Die Ahnung

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Heribert Rau
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Ahnung
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 532–534
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons, Google
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[532]
Die Ahnung.
(1655.)

Warum so trüb, gestrenger Herr?
Warum denn so allein?
Ihr schaut ja in das Abendroth,
Und nicht in’s Grab hinein! –

5
„Ich schaue in das Abendroth,

Mir deucht’s ein See von Blut;
Mir deucht’s ein weites Flammenmeer
In seiner dunklen Gluth.

„Und seht nur, wie es gierig sich

10
An meine Burgen legt,

Und aus den Fenstern, aus den Höh’n
Mit Purpurzungen schlägt!“ –
Herr Pfalzgraf, ei! was fehlt Euch denn?
So sah ich Euch noch nie;

15
Welch tolle Bilder malet doch

Erhitzte Fantasie! –

„Nicht Fantasie, mein Burgvogt, nein!
Ich fühl’s im Herzen tief,

[533]

Zur Wahrheit wird das Unglückswort

20
Das jene Stimme rief!“ –

Mein edler Herr, Gott schütze Euch!
Ich kann Euch nicht verstehn;
Sprecht Ihr von böser Ahnung denn,
Habt Geister Ihr gesehn?

25
„Ich saß in meinem Speisesaal

Und aß, wie stets, allein,
Da tönt der mitternächt’ge Schlag
Durchs Fenster dumpf herein.
Und wie der letzte Schall erstirbt,

30
Da wird so bang es mir,

Und eine Stimme, hohl und tief,
Ruft: „Wehe Pfalz! Weh’ dir!“[1]

„Ich hab in mancher heißen Schlacht
Den Tod schon angeschaut,

35
Es hat mir nie vor seiner Macht,

Vor seinem Ruf gegraut.
Doch dieser Stimme Grabeston
Die dreimal ich gehört,
Hat meinen Muth, hat meine Kraft,

40
Mein ganzes Mark verzehrt.
[534]

„Es drang der Ruf aus jener Welt
Mir tief in’s Herz hinein –
Bald wird die schöne stolze Burg
Ein Scheiterhaufen seyn!“

45
Der Pfalzgraf sprachs und schleicht davon,

Das Herz ward ihm zu schwer;
Das Leben war ihm öd’ und kalt,
Er lächelte nie mehr!

Heribert Rau.

  1. „Dann wird’s mit der Pfalz bei Rhein verloren seyn! Was vor eine Menge von Truppen, was vor Lärmen und Gedränge!“ – Mit diesen Worten fuhr der kranke Kurfürst Karl eines Tages plötzlich aus dem Schlafe auf! Der bei ihm wachende Arzt erschrak darüber, aber nicht wegen des Inhalts der Worte – wie konnte er ahnen, welch traurige Weissagung sie enthielten? – Sichtbar schwanden von nun mit jedem Tage die Kräfte des Kurfürsten, und nach fünf Wochen um die Mittagszeit des 16. Mai 1685 erlosch sein abgezehrtes Leben.“
    (S. J. Baader’s „Badenia,“ 1. Jahrg. S. 277.

    Karls Tod – mit ihm endigte die Simmern’sche Linie des Pfälzischen Hauses – führte den Orleans’schen Krieg wegen der Pfälzischen Erbfolge herbei, der so verderblich für die Pfalz ward.