Die Baumhäuser der Eingeborenen von Britisch-Neu-Guinea

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Titel: Die Baumhäuser der Eingeborenen von Britisch-Neu-Guinea
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 25, S. 802
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[802] Die Baumhäuser der Eingeborenen von Britisch-Neu-Guinea. (Mit Abbildung.) Die Insel Neu-Guinea, welche in ihrem nordöstlichen Teil das deutsche Schutzgebiet Kaiser Wilhelmsland umfaßt, das kürzlich der Landeshoheit des Deutschen Reiches unterstellt worden ist, bietet der wissenschaftlichen Forschung noch ein weites Feld. Das Innere dieser nächst Grönland größten Insel der Welt ist noch völlig unbekannt. Dagegen ist es dem Forschungssinn und der unermüdlichen Thätigkeit deutscher und englischer Reisender gelungen, sehr interessante und bemerkenswerte Einzelheiten über das sociale und wirtschaftliche Leben der Küstenstämme zu ermitteln. Aus dem reichen und verschiedenartigen Inhalt derselben sei an dieser Stelle einer Erscheinung im Leben der Bevölkerung von Britisch-Neu-Guinea gedacht, welche die Aufmerksamkeit und das Interesse der Forscher in besonders lebhaftem Grade auf sich gelenkt hat. Es ist dies die Art, wie sich die sonst auf der niedrigsten Stufe der Entwicklung stehenden Stämme jenes Teiles der Insel ihre Wohnstätten gegründet und eingerichtet haben. Aus dem zu einem vollständigen System ausgebildeten Ansiedelungswesen spricht einmal ein großer Sinn für Häuslichkeit, dann aber auch ein solcher für Verteidigung und Selbsterhaltung angesichts der Feindseligkeit, die bisweilen unter nächsten Nachbarn herrscht. Um beiden Forderungen zu genügen, haben viele Stammesgemeinschaften ihre Zuflucht zu den Riesen des Urwaldes genommen und sich unter dem schützenden Blätterdach derselben ein Heim geschaffen. Dabei ist es keine ungewöhnliche Erscheinung, daß ein solcher Riesenstamm mehrere Baumwohnungen in seinen Aesten und Zweigen aufnimmt. Unsere Illustration veranschaulicht einen derartigen luftigen Bau zwischen Himmel und Erde, wie er namentlich bei einem Stamme, den Koiaris, sehr gebräuchlich ist. Die Dielen und Wände dieser menschlichen Vogelnester, die gleichwohl kleine Festungen darstellen, sind aus gespaltenem Bambus hergestellt, als Dachmaterial dient schilfartiges Gras. Auf Leitern, deren Sprossen jede von der anderen etwa 50 cm entfernt und etwa 35 cm lang ist, erklimmen die Bewohner ihre 30 bis 40 m hoch gelegenen Wohnstätten, die sie beständig bewohnen und nur verlassen, um sich von neuem zu verproviantieren. In allen Häusern findet sich eine einfache Feuerstelle aus Lehm vor, in der Sand und Steine liegen, und in welcher beständig Feuer unterhalten wird. Die Vorräte an Lebensmitteln verwahrt man in großen Thontöpfen, die an den Wänden stehen. Einen eigenartigen Zimmerschmuck dieser lustigen Wohnungen bilden häufig einzelne Blätter aus englischen oder amerikanischen illustrierten Zeitschriften, die aus der Behausung eines Europäers von der Regierungsstation sich durch irgend welchen Zufall hierher verirrt haben. Nach übereinstimmenden Schilderungen der Europäer, welche die Baumhäuser besucht haben, bieten sie weder einen gemütlichen, noch behaglichen Aufenthalt trotz der duftigen Frische des Laubes, das sie umkränzt. Unter dem Titel „Neu-Guinea“ hat Dr. M. Krieger im Verlag von Alfred Schall in Berlin ein Werk erscheinen lassen, das sehr belehrende und interessante Aufschlüsse erteilt. Aus demselben gewinnt man zum erstenmal ein zusammenfassendes klares Bild von den Natur- und Kulturverhältnissen dieses polynesischen Kontinentes.

Die Gartenlaube (1899) b 0802 1.jpg

Ein Baumhaus auf Neu-Guinea.