Die Freundschaft

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Friedrich Schiller
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Freundschaft
Untertitel: aus den Briefen Julius an Raphael; einem noch ungedruckten Roman
aus: Anthologie auf das Jahr 1782, S. 148 – 151
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1782
Verlag: J. B. Metzler
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Stuttgart
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[148]
Die Freundschaft.
(aus den Briefen Julius an Raphael; einem
noch ungedruckten Roman.)


Freund! genügsam ist der Wesenlenker –
Schämen sich kleinmeisterische Denker,
     Die so ängstlich nach Gesezen spähn –
Geisterreich und Körperweltgewüle

5
Wälzet Eines Rades Schwung zum Ziele,

     Hier sah es mein Newton gehn.

Sfären lehrt es Sklaven eines Zaumes
Um das Herz des grosen Weltenraumes
     Labyrinthenbahnen ziehn –

10
Geister in umarmenden Systemen

Nach der grosen Geistersonne strömen,
     Wie zum Meere Bäche fliehn.

[149]

War’s nicht diß allmächtige Getriebe,
Das zum ew’gen Jubelbund der Liebe

15
     Unsre Herzen aneinander zwang?

Raphael, an deinem Arm – o Wonne!
Wag auch ich zur grosen Geistersonne
     Freudigmutig den Vollendungsgang.

Glüklich! glüklich! Dich hab ich gefunden,

20
Hab aus Millionen Dich umwunden,

     Und aus Millionen mein bist Du
Laß das Chaos diese Welt umrütteln,
Durcheinander die Atomen schütteln;
     Ewig fliehn sich unsre Herzen zu.

25
Muß ich nicht aus Deinen Flammenaugen

Meiner Wollust Wiederstralen saugen?
     Nur in Dir bestaun ich mich –
Schöner malt sich mir die schöne Erde,
Heller spiegelt in des Freunds Gebärde

30
     Reizender der Himmel sich.
[150]

Schwermut wirft die bange Thränenlasten,
Süßer von des Leidens Sturm zu rasten,
     In der Liebe Busen ab; –
Sucht nicht selbst das folternde Entzüken

35
In des Freunds beredten Stralenbliken

     Ungeduldig ein wollüstges Grab? –

Stünd im All der Schöpfung ich alleine,
Seelen träumt’ ich in die Felsensteine,
     Und umarmend küßt’ ich sie –

40
Meine Klagen stöhnt’ ich in die Lüfte,

Freute mich, antworteten die Klüfte,
     Thor genug! der süßen Sympathie.

Tode Gruppen sind wir – wenn wir hassen,
Götter – wenn wir liebend uns umfassen!

45
     Lechzen nach dem süsen Fesselzwang –

Aufwärts durch die tausendfache Stufen
Zalenloser Geister die nicht schufen,
     Waltet göttlich dieser Drang.

[151]

Arm in Arme, höher stets und höher,

50
Vom Mogolen bis zum griechschen Seher,

     Der sich an den lezten Seraf reyht,
Wallen wir, einmüth’gen Ringeltanzes,
Bis sich dort im Meer des ew’gen Glanzes
     Sterbend untertauchen Maaß und Zeit –

55
Freundlos war der grose Weltenmeister,

Fühlte Mangel – darum schuf er Geister,
     Sel’ge Spiegel seiner Seligkeit! –
Fand das höchste Wesen schon kein Gleiches,
Aus dem Kelch des ganzen Seelenreiches

60
     Schäumt ihm – die Unendlichkeit.
Y.