Die Gartenlaube (Die Gartenlaube 1856/20)

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Textdaten
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Autor: Hermann Jäger
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Titel: Die Gartenlaube
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aus: Die Gartenlaube, Heft 20, S. 267–270
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Die Gartenlaube.
Baumlaube. – Hängelaube. – Heckenlaube. – Die gewöhnliche Holzlaube. – Schlingpflanzenlaube. – Eisen- und Drahtlaube. – Italienische Laube und Veranda’s.

Die Lauben sind wohl so alt als die erste menschliche Kultur und wurden sicher schon gezogen und gepflegt, als die Menschen das Jäger- und Hirtenleben mit dem Feld- und Gartenbau vertauschten. Sie haben sich seit Jahrtausenden in den Gärten gehalten und werden in den kleinen Haus- und Blumengärten bleiben, so lange es Gärten giebt. Nur im Park und in den Landschaftsgärten sind sie entbehrlich geworden, weil in diesen der schattige Wald selbst zu einer Kunstschöpfung zusammengezogen ist. Aber auch hier sind stille, abgeschlossene wohnlich eingerichtete Plätze angenehm und sogar Bedürfniß. Sie sind daher auch im sogenannten englischen Garten neuerlich wieder sehr begünstigt worden, werden aber zumeist mit der Architektur verbunden und an oder nahe bei Gebäuden angebracht, was ihrer Bestimmung auch ganz angemessen ist.

Wir wollen uns diese verschiedenen Lauben näher betrachten.

Die einfachste und natürlichste Laube bildet der Baum. Er ist das Urbild der Laube, die er auch vertritt, wenn gar nichts an ihm geschieht und seine Krone sich frei entwickeln kann. Man hat weiter nichts daran zu thun, als den Stamm auszuästen, um die geeignete Höhe zu bekommen und ebenfalls die Aeste auf ein Geländer zu stützen oder sie nöthigenfalls herunterzuziehen. Unter solchen Lauben-Bäumen ist es in der That am Angenehmsten, besonders, wenn man eine schöne Aussicht von dem Platze hat, die durch keine Seitenwand beschränkt ist. Die Luft ist hier auch bei großer Hitze angenehm kühl, während sie in geschlossenen, dichten Lauben oft drückend dumpf oder schwül ist. Dagegen ist man auch dem Zuge mehr ausgesetzt, und es ist immer zweckmäßig, im Rücken ein Gebüsch anzubringen oder eine förmliche Hinterwand, und wenn es sehr zugig an dem Platze ist, auch Seitenwände, wenigstens so weit der Sitz reicht, zu errichten, die aus Hecken oder einem mit Kletterpflanzen bezogenen Geländer bestehen. Auf Anhöhen mit schönen Aussichten, besonders nach Abend zu, sollte man immer solche Lauben anlegen. Sie eignen sich auch in jedes Landschaftsbild, während künstliche Lauben in manche Landschaft gar nicht passen wollen.

Eine ganz andere Art Lauben bilden die Bäume mit hängenden Zweigen, besonders die Hänge- oder Traueresche, die hängende Sophora Sophora japonica pendula), die hängende Eberesche (Sorbis aucuparia pendula), die schwarze Schirmweide (Salix nigra pendula), die sogenannten Trauerrosen, d. h. auf hohe wilde Rosenstämme geimpfte Kletterrosen u. a. m. Läßt man diese ungehindert wachsen, so berühren die Aeste bald den Boden und bilden ein nach allen Seiten geschlossenes rundes Laubzelt. Sie haben den großen Vortheil, daß sie ein köstliches Versteck gewähren und doch nicht auffallen und dabei nach allen Seiten die Aussicht gestatten, wenn sie, wie es meistens der Fall ist, auf Rasenplätzen angebracht sind. Will man blos einen Schirm, der nach allen oder zwei Seiten offen ist, so bringt man ein Gestell an, auf welches sich die Aeste legen, und schneidet die zu tief herabhängenden alljährlich ab. Auf diese Weise kann man einen Schirm von 20 bis 30 Fuß Durchmesser aus einem einzigen Baume bilden. Diese Art Lauben sind besonders für Wirthschafts- und Gesellschaftsgärten zu empfehlen. Säulen und Gestell können aus bearbeitetem und angestrichenem oder aus noch mit der Rinde bekleidetem Holze bestehen.

Köstliche Lauben bildet der hochstämmige Baum, wenn Kletterpflanzen sich dazu gesellen, und diese Form ist unendlicher Abwechselungen fähig. Soll der Charakter des Baumes nicht geschwächt werden, so klettern die Schlingpflanzen nur am Stamme empor und verbreiten sich, wie natürlich von Ast zu Ast, so daß nach und nach eine grüne ebene Decke entsteht, aus der nur einzelne Ranken in malerischer Unordnung herabhängen. Soll dagegen mehr der Charakter der Laube hervortreten, und ein gewisser Abschluß nach Außen stattfinden, so werden in passender Entfernung vom Stamme und möglichst regelmäßige Stützen oder Säulen angebracht, an welchen die Schlingpflanzen hinaufklettern können. [268] Hierzu eignen sich ganz besonders Stämme von sogenanntem Naturholz mit rauher Rinde, am besten Eichenholz. Die Seiten bleiben ganz oder nach der Aussichtsseite offen, doch mögen sich zuweilen von den Säulen-Stämmen, namentlich, wenn diese Aeste haben, die Ranken der Kletterpflanzen gleichsam, wie eigenmächtig und des Zwanges spottend, bald tiefer, bald höher nach der Seite verbreiten.

Die Benutzung der Bäume als Lauben ist, mit Ausnahme der aus Hängebäumen, nicht häufig, und Viele mögen sie sogar nicht als Lauben betrachten, indem sie nur an die backofenförmigen, häßlichen, geschlossenen Lauben denken. Gleichwohl haben solche Schattenplätze, wie ich schon oben angedeutet, unbestreitbare Vorzüge in Bezug auf Schönheit und Annehmlichkeit, und sind auch billig herzustellen und zu unterhalten. Viel häufiger sind die aus Sträuchern und Hecken gebildeten Lauben. Ihr Urbild ist das zu einem dichten Laubdach verwachsene Gebüsch. War die Decke nicht von selbst dicht und schließend, so zog der Besucher solcher heimlichen Plätze die Aeste oben und an den Seiten zusammen und flocht die Zweige zu einer dichten Wand und Decke zusammen.

Dies waren jedenfalls die ersten eigentlichen Lauben. Man suchte darin Schutz gegen die Sonne, Regen und Wind, wohl auch ein Versteck, wie es noch heute bei Hirten, Jägern u. s. w. Brauch ist, und von Kindern so gern nachgemacht wird. Wer das Glück gehabt hat, seine Jugend auf dem Lande zu verleben, wird sich mit wehmüthiger Lust an die Zeiten erinnern, wo im Ufergebüsch oder am Bergrande verborgene Lauben gebildet wurden, die nur den vertrautesten Freunden bekannt waren. Ja oftmals ersah dazu der kühne größere Knabe die Krone einer buschigen Kopfweide oder den dichten Wipfel eines großen Baumes, brachte einen Sitz, wohl auch ein Bret zum Schreiben an, versuchte auf diesem Plätzchen, das gewöhnlich einen romantischen Namen erhielt, seine Ferienarbeiten zu machen, ohne jemals etwas fertig zu bringen, oder machte wohl gar Verse. Auch wenn der knabenhafte Jüngling schon von blauen Augen und blonden Haaren träumt und sich das Ideal der künftigen Liebe ausmalt, ist diese Laube der beliebteste und beste Ort. In den Strudel des geschäftlichen Lebens geworfen und älter geworden, belächeln wir solche Kindereien: und doch wie schön, wie glücklich war jene Zeit!

Man verzeihe diese kleine Abschweifung. Lassen wir jene Urbilder von Lauben für Kinder und Verliebte, für Erwachsene sind sie nicht, denn wir fühlen uns bei läugerm Aufenthalte beengt und gedrückt. Es fehlt darin an Licht; wir sind größer geworden und verlangen einen größeren freien Raum um und über uns. Gleichwohl sind sie in gewisser Form auch im Garten, besonders in Landschaftsgärten schön. Zwei Rosenbüsche oder andere schöne Sträucher mit überhängenden Aesten nahe am Wege stehend, oben zusammengewachsen oder künstlich zusammengezogen, mit einem Busch im Rücken ohne alles Geländer oder nur einen einfachen Bogen bildend, und nicht größer als nöthig ist, um eine Bank oder einige Stühle, vielleicht noch einen Tisch hinein zu stellen: eine solche einfache Laube ist für eine oder einige Personen ein höchst angenehmer Aufenthalt. Sie muß aber unbedingt nach einer Seite offen sein und nur ein Laubdach über den Sitz bilden.

Den Wenigsten mochte diese einfache Form genügen, auch wollten sie in den in regelmäßigen Formen angelegten Garten nicht recht passen. Man verlangt eine künstlichere, mehr architektonische Form, umgab den Platz mit einer dichten Hecke und zog die Zweige oben dicht zusammen, so daß kaum ein Sonnenstrahl einfallen konnte. Damit das Ganze Form behielte, so wurde ein Holzgestell angebracht. Eine Thür war meist die einzige Oeffnung, zuweilen wurden ein Paar regelmäßig vertheilte und geformte Fensteröffnungen angebracht. Das Ganze wurde mit Bänken und Tischen versehen. Dies wurde die gewöhnliche bürgerliche Gartenlaube, gleichsam der Typus aller Lauben, wie sie uns noch allenthalben, obschon meist in verwildertem Zustande begegnen. Hören wir, welchen Genuß und Nutzen sie bringen: In den ersten Jahren der Anlage, wenn die Hecken von Linden, Weißbuchen etc. noch dünn sind, und das Lattendach vielleicht mit Feuerbohnen, Winden oder Kürbis bedeckt ist, setzt man sich oft hinein, beklagt aber, daß sie bei Sonnenschein nicht schattig genug sei, und freut sich auf die Zeit, wenn sie erst ganz dicht sein wird. Die Laube wird dicht, endlich wölben sich die Aeste zur Decke wie ein Backofen zusammen und kein Sonnenstrahl dringt mehr durch. Der Gartenbewohner Wunsch ist nun erfüllt. Gleichwohl bleibt Niemand lange darin, man trinkt, wenn es heiß ist, allenfalls Kaffee, schnappt aber bald nach freier Luft und schlägt nach Mücken, deren Lieblingsaufenthalt solche Lauben sind. Gegen Abend nach Sonnenuntergang will gar Niemand mehr in der Laube sitzen, und man sucht sich gern freie Plätze aus, von wo man das verschwindende Abendroth und die nach und nach erscheinenden Sterne sehen kann. Der Boden darin ist fast immer feucht; die Bänke und Tische werden morsch und überziehen sich mit Moos. Die Sperlinge übernachten in dem dichten Astgeflecht und beschmutzen Tische und Bänke; Spinnen überziehen das Innere massenweise mit ihren Netzen zum Mücken- und Fliegenfange. Zuletzt dient die Laube nur noch als Versteck für das Dienstmädchen, wenn es ihrem Schatz ein spätes Stelldichein giebt, und zum Frühstücks- und Faulenzerplatz für Gartenarbeiter. – Nein! solche Lauben lege man nicht mehr an, und wer noch eine im Garten hat, haue sie ab oder halte sie wenigstens nach einer Seite ganz offen. Will man solche Hecken-Lauben bilden, so dürfen es nur bogenförmige Nischen sein, die den Sitzplatz wie einen Sonnenschirm schützen. Solche Plätze sind in Gartenwirthschaften sehr zweckmäßig und erwünscht, weil sie verschiedene Gesellschaften absondern, und man kann deren an den Seiten eines breiten Weges eine Menge anbringen.

Als sich im siebenzehnten Jahrhundert der französische architektonische Gartenstyl ausbildete, spielten diese Lauben eine große Rolle und wurden zu einer außerordentlichen Vollkommenheit gebracht. Zwar findet man schon Spuren von förmlichen Laubengängen bei den Römern unter den Kaisern; aber an eine solche Mannigfaltigkeit der Formen, wie in den späteren französischen Gärten nach Le Notre’s Erfindung war nicht zu denken. Da gab es Lauben, welche Häuser mit verschiedenen Zimmern und Sälen, andere, die Speisesäle, Tanzsäle, Tempel, Kapellen, offene Säulenhallen und andere Dinge mehr vorstellten. In den größeren Gärten sah man gerade oder kreisförmige Laubengänge von großer Länge, mit saalartigen Erweiterungen, entweder mit Fensteröffnungen versehen oder nach einer oder auch zwei Seiten offen und blos auf Heckensäulen ruhend. Das sogenannte Berceau beschattete ganze Wege und war gewöhnlich oben zugerundet. Selbst ganze Bäume waren zu Lauben verschnitten und stellten ein Haus oder einen Thurm mit verschiedenen Stockwerken vor, die man auf Treppen erreichen konnte. Bei Festlichkeiten von zahlreichen Menschen belebt, dabei oft noch mit Statuen verziert, mochten diese Laubengebäude glanzvoll genug aussehen, und der erste Anblick solcher Künsteleien, wovon hier und da noch einige leidlich erhalten sind, riß zur Bewunderung hin; aber sie konnten nur für den ersten Augenblick gefallen und mußten bald als langweilig und zwecklos erscheinen. Eine solche Vereinigung von Laubgebäuden hat das traurige Ansehen einer unbevölkerten Stadt.

Wir kommen nun zu den Lauben, wo das Gestell von Holz die Form bedingt, indem die dazu verwendeten Pflanzen zu schwach sind, um sich selbst zu halten. Dies sind die echten vervollkommneten Lauben. Sie gewähren Schutz, Schatten und Abgeschlossenheit, ohne dumpfig und düster zu werden. Sie werden nur mit leichten Pflanzen bezogen, entweder mit förmlichen Schling- und Kletterpflanzen, sowohl holz- als krautartigen, oder mit andern dünnzweigigen schönblühenden Pflanzen. Obschon vollkommen grün, müssen sie doch das Licht nicht zu sehr abschließen und selbst einzelnen Sonnenstrahlen Eingang gestatten, was der Kühlung nichts benimmt. Alle Zweige müssen auch von inwendig mit Blättern besetzt sein, so daß das Auge überall Grün, nie abgestorbene und zu Hecken verwachsene Aeste sieht. Wenn nicht besondere Ursachen zur Abgeschlossenheit vorhanden sind, so halte man sie nach zwei, wenigstens nach einer Seite ganz offen oder bringe hinlänglich große Oeffnungen an. Je dichter die Bekleidung der Laube mit Blättergrün ist, desto offener müssen die Seiten bleiben. Die Höhe richtet sich nach der Größe und sollte bei kleineren Familienlauben nicht unter 10 Fuß, bei großen Gesellschaftslauben nicht unter 15 Fuß, bei ganz kleinen Nischenlauben, welche nur eine Bank überwölben, nicht unter 6 bis 7 Fuß betragen. Je höher die Laube ist, desto angenehmer wird der Aufenthalt darin.

Die schönsten, zweckmäßigsten und leichtesten Lauben sind solche, die mit Kletterpflanzen (Schling-Rankenpflanzen) bezogen werden. Darunter verstehen wir alle Pflanzen, die von der Natur

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angewiesen sind, sich von selbst auf irgend eine Weise an andere Gegenstände zu befestigen.

Außer den eigentlichen Schlingpflanzen eignen sich aber noch viele Pflanzen mit langen, dünnen Zweigen zu solchen Lauben.

Sehr schön sind hochwachsende Rosen, deren es eine Menge schöner Arten und Sorten zu diesem Zwecke giebt.

Die Anwendung der Sträucher schließt jedoch die eigentlichen Schlingpflanzen nicht aus, und man kann immer hie und da eine Schlingpflanze mit an der Laube ziehen, besonders schönblühende und langwachsende zur Bedachung. In einem folgenden Artikel sollen die zu Lauben geeigneten Pflanzen namentlich aufgeführt und ihre Verwendung besprochen werden.

In der Form lassen diese Lauben die größte Mannigfaltigkeit zu. Einen charakteristischen Unterschied macht die Art des Gerippes (Geländers), nämlich ob dieses einfach, von rohem Holz, an dem noch die Rinde ist, oder ob es elegant von bearbeitetem, angestrichenem oder gar vergoldetem Holze (wie im Orient), oder von Eisen und Draht ist. Beide Arten von Lauben, die künstlichen wie die einfachen, sind schön, jede an ihrem Platze. Luxus ist durchaus keine nothwendige Eigenschaft an Lauben, obschon ich ihn nicht ganz ausschließen möchte, wie es einige ältere Aesthetiker wollen. Ich kenne Lauben von rohen Aesten, die dem prächtigsten Blumengarten zur Zierde gereichen, allerdings aber in einer weniger geschmückten und gekünstelten Natur noch mehr am Platze sein würden. Dagegen dürfen Lauben mit gekünstelten Gerippen, die auch nackt und noch nicht mit Pflanzen bekleidet, auf Schönheit Anspruch machen, nur in eigentlichen Gärten und in der Nähe von Gebäuden vorkommen, denn sie würden in einem ungeschmückten Landschaftsgarten nur stören. – Lauben von rohem Holze sollten so ungekünstelt in der Form sein, daß sie nur als Träger der Schlingpflanzen erscheinen, und man darf nicht etwa von Bohnenstangen Sterne, künstliche Rosetten und andere Zimmermannskunststücke ausführen wollen, wie es so häufig geschieht. Solche Lauben sehen häßlich aus, bis sie grün sind, und dann sieht man nichts mehr vom Holzwerk, also war die Zierrath mindestens überflüssig. Das Holzgestell darf für sich gar nicht gesehen sein wollen, sondern nur als Träger der Zweige erscheinen. Auch hier sind die an den Seiten offenen Lauben am schönsten und die Säulen können, wie oben bei den Blumenlauben erwähnt wurde, mit knorrigen Aesten besetzt sein. Ich habe einmal eine Nachahmung einer solchen Naturlaube aus dunkel bronzirtem Gußeisen gesehen, die von außerordentlicher Schönheit war. Wo ein Ast unnatürlich schien, war zur Ausfüllung ein Hirsch- oder Rehgeweih angebracht. – Will man einmal elegante Lauben, so mache man sie von Eisen oder Draht, oder wenigstens nur die Säulen und Rahmenstücke von Holz, das kunstlose Geflecht aber von Draht; denn die geschnörkelte Künstelei des Tischlers gefällt hier nicht mehr, als das oben erwähnte Kunststück des Zimmermanns, und hält nicht lange. Hier genügt meistens ein einfacher Bogen oder ein gerades Dach. Will man die Seiten etwas verzieren, so forme man einige Bogen, die das Ansehen von nur durch eine mit Grün bezogene Säule getrennten Fenster- und Thürbogen haben. Sehr gekünstelte Lauben von Metall, z. B. solche, die einen Kiosk, orientalische und chinesische Gebäude, Tempel u. s. w. vorstellen, gehören mir in einen Prachtgarten, und es ist hier das Gerippe die Hauptsache, weshalb es auch nur dünn mit Pflanzen bezogen werden darf, um die schönen Formen nicht zu verdecken. Aus dieser Ursache sind sie nicht einmal zweckmäßig und durchaus nicht behaglich. Eine der schönsten und zierlichsten Lauben von Gußeisen, die ich kenne, habe ich in meinem „Katechismus der Ziergärtnerei“ abbilden lassen.

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Sie stellt einen von hinten auf wenig sichtbaren Säulen ruhenden Thronhimmel mit gothischen Verzierungen dar. Die Schlingpflanzen sind aus der Spitze durch eine hohle Base gezogen, und bilden darin ein Bouquet. Die häßlichsten Drahtlauben sind die, welche das Ansehen eines großen Vogelkäfigs haben und nach allen Seiten zu sind. Kleine Drahtlauben kann man auf einen Bretterboden befestigen und mit kleinen eisernen Rädchen versehen.

Nicht genug zu empfehlen sind Lauben in Verbindung mit kleinen, zierlichen Gärtenhäuschen, wo die Laube gleichsam nur die Vorhalle bildet. Man begreift leicht, wie angenehm es ist, eine Laube zu besitzen, deren hinterer Theil gegen Regen geschützt ist, so daß man sie bequem und elegant einrichten kann. Eine solche Laube ersetzt im Sommer förmliche Zimmer. Solche Gartengebäude lassen die größte Einfachheit und die größte Eleganz zu. Nach der Laube zu sind sie ganz offen oder mit einer Glasthür versehen. Der Hellung und Aussicht wegen kann auch eine Wand aus Glas bestehen.

Eine ganz eigene Art von Lauben bildet die italienische Pergola, eine Form, die neuerdings in fast allen Ländern, wo es elegante Gärten giebt, die alte Laube verdrängt hat. Die Urform besteht in Italien schon, seitdem die Weinrebe dort kultivirt wird, und hat sich bis heute so erhalten. Hohe Steinpfeiler tragen starke Querhölzer, die immer gerade aufliegen. So entstehen entweder bloße Lauben oder förmliche Rebengänge. Ihr Zweck ist, die Wege zu beschatten und dieselben durch Weinbau nutzbar zu machen. Sie eignen sich ganz vortrefflich zum italienischen Baustyl, und werden in Gärten vorzugsweise in Verbindung mit Gebäuden angebracht. Durch die Einführung der Pergola in die Gärten hat sich ihr Wesen etwas verändert. Zwar sucht man, namentlich, wenn die Architektur des Wohnhauses an die italienische erinnert, stets Steinpfeiler anzuwenden, aber schon die Römer hatten anstatt derselben kunstvolle Säulen und Karyatiden. Unter anderen beschreibt Plinius eine Weinlaube, welche einen Sitzplatz (Stibadium) und Brunnen beschattete, die von vier Lastträgerinnen (Karyatiden) aus Marmor getragen wurde. Schinkel hat davon eine sehr schöne ideale Zeichnung entworfen. So wurden nach und nach die Steinpfeiler zu Säulen und Holzpfeilern, und man verband die Formen der leichten orientalischen Gitterlauben mit denen der einfachen Pergola. Bedingung ist, daß die Tragsäulen immer eine ziemliche Stärke haben. Diese Pergola wird zur Veranda, wenn sie an einem Gebäude angebracht wird, wozu sie sich vor Allem eignet. [270] Sie bildet dann einen Theil der Architektur des Gebäudes und trägt außerdem viel zu dessen Schönheit bei. Es ist wunderbar, wie man mit einer Veranda und Schlingpflanzen ein unansehnliches, sogar häßliches Gebäude völlig verändern und verschönern kann, namentlich, wenn dasselbe im Verhältniß zu hoch ist. Das nüchternste Gebäude wird durch eine Veranda schön. Die Veranda kann als bedeckter Gang das Wohnhaus umgeben, und als schattiger Gang über den Hof führen, oder auch blos an der Sommerseite angebracht sein. Es kann keinen reizenderen Vorplatz geben, als eine unmittelbar mit dem Hause verbundene Veranda. Damit die untern Zimmer nicht zu sehr verdunkelt werden, muß die Veranda hoch angebracht werden. Man macht sie an Gebäuden aus diesem Grunde auch oft schräg (dachförmig) und läßt sie bis unter die Fenster des ersten Stockes gehen, wodurch allerdings die Architektur des Gebäudes sehr verdeckt wird. Die wahre Pergola oder Veranda hat oben weit entfernte Querhölzer, es ist aber gut, Draht dazwischen anzubringen, um die Schlingpflanzen besser befestigen zu können. Die Seiten sind stets ganz offen und außer den Säulen nie mit Schlingpflanzen bezogen. Gerade dies bedingt ihren Charakter und macht sie so schön. Wo Wein gedeiht, sollten nur Reben an der Pergola gezogen werden, denn dies ist ihre Bestimmung.

H. Jäger.