung glaubte Achilles später noch eine Vowle auftattcheu zu fehett, die man getruuken hatte, Scherze des übermüthigett Architekten das strenge starkknochige Gesicht der Tattte und ein Madonttenprostl, das, von ihm abgewendet, lächelnd in die Züge eittes Glücklicheren schante.

Am Tage darauf - Leotthardt war stets für rasche Er- ledigung - ftattd die Doppelverlobung im Tageblatt.

Zwei Tage erschiett Achilles nicht bei feitter Vrattt. Er ließ sich mit einer heftigen Erkältung etttschnldigem In Wahr- heil war alles in ihm vernichtet und zerbrochen. Am dritten Tage erschien der Architekt in feitter Wohnung und sagte energisch.

„Schmitt - Ihr Betragett ist nur mit etwas zu erklären, mit Zahnweh. Haben Sie das aber nicht, so find Sie nuent- schuldbar und müffett mit!“

Achilles sah ihn mit dem tranrigen Vlick eines kranken Thieres an. Da drohte Gotthardt mit dem Finger.

„Den wohlmeinenden Rath gebe ich Ihnen . machett Sie die Tante nicht böfe! Ich verfichere Sie, in ihrem Grimm kann sie furchtbar sein, und ich glaube, ziemlich geladen ist sie schou -“

Schmitt griff uach feittettt Ueberzieher. Plötzlich ließ er ihn fallett. „Ich kann nicht, leotthardt!“ rief er, „ich kann wirklich' nicht ......... ich habe mich geirrt.“

Der Architekt ttahm eine kalte strafende Miette an. „Herr Schmitt,“ sagte er streng, „in stachen Dittgett irrt man sich nicht. Tchut man es aber doch, so ist ntatt gewiffettlos. Rtttt, ich habe meine Toni, ttud zum Glück gehett mich die Angelegenheiten ihrer Tante nicht allzuviel an“. [824] Und fort war er!

Ich könnte, sagte Achilles nach langem Sinnen zu sich selbst, mit einer Fran wohl in Frieden leben, mich wenn sie meinem Ideal nicht entspräche, aber das kann ich nun und nimmer – Onkel sein, wo ich lieber Gatte wäre!

Noch am selben Abend schrieb er seiner Braut ab, so schonend als möglich, alle Schuld aus sich ladend, sich selbst heruntermachend, als wäre er der elendeste Verbrecher, den die Sonne beschien.------------Vierzehn Tage lang hütete Herr Schmitt das Haus; endlich aber mußte er wieder ins Geschäft. Da sah er, was er angerichtet hatte; strafende Blicke trafen ihn, man kaunte ihn nicht mehr, grüßte ihn kaum. Die Achillesferse machte sich geltend.

Herr Schmitt war der „bewußte“ Schmitt geworden. Sein Rnf hatte den tadellosen Glauz von ehedem ganz verloren.

Endlich beschloß er, fortzuziehen. Seine auswärtigen Geschäftsverbindungen machten es ihm leicht, anderswo eine Stellung zu finden. So brach er seine Existenz ab und verließ die Stadt, wo er sich erkühut hatte, drei Tage auch einmal ein Glück erster Sorte zu genießen. Die blaue Karte nahm er mit sich; er trug sie als Talisman in der Brieftasche.

Nur eines wünschte er uoch, ein Abschiedswort von Tonis ^ Lippen, ein Wort der Verzeihung. Er nmwanderte stnndenlang das Haus, in steter Angst vor der Tante, bis der Zufall ihn, eiue letzte Wohlthat erwies.

Toni kam am Arme ihres Bräutigams. Dieser wollte pfeifend au Achilles vorüber. Der aber trat auf Toni zn.

„Fränlein Toni,“ begann er schüchtern, „ich reise morgen für immer ab – sagen Sie mir noch ein gutes Wort!“

Da wandte sie ihm stolz den schmalen Kopf zu, sah ihn kalt und vernichtend an und entgegnete schneidend: „Ich hätte nie gedacht, Herr Schmitt, daß Sie so verderbt sind!“

Diese Worte waren der Schluß seines Traumes.

Die Madounenlippen sprachen sie zuerst aus, und sie blieben hängen als Aufschrift über seinem Leben.

In der neueu Heiinath that er niemand etwas zu leide, lebte musterhaft hin, still und resigniert. Dafür belohnte man ihu deun auch, indem man Herrn Schmitts Verderbtheit nicht etwa erklärlich fand, sondern nie aufhörte, sich stets aufs uene über sie zu – wuuderu.