Die Erinnerungseiche im Rosenthal bei Leipzig

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Titel: Die Erinnerungs­eiche im Rosen­thal bei Leipzig
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 44, S. 741, 744
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Gartenlaube (1871) b 741.jpg
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[744] Die Erinnerungseiche im Rosenthal bei Leipzig. (Mit Abbildung.) Wohl fast an allen Orten des großen deutschen Vaterlandes, von den großen Städten herab bis zum kleinsten Dorfe, hat man das Bedürfniß gefühlt, der Erinnerung an das große Kriegsjahr 1870–71 irgend ein äußerliches, für alle Zukunft berechnetes öffentliches Denkzeichen zu weihen, welches das gegenwärtige und das zukünftige Geschlecht mit Freude und nationalem Stolz erfüllen, zugleich aber dankbar erheben soll in dem Gedanken an die braven Söhne des Vaterlandes, welche für die große Sache ihr Leben geopfert haben. Besonders mit Bezug auf den letzten Gedanken hat die Stadt Leipzig ein sinniges Project zur Ausführung gebracht, indem sie zum Andenken an die Namen der gefallenen Söhne der Stadt in dem weitbekannten schönen Rosenthale im Mai dieses Jahres eine Eiche gepflanzt und mit dieser gleichzeitig einen Denkstein gesetzt hat. Unser heutiges Bild zeigt diese Eiche nebst ihrer Umgebung. Sie steht auf dem äußersten westlichen Ende der großen Rosenthalwiese, einem Flecken, der abliegt vom Verkehr und Geräusch der Welt und recht geeignet ist zur Erweckung einer andachtsvollen Stimmung. Im Hintergrund bilden schöne große Bäume eine breite Waldstraße, welche den Blick auf den Horizont gen Westen eröffnet. Dorthin gen Westen, wo die Leipziger Kinder so zahlreich in stiller Erde gebettet liegen, schaut die Eiche, und an ihrem Fuße lesen wir mit Rührung auf einem in Gestalt eines Schildes gearbeiteten marmornen Gedenkstein die von einem goldenen Lorbeerkranz eingerahmten Worte:

 Ihren
in den Siegeskämpfen
 1870–1871
 gefallenen Söhnen.
 Die Stadt Leipzig.

Rings um die eingegitterte Eiche ist ein schönes Blumenbeet geschaffen worden, welches nach vier Seiten hin in Kreuzformen ausstrahlt. Nach dieser Eiche ist schon Mancher gewallfahrtet, und mit Gefühlen des Dankes für das erhaltene Leben eines theuren Familiengliedes einen Lorbeerkranz den Gefallenen zu weihen. Aber auch solche, welche den Verlust irgend eines Lieben zu beklagen haben, wandeln dahin, um, fern von dem Grabe des theuren Todten, in Wehmuth an diesem seinem Andenken geweihten Orte einen Immortellenkranz niederzulegen und seiner zu denken. Namentlich wird dies in den ersten Tagen des Novembers der Fall sein, wenn das 107. Regiment, erst jetzt von Frankreich zurückkehrend, in Leipzig seinen Einzug hält. Da wird denn auch die „Erinnerungseiche“ reich geschmückt werden und für Viele das Ziel traurig ernster Wallfahrt sein.