Die Bürgschaft des Menschengeschlechts

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Textdaten
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Autor: Johann Gottfried Herder
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Titel: Die Bürgschaft des Menschengeschlechts
Untertitel:
aus: Zerstreute Blätter (Dritte Sammlung) S. 259-260
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1787
Verlag: Carl Wilhelm Ettinger
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Erscheinungsort: Gotha
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Quelle: ULB Düsseldorf und Commons
Kurzbeschreibung:
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[259]
Die Bürgschaft des Menschengeschlechts.


Die Schuld der Eltern ist durch ihre Kinder bei Gott verbürget. Was der Vater sündigte, büßet oft der Sohn und der Enkel.


Als Gott sein Gesetz auf Sinai gab, sprach er: „stellet mir Bürgen, daß ihr es haltet.“


Sie nannten ihm ihre gerechten Väter: allein Jehovah nahm sie nicht an. „Sie sind selbst Schuldner gewesen, gleich wie ihr; gebet mir eure Söhne und Enkel zum Unterpfande.“


Die Seelen der Ungebohrnen, die alle um den Berg versammlet waren, die Säuglinge an den Brüsten, die Kinder auf dem Schooße der Mütter erhuben ihre Stimme und übernahmen die Bürgschaft. Da sprach der Ewige: heimsuchen will ich die Missethat der Väter an den Kindern bis ins dritte und vierte [260] Glied; aber segnen will ich in die Tausende der Geschlechter.


Anbetend neigete sich Moses zur Erde und als er Gott anschauen wollte und Gott vorüberging, rief eine Stimme: Herr, Herr, Gott, barmherzig und gnädig, der du vergiebst der Väter Missethat und strafst die Missethat der Väter an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied, aber segnest in die Tausende der Geschlechter. –