Die Capelle zu Levenhagen

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Textdaten
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Autor: Jodocus Donatus Hubertus Temme
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Titel: Die Capelle zu Levenhagen
Untertitel:
aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen. S. 109–110
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1840
Verlag: Nicolaische Buchhandlung
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Erscheinungsort: Berlin
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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70. Die Capelle zu Levenhagen.

In dem Dorfe Levenhagen unweit Greifswald steht neben der Dorfkirche eine kleine Capelle. Die stammt noch aus den katholischen Zeiten her. Als nämlich dazumalen die Leute eines Sonntags aus der Kirche kamen, sahen sie an dem Orte, wo diese Capelle jetzt steht, auf einem Steine einen Menschen sitzen, der eine Hostie in der Hand hielt. Die andern Leute und der Priester fragten ihn, was das zu bedeuten hätte, daß er die geweihete Hostie in der Hand trage, und da bekannte er ihnen, daß er unwürdig zum heiligen Abendmahle gegangen sey, und die Hostie, die ihm der Priester gereicht, nicht herunter kriegen könne. Auf Befehl des Geistlichen mußte er sie deshalb auf den Stein legen, und da blieb sie die Nacht liegen. Wie man nun am anderen Morgen wieder zu dem Steine kam, da sah man ein großes Wunder. Es stand nämlich bei demselben das Bild der Mutter Maria. Die Heilige hatte es selbst als Wache dabei gestellt. Darauf beschlossen denn die Leute, [110] dort eine Capelle zu errichten. Das geschah, und die Pferdejungen des Dorfes sammelten das Geld dazu. Solches gefiel der Heiligen gar sehr, und sie that fortan durch ihr Bildniß in der Capelle viele Wunderwerke.

Dieß wurde bald bekannt in der Gegend, und es bekam auch eine Gräfin davon zu hören, die sehr reich, aber blind war. Die unternahm deshalb schnell eine Reise nach Levenhagen, und gelobte in ihrem Herzen der Mutter Maria, sie wolle der Capelle ein großes Geschenk geben, wenn sie wieder sehend werde. Da trug es sich zu, daß, wie sie noch nicht einmal ganz bis zum Dorfe gekommen war, sie ihr Gesicht schon wieder erhielt. Die Gräfin war aber geizigen Herzens, und sie dachte jetzt, da sie ihre Augen wieder habe, so könne sie nur gleich wieder umkehren, und ihr Geld für sich behalten. Das that sie auch. Aber was geschah? So wie sie sich umgedrehet hatte, wurde sie wieder blind, wie sie vorher gewesen war. Und das blieb sie; denn es half ihr nun nichts mehr, daß sie noch nach der Capelle hinfuhr, und all ihr Geld und Gut versprach. Die Leute sagen, daß die Heilige seit der Zeit zu Levenhagen kein Wunder mehr verrichte. Manche glauben aber doch noch daran, wenigstens halb und halb, und sie meinen, es hülfe ihnen, wenn sie ein Opfer in die Mauern der Capelle hinein stecken. Darum findet man denn auch zu Zeiten darin allerlei Gaben.

Biederstedt, Beiträge zur Geschichte der Kirchen und Prediger in Pommern II. S. 86.
Acten der Pom. Gesellsch. für Gesch. und Alterth.- Kunde.